Amerika (USA), Kapitalismus im Endstadium?

Obdachloser in Amerika (USA).

Kapitalismus und die Folgen

Wer etwas über die Zukunft Deutschlands erfahren möchte, tut meistens nicht schlecht daran, einen Blick auf Amerika zu werfen. Viele wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen werden hierzulande mit einer Verzögerung von zehn bis zwanzig Jahren nachvollzogen. Die in den USA schon in den Achtzigerjahren üblichen und sich jetzt auch hier ausbreitenden Zweit- und Dritt-Jobs sind dabei nur der Anfang. Verschärfend kommt in den Vereinigten Staaten allerdings die gegenüber europäischen Vorstellungen grundsätzlich anders geartete Ausrichtung der staatlichen Daseinsvorsorge hinzu. Diese verschärft die durch den Kapitalismus hervorgerufenen gesellschaftlichen Verwerfungen in entscheidendem Maße.

Die wirtschaftliche Lage in Amerika

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von über 18,5 Billionen US Dollar sind die USA weiterhin die mit Abstand wichtigste Volkswirtschaft der Erde. Auf Platz zwei folgt China mit 11, 2 Billionen US Dollar. Seit der Kapitalismus im kommunistisch regierten Reich der Mitte Fuß gefasst hat, sind allerdings die Wachstumsraten in der Volksrepublik deutlich höher als in den USA. Entsprechend dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, wann China die Vereinigten Staaten als größte Wirtschaftsmacht ablösen wird. Dies umso mehr, als dem hohen Bruttoinlandsprodukt eine Staatsschuldenquote von 107 Prozent gegenüber steht. Die Schulden sind also um sieben Prozent höher als die gesamte Wirtschaftsleistung eines Jahres. Hier sind die Zahlen im Fall Chinas deutlich positiver. Außerdem sind in den USA die Folgen der Finanzkrise vor zehn Jahren noch nicht vollständig aufgearbeitet und überwunden. Insofern gibt es in Amerika viel zu tun, was die Abarbeitung dieser Problemfelder betrifft.

Krisen schlagen härter nach unten durch

Diese sich weiter verschärfenden Krisen treffen im Kapitalismus amerikanischer Machart vor allem die unteren Schichten in besonders harter Weise. Anders als in Europa ist das Sozialsystem nicht auf dem Gedanken der Teilhabe aufgebaut sondern orientiert sich eher an einem christlichen geprägten Verständnis von Wohlfahrt. Entsprechend empfinden von Sozialhilfe abhängige Menschen in Amerika sich in noch höherem Maße als Almosenempfänger, als dies bereits in Europa der Fall ist. Trotz Obama Care steht es außerdem um die Gesundheitsversorgung der amerikanischen Bevölkerung weiterhin schlecht. Hinzu kommt, dass die Qualifizierung durch Bildung zunehmend schwerer wird. Immer mehr Hochschulabsolventen haben immense Probleme, ihre während des Studiums aufgenommen Kredite aus ihrem laufenden Einkommen abzutragen. Auf diese Weise nimmt der Mittelstand in den USA stetig ab. Gleichzeitig sammelt sich durch Faktoren des Kapitalismus wie den Zinseszinseffekt immer mehr Reichtum in den Händen einer kleinen, elitären Oberschicht.

Eine Frage der Zeit

Das Abrutschen weiter Bevölkerungsteile in Richtung Unterschicht wird durch die eher zurückhaltende Steuerpolitik in Amerika weiter verschärft. Aufgrund der Dynamiken des Kapitalismus wird so der Prozess der Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich noch weiter beschleunigt. Eine weitere Konzentration des Reichtums in noch weniger Händen wird sich in diesem Stadium ohne echte korrigierende Maßnahmen der Politik nicht in den Griff bekommen lassen, ohne, dass es zu schweren sozialen Unruhen kommt. Eine ähnliche Entwicklung ist mittel- bis langfristig aufgrund der engen weltweiten ökonomischen Verknüpfung auch in Europa denkbar.