Blindenhund – Engel auf vier Pfoten!

Ein Blindenhund im Einsatz.
Ein Blindenhund im Einsatz.

Wie wird ein Hund eigentlich zum Blindenhund?

Hunde sind die besten Freunde des Menschen. Jeder Hundebesitzer wird bestätigen können, dass sich die Liebe eines Hundes durch nichts ersetzen lässt. Viele einsame oder kranke Menschen schöpfen sogar neuen Lebensmut, indem sie sich einen Vierbeiner anschaffen. Doch ein Blindenhund leistet noch viel mehr als ein gewöhnlicher Hund. Er bietet Blinden oder Sehbehinderten ein großes Stück Lebensqualität.

Die Geschichte des Blindenhundes

Es gibt nur wenige belegte Quellen, welche sich mit den Anfängen des Blindenhundes befassen. Vereinzelt existieren allerdings Hinweise, welche belegen, dass bereits ab der Mitte des 14. Jahrhunderts Hunde als Helfer für Sehbehinderte eingesetzt wurden. In einer Bettelordnung aus dem späten Mittelalter heißt es zum Beispiel, dass Bettler keinen Hund halten dürften – außer, der betreffende Bettler sei blind. Der erste nach allen Regeln der Kunst ausgebildete Hund wurde an Paul Feyen übergeben. Dieser Mann war aufgrund einer verheerenden Kriegsverletzung nicht mehr sehtüchtig. Der Blindenhund wurde im Jahr 1916 vom Verein für Sanitätshunde an Feyen übergeben.

Der Blindenhund und seine Fähigkeiten

Ein ausgebildeter Blindenhund sucht auf die Anweisung seines Ausbilders oder Besitzers hin zum Beispiel nach Türen, Treppen, Briefkästen, Sitzplätzen und noch vielem mehr. Aufgrund dieser Fähigkeit ermöglicht er es Blinden, öffentliche Plätze zu besuchen, Bahn zu fahren und sich zu Fuß frei im Straßenverkehr zu bewegen. Indem der Hund gefährlichen Hindernissen ausweicht, wird der Zusammenprall seines Halters mit Ampeln, anderen Menschen usw. effektiv verhindert. Zu diesem Zweck trägt der Hund ein Geschirr mit Griff am oberen Ende, welches vom Besitzer gehalten wird. Der Blindenhund führt die betreffende Person durch die Straßen, als handle es sich um einen Hindernisparcours. Auch die Notwendigkeit zum Stehenbleiben zeigt das Tier zuverlässig an, sodass Zusammenstöße mit Bahnen und Autos vermieden werden. Sogar Bodenlöcher sowie große Pfützen umgeht der Hund großzügig, damit sein Halter nicht stolpert oder sich anderweitig verletzt.

Der intelligente Gehorsam ist wichtig

Manchmal muss ein Blindenhund ganz alleine entscheiden, was zu tun ist. Diese Fähigkeit, sinnvolle Befehle von anderen zu unterscheiden, nennt sich intelligenter Gehorsam. Das Vermögen ist notwendig, damit der Blindenhund zumindest in Teilen autonom entscheiden kann. Wenn der blinde Besitzer seinem Hund zum Beispiel den Befehl gibt, sich in Bewegung zu setzen, obwohl ein Auto herannaht, dann muss der Hund in der Lage sein, diesen Befehl zu verweigern. Er muss quasi für den Blinden „mitdenken“ bzw. viel mehr „mitsehen“. Sofern keine akute Gefahr droht, soll das Tier natürlich trotzdem verlässlich gehorsam sein. Sofern ein Tier diese Kriterien nicht erfüllt, eignet es sich nicht als Blindenhund.

Die Ausbildung zum Blindenhund

Für die Ausbildung kommen nur jene vierbeinigen Anwärter infrage, die zugleich nervenstark, wesensfest und intelligent sind. Zudem müssen sie besonders friedfertig und belastbar sein. Um ganz sicherzugehen, dass das Tier zu hundert Prozent gesund ist, wird vor der Ausbildung außerdem ein intensiver Gesundheitscheck durchgeführt. Hier werden vor allem die Sinne, die Gelenke und die Organe des Tieres untersucht. Die ersten Eignungstests bezüglich des Wesens der Tiere werden bereits im frühen Welpenalter durchgeführt. Mit gerade einmal acht Wochen werden die infrage kommenden Tiere von einem erfahrenen Führhundetrainer getestet. Alle Welpen, die als geeignet erscheinen, werden in eine Art Patenfamilie übergeben. Dort werden sie für den Zeitraum eines Jahres sozialisiert. Anschließend werden die Hunde in speziellen Schulen ausgebildet, welche unterschiedliche Methoden nutzen. Diese Ausbildung dauert in der Regel zwischen 10 und 12 Monaten; in seltenen Fällen länger. Für die Ausbildung kommen vor allem ruhige Rassen mit wenig Potenzial zur Aggression infrage. Auch Tiere mit einem ausgeprägten Jagdinstinkt können nicht zum Blindenhund ausgebildet werden. Vor allem eignen sich Golden Retriever, Labrador Retriever und Deutsche Schäferhunde, wobei man Letztere heute nur noch selten als Blindenhund einsetzt.