Brennstoffzellen bald auch in Streetscootern?

Bild eines kleinen Brennstoffzellen-Generators.
Bild eines kleinen Brennstoffzellen-Generators.

Der Netzbetreiber Westnetz und die Firma Streetscooter sind eine Partnerschaft eingegangen.

Ziel des Bündnisses zwischen den beiden großen Konzernen: Die Elektrolieferwagen der Deutschen Post sollen zukünftig auch für längere Strecken mit umweltfreundlichen Brennstoffzellen ausgerüstet werden.

Was planen die beiden Unternehmen genau?
Der größte Netzbetreiber für Energieverteilung in Deutschland wird 300 elektrisch angetriebene Fahrzeuge der Deutschen Post kaufen. Für die firmeneigenen Bedürfnisse sollen diese Fahrzeuge umgerüstet werden, teilte das Unternehmen kürzlich offiziell mit. Bis zum Jahr 2022 sollen die sogenannten Streetscooter in einem einsatzbereiten, modifizierten Zustand dann übergeben werden. Die angepeilte Motorleistung soll 70 kW betragen und das Gefährt soll eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h erreichen.

Der Einsatz von Brennstoffzellen ist vorgesehen, damit die Reichweite erhöht werden kann. Die Fahrzeuge sollen mithilfe des Antriebs an die Anforderungen des Netzbetriebs auch in eher ländlichen Regionen angepasst werden. Exakte technische Einzelheiten gibt es noch nicht. Bereits im Jahr 2017 hatte die Post-Tochter Streetscooter angekündigt, dass sie ein zweites Produktionswerk in Düren eröffnen will. Innerhalb der beiden Werke Aachen und Düren sollte dann eine Kapazität von bis zu 20.000 produzierten E-Fahrzeugen erreicht werden. Der Betrieb wird aktuell sogar noch weiter ausgebaut, indem der Betrieb in zwei bzw. drei Schichten läuft.

In Verhandlungen mit Drittkunden setzt die Firma StreetScooter aktuell zunehmend auch auf branchenspezifische Angebote. Als Beispiel wird ein Fahreug genannt, welches extra für Bäckereien und andere Gewerke angefertigt wurde: das „Bakery Vehicle One“. Das Fahrzeug ist 3,5 Tonnen schwer und wird von mindestens 200 Handwerksbetrieben als potenzielle Interessenten und Käufer genutzt werden.

Wie müssten die Akkus für einen effizienten Betrieb beschaffen sein?
Um elektrisch angetriebene Lkws auch auf langen Strecken und ohne zahlreiche Ladestops versorgen zu können, müssten die Fahrzeuge enorm große Akkus mit sich führen. Logische Folge: Die Nutzlast würde sinken. Kleine Akkus schränken allerdings die Reichweite erheblich ein und werden deshalb nur selten verwendet. Lösung für dieses Problem sollen Brennstoffzellen in Kombination mit Wasserstofftanks sein. Diese sollen mitgeführt werden und die Akkus unterwegs aufladen – ganz ohne lästige Stopps. Ein Hersteller aus Amerika arbeitet bereits seit längerem an dieser Lösung.

Brennstoffzellen auch bald in Sprintern einsetzbar?
Auch die Firma Mercedes möchte die hohe Reichweite der Wasserstoffantriebe nutzen, um Lastwagen damit zu versorgen. Erst kürzlich hat der Autohersteller ein auf dieser Technik basierendes Reisemobil präsentiert. Zukünftig sollen jedoch auch Sprinter für den gewerblichen Einsatz mit Brennstoffzellen fahren.

Wohnmobil als reisende Brennstoffzelle
Um ein Konzept für Langstrecken taugliche Brennstoffzellen vorzustellen, hat Mercedes ein Wohnmobil damit ausgestattet. Das Gefährt soll mit dieser Zelle bis zu 500 km zurücklegen können und nur in wenigen Minuten wieder vollgetankt sein. Das Wohnmobil dient dabei ausdrücklich als Konzept für die Öffentlichkeit. Langfristig sollen neben Sprintern der Firma auch schwere LKWs mit Brennstoffzellen ausgerüstet werden.

Auch die ganz großen Unternehmen steigen mit ein
Der Internetriese Amazon möchte nach eigener Aussage bis Ende des Jahres 100 elektronisch angetriebene Autos in seinen Fuhrpark eingliedern. Davon betroffen sind die beiden Städte Bochum und Düsseldorf. Der Kooperationspartner Hermes will ganze 1.500 Gefährte der Firma Mercedes Benz übernehmen. Anders als bei Amazon geht es dabei nicht nur um das Modell „eVito“, sondern auch um die Sprinter, welche erst im Jahr 2019 erscheinen sollen.

Der Sprinter soll mit einem Akku, welches 55 kWh fasst, ausgestattet werden. Dabei hätte das Gefährt eine Reichweite von ungefähr 150 km bei einer maximalen Beladung von ganzen 900 kg. In einer anderen Konfiguration der Brennstoffzellen mit 41 kWh soll eine Reichweite von mindestens 155 km bei einer Last von 1.000 kg erzielt werden. Wie teuer die mit Brennstoffzellen betriebenen eSprinter sind, steht offiziell noch nicht fest. Allerdings ist davon auszugehen, dass den Vertragspartnern die Endpreise bereits bekannt sind.