Das Baukindergeld – Fluch oder Segen?

Symbolbild für das Baukindergeld.
Symbolbild für das Baukindergeld.

Baukindergeld – sinnvolles Hilfsmittel oder Förderung an der falschen Stelle?

Seit Ende 2005 die Eigenheimzulage abgeschafft wurde, wird in regelmäßigen Abständen über neue Fördermittel und Möglichkeiten für den Erwerb von Wohneigentum diskutiert. Gerade unter den Gesichtspunkten zunehmender Wohnungsknappheit und steigender Baupreise erwägt die neu gebildete Große Koalition die Einführung eines so genannten Baukindergelds.

Was ist das Baukindergeld?
Das angedachte Baukindergeld sieht vor, jeder Familie mit Kindern bei Kauf oder Neubau einer Immobilie eine Förderung von 1.200,- je Kind und Jahr über einen Zeitraum von 10 Jahren zukommen zu lassen. Insgesamt erhält also eine Familie mit einem Kind eine Gesamtförderung von 1200,- EUR, mit zwei Kindern sogar 24000,- EUR. Antragsberechtigt sollen Familien bis zu einem zu versteuernden Einkommen von 75.000,-EUR jährlich sein, wobei je Kind ein Freibetrag von 15000,- EUR hinzukommt.

Vorteile einer Förderung von Wohneigentum
Der generelle Vorteil einer Wohnraumförderung liegt, unabhängig von Art und Höhe der Zuwendung, auf der Hand. Personenkreise, die eigentlich nicht, oder nur sehr begrenzt, zur Finanzierung einer Immobilie in der Lage sind, können sich den Wunsch vom Eigenheim erfüllen. Einerseits wird die Absicherung der Eigentümer im Sinne einer Altersvorsorge erhöht, andererseits wird der Mietmarkt durch jeden neuen Eigentümer entlastet. Durch die Koppelung der Förderung an die Kinderzahl werden vor allem die Personenkreise durch das Baukindergeld entlastet, die bei der Suche nach Immobilien besonderen Erschwernissen gegenüber stehen.

Die Auszahlung als jährlicher Zuschuss führt zu einer dauerhaften Entlastung, zumindest über die ersten 10 Jahre und somit über die erste Phase üblicher Zinsbindungsfristen. Die Förderung greift also genau dann, wenn sich die Erwerber mit der größten regelmäßigen Belastung durch Zinst- und Tilgungszahlungen konfrontiert sehen.

Schwächen am geplanten Baukindergeld
Kritiker des geplanten Baukindergelds führen dagegen an, dass die Fördermaßnahme in erster Linie die Familien erreicht, die ohnehin über ein ausreichendes Startkapital und Einkommen zur Tilgung verfügen. Durch die regelmäßige Auszahlung in kleinen Beträgen, kann das Baukindergeld nicht dazu beitragen, die zu Anfang eines Immobilienkaufs anstehenden Kostenpakete zu bewältigen. Durch Grunderwerbssteuer, Notarkosten und andere Posten können unmittelbar bei Erwerb schnell einige 10000,- EUR an Kosten anfallen. Diese Kosten müssen auch bei Inanspruchnahme des Baukindergelds komplett aus eigenen Mitteln bewältigt werden. Als Folge, so die Kritiker, bleiben weiterhin all diejenigen Familien außen vor, die diese Einstiegskosten nicht alleine stemmen können.

Fazit
Der Wunsch der Bundesregierung, den Erwerb von Wohnimmobilien nach Ende der Eigenheimzulage erneut zu fördern, erscheint sehr positiv. Gerade die Koppelung an die Kinderzahl lässt vermuten, dass die Förderung den Familien mit dem potentiell höchsten Förderbedarf zu Gute kommt.

Das Gegenargument, das Baukindergeld greife erst nach Überwindung der ersten Finanzierungshürden erscheint eher leichtgewichtig, da ohnehin ein Immobilienkauf ohne Finanzierung mittels Krediten nur bei einem sehr begrenzten Personenkreis in Frage kommen dürfte. Ob die Förderung nun gleich zu Beginn oder gleichmäßig über einen längeren Zeitraum greift, dürfte daher den Kreis der Erwerber nicht erheblich reduzieren.

Klar sollte allen Lesern zudem sein, dass ein Förderprogramm nie alle Eventualitäten eines Einzelfalls berücksichtigen kann und daher eher auf anzunehmende Regelfälle abgestimmt sein muss. Und genau hier scheint das Baukindergeld einem recht stimmigen, auf Ausgewogenheit zwischen Begrenzung der Förderung und Ermöglichung von Immobilienerwerb basierenden Konzept zu folgen. Über die genauen Rahmenbedingungen, wie Gehaltsobergrenze, Laufzeit und jährlichem Zuschuss, ließe sich sicherlich ausschweifend diskutieren. Der Ansatz, Familien den Einstieg in den Immobilienbesitz zu erleichtern, führt aber sicherlich in die richtige Richtung.