Das bewirkt der Zinseszins-Effekt!

Bild mit Goldbarren und Geld.
Bild mit Goldbarren und Geld.

Der Zinseszins Effekt zeigt Vor- aber auch Nachteile.

Wer in der optimalen Lage ist, Geld verleihen zu können, tut dies nicht nur aus Nächstenliebe, sondern meist möchte er auch davon finanziell profitieren. Dies funktioniert durch die Verrechnung von Zinsen. Wird der Kredit zurück bezahlt, betrifft dies nicht nur die eigentlich geliehene Summe, sondern auch angefallenen Zinsen. Noch mehr lukriert derjenige, wenn sogar Zinseszinsen verrechnet werden. Was sich auf den ersten Blick gut und im Sinne eines wachsenden Vermögens anhört, birgt auf den zweiten Blick auch Tücken.

Einfache Rechenaufgabe

Wer 10.000 Euro für ein Jahr anlegt und dafür 4 Prozent Zinsen erhält, der bekommt nach Ablauf der Frist einen Zinsertrag von 400 Euro. Wird der Betrag entnommen und ausgegeben, bleibt also nur das Kapital veranlagt, wird sich der Zinsertrag auch für das kommende Jahr kaum merklich verändern. Anders verhält es sich, wenn die lukrierten 400 Euro ebenfalls wieder veranlagt werden. Damit werden nämlich nicht nur die ursprünglichen 10.000 Euro verzinst, sondern insgesamt 10.400 Euro. Damit steigt der Zinsertrag bei gleichbleibendem Zinswert auf 416 Euro. Diese Tatsache, dass sich Zinsen wieder verzinsen, wird als Zinseszins Effekt beschrieben. Gerade für langfristige Anlagen ist dieser sehr hilfreich und trägt dazu bei, dass auch mit dem Ansparen von kleinen Beträgen am Ende eine größere Summe erreicht wird.

Bei Anlage wird Zinseszins deutlich

Ein einfaches Beispiel kann den Effekt des Zinseszins für Anlagevermögen eindringlich veranschaulichen. Ausgehend davon, dass zwei Anleger für ihr Alter vorsorgen wollen, beginnt der eine mit 19 Jahren einen Sparplan abzuschließen. Damit erhält er jährlich eine Rendite von 10 Prozent. Im Laufe von sieben Jahren tätigt er Einzahlungen von jährlich 2.000 Euro, dann stellt er das erzielte Kapital bis zu seinem 65. Lebensjahr ruhend. Der zweite Anleger schließt erst mit 26 Jahren den Sparplan ab und zahlt ebenfalls 2.000 Euro jährlich ein. Auch er erhält 10 Prozent Zinsen. Im Unterschied zum ersten Sparer zahlt dieser jedoch bis zu seinem 65. Lebensjahr weiter ein. Der Ertrag der Beiden am Ende der Laufzeit ist auf den ersten Blick überraschend. Denn der erste Sparer hat im Endeffekt nahezu den gleichen Kapitalbedarf wie der zweite, obwohl er ja viel weniger eingezahlt hat. Der Grund liegt im Zinseszins Effekt, der für den höheren Wert verantwortlich ist.

Negativeffekt des Zinseszins bei Krediten

Nicht ganz so positiv ist der Effekt des Zinseszin bei Krediten. Klar ist, dass Kreditnehmer für Geld von der Bank Zinsen zahlen müssen. Diese müssen regelmäßig immer auf die noch offene Restschuld geleistet werden. Wer regelmäßig zurück zahlt, erreicht, dass ein Schuldenabbau im Laufe der Zeit erfolgt und die Schuldenlast gesenkt wird. Mit wachsender Tilgung reduziert sich der Betrag der Zinsbelastung, der in den Raten enthalten ist. Ein Problem offenbart sich dann, wenn der Schuldner plötzlich nicht mehr zahlen kann. Denn dann werden weder Zinsen noch Beiträge zur Tilgung geleistet und die aufgelaufenen Zinsen belasten das Darlehen zusätzlich. Denn das Finanzinstitut wird die geschuldeten Zinssummen auf den Darlehensbetrag aufsummieren, womit die Schuld zusätzlich steigt.

Zinseszins als verantwortlicher Auslöser für Wirtschaftskrise

Kritiker des Zinseszins Effektes sehen in ihm auch einen Auslöser der Wirtschaftskrise während der vergangenen Jahre. Klar ist, dass gerade dieser als eines der größten Phänomene in der Finanzwelt gilt, vor allem weil der Aspekt des exponentiellen Wachstums kaum vorstellbar ist. Bereits kleinste Veränderungen wie die gültige Zeitspanne oder der Zinssatz haben enormen Einfluss auf den Zins und in der Folge den Zinseszins. Geht es um langfristige Investitionen, die davon profitieren, muss klar sein, dass sowohl Zinsen als auch der Zinseszins kein reales Geld sind, das sich im Umlauf befindet. Damit entsteht eine Blase am Finanzmarkt, die schlimmstenfalls platzen und zu einer umfassenden Inflation führen kann. Das ist das größte Risiko.