Das große Insektensterben! Ursachen?

Bild von einer toten Hummel.
Bild von einer toten Hummel.

Welche Ursachen sind für das große Insektensterben verantwortlich?

Im Allgemeinen werden Insekten als eklig, nervig und unnütz bezeichnet. Allerdings sind die kleinen Krabbler für das komplette Ökosystem unersetzlich. Wissenschaftler des ‚Entomologischen Vereins Krefeld‘ haben nun in einer Langzeitstudie nachgewiesen, dass ein enormes Insektensterben stattfindet. Seit 1990 hat sich die Anzahl der Insekten allgemein um etwa 76 Prozent verringert. Speziell während der Hochsommerwochen belief sich die Menge fehlender Insekten sogar auf 82 Prozent. Doch gerade in dieser Zeit sollten besonders viele Insekten unterwegs sein.

Das Ergebnis der Studie ist deshalb außerordentlich alarmierend, da diese in Naturschutzgebieten stattfand – also in Bereichen, wo normalerweise eine besonders hohe ökologische Vielfalt anzutreffen ist. Es kann nur erahnt werden, wie immens hoch das Insektensterben in allen übrigen Gebieten ist.

Was macht Insekten so wichtig für uns?
Keine Tierart ist derart zahlreich wie die Gruppe der Insekten. So gehören über 60 Prozent der wissenschaftlich erfassten Tiere zu den Insekten. Allein im deutschen Raum vermuten Experten deshalb weit mehr als 33.000 verschiedene Arten. Was Sie dazu wissen sollten, ist, dass Insekten vielfältige Aufgaben innerhalb unseres Ökosystems erfüllen:
– Ungefähr 80 Prozent der Wildgewächse und Nutzpflanzen wie unter anderem auch Arzneipflanzen und Baumwolle werden durch Fluginsekten bestäubt.
– Insekten dienen vor allem Amphibien und Vögeln als essenzielle Nahrungsquelle. Ohne ihre gewohnte Nahrung können diese ihre Jungen nicht aufziehen und werden deshalb auch verschwinden. Der Rückgang beläuft sich derzeit auf etwa 13 Prozent.
– Insekten verwerten zudem Bioabfälle und totes Holz, sodass wieder kostbarer Humus entsteht.

Eine Welt ohne bestäubende Insekten
Geht das Insektensterben auf diese Art weiter, könnten letztendlich verheerende Folgen auftreten. Pflanzen, die von der Insekten-Bestäubung abhängig sind, werden eventuell aussterben. Sämtliche Tiere, die diese Pflanzen als Nahrung benötigen, würden gegebenenfalls auch verschwinden. Allerdings können auch Sie vom Insektensterben betroffen sein, da etwa 30 Prozent Ihrer Nahrungsmittel, darunter zum Beispiel auch Kaffee und Tee, Brokkoli und Avokados, von der Bestäubung durch Insekten abhängig sind. Allein im europäischen Raum werden circa 4.000 Gemüsesorten von Bienen bestäubt. Bienen sorgen auf diese Weise auch dafür, dass sich etliche Wildpflanzen verbreiten und als Rückzugsort wie auch Nahrung für diverse andere Tiere dienen.

Die Ursachen für vermehrtes Insektensterben
Die bereits erwähnte Langzeitstudie kann nicht direkt Ursachen für das Insektensterben nennen, allerdings ergeben sich daraus einige Vermutungen:
– Intensiv-Landwirtschaft sowie Überdüngung der Äcker: Hierdurch kommt es zu einer Verdrängung von Pflanzen, die keinen Stickstoff vertragen. Diese dienen allerdings wiederum als Nahrung für etliche Insekten.
– Abgase/Ausstöße der Industrieanlagen: Sie verbreiten enorme Mengen Stickstoffverbindungen. Diese Substanzen werden großflächig im Luftraum verteilt, kehren als saurer Regen auf die Böden zurück und dringen tief in die Erde ein.
– Pestizide: Diese Art Insektizide greifen oft das Nervensystem an und sind somit nicht allein für gewisse Insekten und Schädlinge höchst gefährlich. Ein aktuelles Beispiel ist Glyphosat, welches als krebserregend eingestuft wird sowie Neonikotinoide wie beispielsweise Thiamethoxam.
– Monokulturen und Äcker ohne jegliche Kräuter, Hecken und Blühpflanzen sowie naturbelassene Randstreifen: Diese klassische Landwirtschaft ist fast vollständig verschwunden. So finden Insekten weder Rückzugsorte noch Nahrung.
– Die Versiegelung immer größerer Landflächen.
– Die wachsende Anzahl billiger Lebensmittel: Diese können nur durch äußerst intensive/industrialisierte Bewirtschaftung hergestellt werden.
– Jeder Deutsche verzehrt pro Jahr im Durchschnitt etwa 60 Kilogramm Fleisch/Fleischprodukte. Durch die Massentierhaltung entsteht eine immense Gülleflut, die das Grundwasser/Trinkwasser extrem verschmutzt. Auch liegt die Vermutung nahe, dass das Insektensterben auf verseuchtes Wasser beziehungsweise die Flüssigkeit der Pflanzennahrung zurückgeht.

Wie lässt sich Insektensterben vermeiden?
Um weiteres Insektensterben zu verhindern, sind folgende Maßnahmen anzustreben:
– Ökologische Landwirtschaft muss forciert und vor allem gefördert werden. Ein Beispiel wäre ein ‚blühender Meter‘ am Acker.
– Der Anbau von Monokulturen wie beispielsweise Mais sollte unterbleiben, da Insekten hier keinerlei Nahrung finden.
– Der Einsatz von Pestiziden wie beispielsweise Glyphosat ist in der Landwirtschaft und vor allem im privaten Bereich umgehend zu verbieten.