Das Pferd als Haustier – wirklich traumhaft schön?

Bild von einem braunen Pferd, bei einem Bauernhof.
Bild von einem braunen Pferd, bei einem Bauernhof.

Das Pferd als Haustier im eigentlichen Sinne, also als ein mit dem Menschen im Haus lebendes Tier, ist natürlich nicht gemeint.

Moment – da war doch was? Na gut, in den 60er Jahren lebte Mr. Ed in der gleichnamigen Serie im Haus seines Besitzers. Auch der kleine Onkel hat der Villa Kunterbunt hier und da einen Besuch abgestattet.

Das Pferd als Sportpartner, Freund oder Freizeitspaß?

Diese filmischen Ausnahmen mal außen vor geht es hier um das Pferd als – ja, als was eigentlich? Die einen lieben es, ihre Freizeit bei ihrem Pferd im Reitstall zu verbringen, die anderen halten die Vierbeiner tatsächlich Haus-nah auf der eigenen, kleinen Anlage und wieder andere wollen sich gemeinsam mit dem Partner Pferd sportlich entwickeln, streben vielleicht sogar das Turnierreiten an. Bleiben wir also am besten bei der Formulierung „das Pferd als Haustier“.

Deutschlandweit gibt es ungefähr eine Millionen Ponys und Pferde. Kein Wunder, denn ein eigenes Pferd ist der Traum fast aller Mädchen. Ganz nebenbei – tatsächlich liegt die Frauenquote in Reitschulen bei etwa 90 % – da fragt man sich, wo sich die Herren der Schöpfung versteckt halten, die nachher im Spitzensport höchst erfolgreich sind?!

Ist der Traum vom eigenen Pferd in der Realität genauso märchenhaft, wie wir es in Filmen vorgelebt bekommen? Ostwind, Bibi & Tina und Wendy sind Kassenschlager in deutschen Kinos. Dazu kommen unzählige TV-Serien. In vielen ist ein wiederkehrendes Schema zu erkennen. Ein Teenager-Mädchen zähmt ein wildes, menschenscheues Pferd (gemeinhin ist das ein Hengst, gerne schwarz). Selbstverständlich kann nur das Mädchen (womöglich ohne vorherige Reitkenntnisse) später den Rücken dieses Pferdes erklimmen. Im besten Fall nehmen die beiden dann hocherfolgreich an sportlichen Veranstaltungen teil.

Dass das nicht der Realität in deutschen Reitställen entspricht, erkennen sogar die größten Fans mit der rosaroten Brille. Wie weit es aber tatsächlich entfernt vom Alltag mit einem Pferd ist, sieht man vielleicht erst, wenn das Tier gekauft wurde…

Pferde sind teuer – nicht nur in der Anschaffung

Die Anschaffung eines Pferdes ist die Spitze vom Eisberg. Darunter verstecken sich Kosten, die der Neu-Pferdebesitzer vielleicht gar nicht überdacht hat. Für die Eisbergspitze zahlen Sie, je nach Ausbildungsstand und Qualität, in der Regel einen höheren vierstelligen Betrag – teurer geht natürlich immer. Die komplette Grundausrüstung, um überhaupt losreiten zu können, schlägt schnell noch einmal mit einem vierstelligen Betrag zu Buche. Dazu kommen monatliche Stallkosten, die je nach Ansprüchen und Region etwa ab 250 Euro losgehen und leicht das Doppelte betragen können. Regelmäßig läppern sich Schmied, Tierarzt für Routinebehandlungen, Versicherung, Sattler, Reitunterricht, Beiträge für Reitverein oder Turnierteilnahme. Nicht planbar sind Tierarztkosten. Muss das Pferd in eine Klinik, sollten Sie hunderte, bei einer OP eher tausende Euro zusätzlich einplanen.

Verantwortung für viele Jahre

Neben den oft hohen Kosten tragen Sie, wie bei jedem Tier, eine große Verantwortung. Die Wahl des richtigen Futters ist genauso entscheidend, wie die regelmäßige Kontrolle, ob der Sattel noch passt, die Decke den aktuellen Temperaturen angemessen ist und der neue Wiesenpartner sich mit dem eigenen Vierbeiner auch verträgt. Was geschieht, wenn das Pferd alters- oder gesundheitsbedingt nicht mehr reitbar ist? Sind Sie bereit, später auch für solch ein Pferd die Kosten zu tragen?

Zeit – viel Zeit

Ein Pferd kostet Zeit, viel Zeit. Es muss zur Wiese oder aufs Paddock gebracht und wieder reingeholt werden. Es will gepflegt werden und letztendlich meistens auch geritten. Wer ein Pferd in Eigenregie hält, ist zusätzlich fürs Misten und Füttern verantwortlich. Da kommen schnell einige Stunden zusammen – täglich. Und das neben Schule oder Beruf. Sommer wie Winter, bei strahlendem Sonnenschein (wenn andere faul im Freibad liegen) genauso, wie bei frostiger Kälte (wo es doch zu Hause vor dem Ofen auch sehr gemütlich wäre).

Das Gute zum Schluss

Da stellt sich Ihnen nun vermutlich die Frage, ob es sich wirklich lohnt, ein Pferd als Haustier zu halten. Die Antwort lautet: ja. Zugegeben, etwas verrückt muss man schon sein, sich für so ein geldfressendes, zeitraubendes Tier zu entscheiden. Nicht alle Pferdebesitzer halten durch. Die, die dabei bleiben, bekommen mehr zurück, als sie bezahlen können. Nicht durch errittene Preisgelder (nein, beim Turnierreiten kann man nicht reich werden). Das Glück, dass einen durchströmt, wenn eine sanfte Pferdenase freudig brummelt, das unglaubliche Gefühl, auf einem 600 kg schweren Tier im Einklang durch den Wald zu galoppieren – viele kleine Momente lassen Geld und Arbeit dann vergessen sein. Und dann lebt man doch in seiner eigenen, kleinen Wendy-Welt.

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