Das Radio ist ein wichtiger Gegenstand der Mediengeschichte!

Szenerie mit einem Radio der älteren Generation.
Szenerie mit einem Radio der älteren Generation.

Nicht nur das Internet ist für die Medienwissenschaft ein wichtiges Thema.

Auch das Radio beschäftigt die Wissenschaft immer wieder – und das nicht nur aus historischen Gründen. Eine Theorie um die besondere Qualität des Mediums wurde bereits in den 20er Jahren des 20 Jahrhunderts diskutiert. Rund hundert Jahre später werden diese Überlegungen immer aktueller: Das Radio kann zur Demokratisierung beitragen.

Ein Medium mit besonderen Qualitäten

Wie man aus Studien weiß, sind es gerade junge Menschen, die sich für das Radio interessieren. Das dem so ist, hängt ohne Zweifel mit dem Programm des Mediums zusammen. Viele Sender bieten ein reichhaltiges Angebot an Musik. Und Musik war in jeder Generation immer auch identitätsstiftend. Ganze Subkulturen haben sich mit einem bestimmten Musikstil identifiziert und sich so eine bestimmte Lebenshaltung angeeignet. Von der Beatgeneration über die Hippies bis zu Punk und Pop hat das Radio seine jungen Hörer dabei mit den neusten Hits versorgt. Aber das Medium hat nicht nur Musik gesendet, sondern sich auch über kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse ausgetauscht. Nicht nur musikalisch hat das Radio damit Politisierungs-Arbeit geleistet. Aber was macht die besondere Qualität dieses Mediums aus?

Radio und Demokratie – eine ungenutzte Möglichkeit?

Über die demokratisierende Funktion des Radios fand in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts bereits eine rege Diskussion unter Schriftstellern und Philosophen statt. Als das Gerät immer mehr als Sender für ein Massenpublikum entdeckt wurde, erhofften sich Theatermacher wie Bertolt Brecht und Philosophen wie Walter Benjamin eine Art Demokratisierungsschub vom Radio. Der Apparat machte es möglich, die starre Grenze zwischen Sender und Empfänger zu kappen – so war jedenfalls die Hoffnung. Anstatt nur Radio zu hören, sollte jeder Bürger selbst im Radio anrufen können und so vom Empfänger zum Sender werden. Was die Technik möglich machte, unterbanden die gesellschaftlichen Entwicklungen in den 30er Jahren. Im Zuge der Nutzung als sogenannter „Volksempfänger“ wurde das Radio im Nationalsozialismus als Propagandamaschine instrumentalisiert. Erst nach 1945 konnte das Radio in den verschiedenen Besatzungszonen für eine Reeducation zur Redemokratisierung genutzt werden. Das utopische Potential aus den Diskussionen zwischen Brecht und Benjamin wurde dabei jedoch nicht gehoben.

In der Gegenwart werden partizipative Programme wieder entdeckt

In der Medienwissenschaft interessiert man sich heute wieder verstärkt für das Radio. Auch die Programmplanungen in Sendern kennen die damit verbundenen Medientheorien bisweilen. Manche Sender setzen seit einiger Zeit vermehrt auf partizipative Programme, bei denen sich Hörer selbst einbringen können. Politikwissenschaftler wissen, dass in einer Gegenwart, in der sich viele Menschen von der Politik zu wenig vertreten sehen und rechtspopulistische Parteien Erfolge feiern, konkrete Praktiken der Ausübung von Demokratie ganz besonders wichtig sind. Sie tragen dazu bei, dass die Demokratie als kulturelle Praxis ausgeübt werden kann und gesellschaftlich beibehalten wird. Nicht nur Medienwissenschaftler schätzen die mit dem Radio verbundenen Möglichkeiten genau dafür. Das Radio kann solche Praktiken aufgreifen und so die Demokratie in der Gesellschaft bestärken.