Das war’s mit Dawanda!

Symbolbild für selbstgemachtes, welches man bei Dawanda verkaufen konnte.
Symbolbild für selbstgemachtes, welches man bei Dawanda verkaufen konnte.

Das berühmte Start-Up stellt den Betrieb ein.

Dawanda gehörte einstmals zu den kreativen Gründungen der deutschen Start-Up-Szene. Das Onlineportal gab Nutzern die Möglichkeit, selbst gefertigte Produkte im Internet zu verkaufen. Als kleines Projekt wurde es gegründet und hatte zwischenzeitlich über 250 Mitarbeiter. Doch das Geschäft lief zuletzt schlecht. Eine Mitteilung an die Nutzer legte nun offen: Das Unternehmen wird Ende August den Betrieb einstellen.

Ein Start-Up der kreativen Art

Aus einer kleinen Idee hatten die Gründer Michael Pütz und Claudia Helming ein veritables Internetunternehmen gemacht. Der Erfolg dieses Projekts hatte auch mit dem Gegenstand zu tun: Die Plattform bietet erstens anderen Menschen eine Möglichkeit, für ihre eigenen kreativen Projekte Abnehmer zu finden. Zweitens hat auch die Ware, die damit verkauft wird, einen besonderen Charme. Die Do-it-yourself-Materialien sind schöner und viel einzigartiger als die Ware der Kaufhausketten. Es ist eben keine Ware von der Stange, die sich auf der Plattform kaufen lässt. Diese beiden Eigenschaften sorgten dafür, dass sich die Seite auf dem Markt etablieren konnte. Die beiden Gründer entwickelten daraus ein Unternehmen, das auf die Netzgemeinde geradezu zugeschnitten war. Was aber ist schief gelaufen?

Wirtschaftliche Situation von Dawanda

Die Kapitulation des Unternehmens kommt vergleichsweise plötzlich. Noch vor einiger Zeit war von einem florierenden Geschäft die Rede. Man hatte den Eindruck, dass Dawanda kontinuierlich weiter expandiert. Möglicherweise haben sie sich bei dieser Expansion übernommen. Zunächst mussten 60 Mitarbeiter wieder gekündigt werden. Das tatsächliche Wachstum hielt offenbar nicht mit den Zahlen stand, die sich die Unternehmensleitung erhofft hatte. Und das Unternehmen war auch nicht mehr komplett in der Hand seiner Gründer. Lediglich etwas mehr als 20 Prozent haben diese nach aktuellen Informationen noch. Über gut die Hälfte verfügt dagegen ein Risikokapitalfonds. Eine nachhaltige Unternehmensstrategie ist nicht unbedingt das erste Ziel von Gesellschaften dieser Art.

Erfolgreich gegen die Wand finanziert?

Das gescheiterte Start-Up scheint damit ein weiteres exemplarisches Beispiel für eine gewichtige Problemlage in der Gründerszene: Wo ein Projekt Erfolg verspricht, ist es nicht unüblich, dass sich Gesellschaften in das gegründete Unternehmen gezielt einkaufen. Dies kann zum Vorteil des Unternehmens sein und das Projekt finanziell nachhaltig absichern. Es kann aber auch schief gehen und die Expansion des gegründeten Betriebs mit einem größeren Tempo vorantreiben als das kleine Unternehmen dies leisten kann. Dann droht das Start-Up zu scheitern. Über die genaue Situation bei Dawanda lässt sich derweilen nichts sagen. Zum einen gibt es dafür zu wenig Informationen. Zum anderen muss die Sachlage auch von den Beteiligten erst einmal noch genauer analysiert werden. Dawanda hält seinen Betrieb noch einige Monate aufrecht. Das gibt seinen Kunden auch die Möglichkeit, zu vergleichbaren Onlineplattformen zu wechseln – und der Unternehmensleitung Zeit zur wirtschaftlichen Fehleranalyse.

Manches charmante Kleinprojekt verliert als Großunternehmen seinen Geist

Ein weiterer Faktor kommt in diesem Fall noch hinzu: Bei Dawanda und E-Commerce für die Vertreibung von Do-it-yourself-Materialien handelt es sich um ein Projekt, das gerade als Kleinprojekt seinen besonderen Charme hat. Dass es gerade kein richtiges Unternehmen ist, wirkt bei vielen Nutzern als besonderer Pluspunkt. Dadurch ergibt sich wirtschaftlich gesehen eine paradoxe Situation: In dem Moment, in dem das Projekt richtig erfolgreich wird, untergräbt es gleichzeitig seine eigene Erfolgsgrundlage. Nicht wenige vergleichbare Start-Ups standen und stehen vor einem ähnlichen Problem. Es ist in diesem Fall wichtig, mit Bedacht zu agieren und nicht zu schnell zu wachsen. Sogar eine charmante Unprofessionalität kann mitunter von Vorteil sein. Wenn Dawanda offline geht, ist dies vielleicht ja auch eine Gelegenheit, um aus den Fehlern zu lernen. Zu Veranstaltungen über Start-Up-Arbeit lassen sich die Gründer sicher nach wie vor gerne einladen und berichten aus ihren persönlichen Erfahrungen. So könnte die Geschichte von Dawanda andere Unternehmen vor dem Scheitern bewahren.