Depressionen – Gibt es ein Umdenken im Umgang mit psychischen Erkrankungen?

Inszenierung einer Tief traurigen und Depressiven Frau.
Inszenierung einer Tief traurigen und Depressiven Frau.

Chester Bennington, Kate Spade, Anthony Bourdain: Sie alle hatten Depressionen und wurden Opfer von Suizid.

Diese Fälle erregen nach wie vor großes Aufsehen, in der Öffentlichkeit sowie Social Media. Letzteres nutzen viele, um auf das Thema aufmerksam zu machen und um Diskussionen, ja sogar Selbsthilfegruppen zu starten. Vollzieht die Gesellschaft einen Wandel, hin zu mehr Akzeptanz von psychischen Krankheiten?

Depressionen sind auf dem Vormarsch.
Die WHO veröffentlichte Anfang 2017 neue Zahlen, die nochmals bestätigen, was 2011 schon klar war: Depressionen sind und bleiben Volkskrankheit Nummer eins in Deutschland und weiteren Industrienationen. Die Dunkelziffer steigt, viele Leidensgeschichten bleiben lange ungehört. Aber warum sind Themen, die mentale Gesundheit betreffen, so stigmatisiert?

Oft fehlt es Menschen, die mit Depressionen und sonstigen Erkrankungen der Psyche keine Berührungspunkte haben schwer, die Grenze zwischen Krankheit und einer physiologischen Betrübtheit, so wie es jeder einmal erlebt, zu ziehen. Warum es Menschen mit Depressionen nicht schaffen, sich eigenständig aus der Negativspirale ihrer Gedanken zu ziehen, ist vielen gesunden Menschen unbegreiflich. Warum es sogar bis zum Suizid führen kann, noch weniger.

Und das macht es so schwierig: Wenn die Psyche erkrankt, kann der Gesunde sie nicht in aller Tiefe begreifen. Die Folge daraus ist Isolation. Ein Teufelskreis, der Menschen mit Depressionen weiter in ihre Krankheit drängt.

Depression und Social Media
Dass soziale Netzwerke einen großen Einfluss auf mentale Gesundheit ausüben, kam in den letzten Jahren immer mehr zur Sprache. Dezember 2017 äußerte sich Facebook zu den Vorwürfen, die Nutzung der Seite würde Depressionen und psychische Erkrankungen begünstigen. In der Stellungnahme wird über die Pro- und Kontrapunkte sozialer Netzwerke bezüglich der menschlichen Psyche berichtet. Zusammengefasst hängt laut dem veröffentlichtem Blogpost das bestmögliche Nutzungserlebnis mit der Art der Interaktion zusammen: Werden lediglich Status-Updates gepostet, ohne eine wirkliche Vernetzung mit anderen Usern anzustreben, ist die Gefahr einer negativen Auswirkung von Internetseiten wie z. B. Facebook höher. Je nachdem, in welcher Ausgangslage sich der Nutzer befindet, kann Social Media also positive sowie negative Entwicklungen fördern.

Beim Thema Depression und Suizidgefährdung hat Facebook sogenannte „Suicide prevention tools“ eingeführt. Hier können bedenkliche Posts direkt an Facebook gemeldet werden. Die Verfasser eines solchen Posts erhalten so Informationen über Hilfseinrichtungen sowie deren Kontaktdaten, wie z. B. die Telefonnummer. Über den Facebook – Messenger ist es möglich, direkt mit einem Mitarbeiter solcher Hilfsorganisationen in Kontakt zu treten.

Diese Maßnahmen zeigen, dass die Verantwortung, die soziale Netzwerke gegenüber der Gesundheit ihre Nutzer besitzen, auch seitens der Betreiber einen größeren Stellenwert bekommen hat.
Diverse Initiativen und Kampagnen für eine bessere Aufklärung, vor allem zu Depressionen, haben mit Social Media eine geeignete Plattform gefunden. Talinda Bennington, die Witwe des 2017 verstorbenen Lead-Sängers der Band „Linkin Park“, gründete nach dessen Tod die“Change Direction Campaign“. Mit diversen Grafiken über die Erkennungszeichen einer Depression, Erfahrungsberichten und ihrem eigenen offenen Umgang mit der Trauer über den Tod ihres Mannes, verhalf sie psychisch Erkrankten in den Vereinigten Staaten, aber auch international zu einer lauteren Stimme.

In Deutschland brachte der Fall Robert Enke im Jahr 2009 zunächst ein großes, öffentliches Interesse. Die erhoffte Enttabuisierung blieb jedoch größtenteils aus. Bis sich geeignete Infrastrukturen etablieren, um solchen Krankheitsausgängen vorzubeugen, braucht es vor allem gesellschaftliche Aufklärung. Das Wichtigste sind dabei Menschen, die offen über ihre Depression sprechen und sie greifbarer machen.

Bundesweite Beratungsstellen:
Telefonseelsorge
0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222
www.telefonseelsorge.de

Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“
(Mo bis Fr 15.00 bis 19.00 Uhr): 0800 – 111 0 333
www.nummergegenkummer.de

Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V.
01805 950 951 0228 71 00 24 24
(14ct/Min aus dem dt. Festnetz)
www.bapk.de bzw. http://www.psychiatrie.de/bapk/rat/