Der Comic als Forschungsgegenstand und künstlerisches Material.

Künstlerische Comic Darstellung.
Künstlerische Comic Darstellung.

Der Comic als Medienbildung.

Wer sich mit Bildung und Medien beschäftigt, für den zählt heute längst nicht mehr nur Kunst und Kultur im klassischen Sinn. Auch und gerade die stark rezipierten Zeugnisse der Populärkultur können der Wissenschaft als ein wichtiges Material für ihre Arbeit dienen. So ist es auch kein Wunder, dass sich die Medienbildung auch der Kunstform der Geschichte des Comics und der Graphic Novel angenommen hat.

Ausstellung in Oldenburg zeigt den Comic als Kunstform
Unter dem Titel „Die neunte Kunst“ hat eine Ausstellung im Oldenburger Stadtmuseum den Comic als Kunst für den musealen Ausstellungsraum entdeckt. Sie können den Comic hier in seiner ganzen Vielfalt beobachten. Und es sind gleich mehrere Institutionen, die für dieses Ausstellungsprojekt kooperieren. Der Gegenstand ist dabei durchaus ambivalent und dessen sind sich die Institutionen offenbar bewusst. Sie greifen ein Material auf, das sich in einem historischen Zwischenstadium befindet. Einen festen Zugang zu den Museumsräumen hat es noch nicht und gilt auch nicht als klassische Kunst. Auf der anderen Seite war seine Lektüre fast schon aus der Mode geraten. Mit dem Trend zur Graphic Novel hat sich dies wieder geändert. Die Gestaltung der Graphic Novel richtet sich dabei durchaus an gehobene künstlerische Qualitätsansprüche. In Oldenburg meint man es mit der Aufnahme des Comics in den Museumsraum durchaus ernst. Aber was lässt sich an den Schnittstellen verschiedener Disziplinen über den Forschungsgegenstand sagen? Und wer beschäftigt sich hier bislang überhaupt mit diesem Thema?

Die Medienbildung bietet wichtige Anhaltspunkte
Ein Wissenschaftsbereich, der einen wichtigen Anhaltspunkt für die aktuelle Diskussion bietet, ist die Medienbildung. Wenn durch ein Text- oder Bildmedium etwas übermittelt wird, so ist dabei nie nur eine bloße Information im Spiel. Immer spielt dabei auch die Art und Weise eine Rolle, mit der eine Sache übermittelt wird. Sie kann eine Information zum Beispiel in einen bestimmten Kontext einbetten oder sie auf eine bestimmte Form präsentieren. Je nachdem kann das Medium dabei unterschiedliche Sinne bedienen. Es kann sich um ein Bild oder einen Text ebenso handeln wie um eine Audioaufnahme oder sogar um ein Ding mit einem Geruch. In jedem Fall eröffnet es den Nutzern eine bestimmte Erfahrung und Auseinandersetzung mit dem Gegenstand. Je nach Gestaltung kann es auch ästhetische Bildung in besonderem Maße befördern. Damit wir uns reflexiv mit unserer eigenen Wahrnehmung des Materials auseinandersetzen können, ist eine kritische Medienbildung wichtig. Unter dem Stichwort critical media literacy haben sich Pädagogen vieler verschiedener Länder genau damit auseinandergesetzt. Was aber fördert der Comic oder der Trickfilm?

Ästhetische Bildung des Comics bewegt sich in einem Spannungsverhältnis
Aber auch die Frage nach der ästhetischen Bildung wird von der Medienbildung nicht vernachlässigt. Eine exzellente Studie zur ästhetischen Bildung des Trickfilms und der frühen Comic Strips hat Esther Leslie veröffentlicht. Die Professorin von der Birbeck University of London hat ihren Forschungsschwerpunkt im Gebiet der Kritischen Theorie und ist für ihre Arbeiten zum Werk Walter Benjamins weltweit bekannt. In ihrem Buch „Hollywood Flatland“ ist sie der ästhetischen Gestaltung des Trickfilms an seinen historischen Anfängen nachgegangen. Sie beschreibt den Comic im Spannungsfeld zwischen seinen lebendig ungestümen und beinahe anarchistischen Formen einerseits und der kulturindustriellen Einhegung im Mainstream andererseits. Das kreative Potential dieses Materials wird ebenso gezeigt wie die Nutzung des Comics für Propagandazwecke oder zur Ruhigstellung der Massen. Es ist gerade dieses Spannungsverhältnis, das den Gegenstand zu einem überaus spannenden Material für die Medienbildung macht. Es wäre sicherlich nicht von Nachteil, wenn sich auch in der deutschsprachigen Forschungswelt weitere Projekte mit dem Comic auseinandersetzen würden. Trends wie die Graphic Novel und seine verstärkte Rezeption im künstlerischen Bereiche sprechen ohne Zweifel für ein solches Forschungsvorhaben. Die Medienbildung wird sich dem Comic in nächster Zeit wohl wieder verstärkt widmen.