Diagnose Orthorexie – Wie viel gesund ist krank?

Symbolbild für Orthorexie.

„Living the Healthy Lifestyle: Wie gesunde Ernährung krank macht“

Fettarme Rezepte für’s Abendbrot, Snacks unter 100 Kalorien und die neuesten Superfoods – heutzutage scheint sich alles und jeder mit einer ausgewogenen Ernährung zu beschäftigen. Besonders auf Social-Media-Plattformen wie Instagram tummeln sich überall vermeintliche Experten, die ihr Wissen mit der Community teilen wollen. Doch die Wahrheit ist: es gibt nicht DIE perfekte Ernährungsweise. Und der Versuch, sich bei dieser Masse an Inhalten eine Meinung zu bilden, kann schnell nach hinten losgehen…

Eigentlich möchte man meinen, einen aktiven und ausgeglichenen Lebensstil zu pflegen bereichert die Lebensqualität. Jedoch gab es bisher wohl kaum eine Zeit, in der mehr Wert auf körperliche und mentale Fitness gelegt wurde als in unserer heutigen Gesellschaft. Der Drang zur Perfektion und der ständige Vergleich mit flachen Bäuchen, durchtrainierten Armen und straffer Haut treibt zahlreiche Menschen zur Entscheidung einer Ernährungsumstellung. Allerdings beginnt oft etwas ganz anderes, nämlich eine lebenslange Diät. Die Rede ist von Orthorexie. Viele sind sich nicht einmal bewusst, dass es sich hierbei ebenfalls um eine Form der Essstörung handelt.

Woran erkennt man Orthorexie?

Orthorexie zeichnet sich dadurch aus, dass die Betroffenen den zwanghaften Drang aufweisen, sich einzig und allein von Gesundem zu ernähren. Sie beschäftigen sich wie besessen mit den Inhaltsstoffen und Nährwerten von Lebensmitteln und lehnen folglich Kalorienreiches ab. Gegessen wird nicht mehr aus Begeisterung oder Genuss, sondern um die Makros und Mikros abzudecken. Oft wird schon mehrere Tage im Voraus geplant, was auf dem Teller landet. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Lust auf etwas hat oder nicht – es wird gegessen, was gut für den eigenen Körper ist. Ursprüngliche Disziplin entwickelt sich in kürzester Zeit zu absoluter Kontrolle.

Als wäre diese extreme Überwachung des Essverhaltens nicht alarmierend genug, können als Folge weitere Essstörungen auftreten. Werden beispielsweise immer mehr Lebensmittel aufgrund unpassender Nährwerte ausgeschlossen, ist das Eintreten von Magersucht nicht auszuschließen. Auf der anderen Seite könnten sich gelegentliche Ausnahmen, bei denen statt Fitness und Fettverbrennung auf Faulenzen und Fast Food zurückgegriffen wird, vervielfachen. Die Folge: aus Cheat Meals werden komplette Cheat Days und radikale Fressattacken, ein typisches Anzeichen für Binge-Eating.

Doch wie kann man sich nun gegen diese Gefahr schützen?

Beim Konsumieren von Social Media und dargestellten Inhalten, die sich mit Clean Eating, Healthy Lifestyle und damit verbundenen Trends befassen, ist Vorsicht geboten. Egal, ob es sich um individuelle Erfahrungen oder um angeblich wissenschaftliche Fakten handelt: hinterfragen Sie, seien Sie misstrauisch, vertrauen Sie niemals blind! Folgen Sie der Ernährungsweise, mit der Sie persönlich am besten zurechtkommen und mit der Sie sich rundum wohlfühlen. Halten Sie sich vor Augen: jeder funktioniert unterschiedlich, demnach gibt es auch kein richtig oder falsch. Nur wer seinen Fokus auf die eigene Balance legt und sein Leben ohne strikte Einschränkungen oder zwanghafte Verpflichtungen genießt, lebt wirklich gesund.

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