Die Gesellschaft überholt sich selbst – Zeit zum Entschleunigen!

Symbolbild für eine gestresste Gesellschaft.
Symbolbild für eine gestresste Gesellschaft.

Schneller, weiter, mehr – das Leben unter ständigem Zeit- und Leistungsdruck ist für die meisten Menschen normal geworden.

Wer nicht mithalten kann, fällt aus dem Raster und steht am Rande der Gesellschaft. Doch seit einiger Zeit drängt eine Bewegung gegen Dauerhektik und Stress – zum Glück. Entschleunigen ist angesagt. Vieles einfach etwas langsamer angehen lassen.

Pränatale Bildung
Leistung schon im Mutterleib – klingt überspitzt, ist aber gar nicht so weit hergeholt. Der Stress beginnt für viele Kinder schon vor der Geburt. CDs mit klassischer Musik sollen die Ungeborenen inspirieren, der Klang verschiedener Sprachen bereitet sie auf die erste Fremdsprache vor und mittels Lichtsignale einer Taschenlampe wird eifrig das Zählen geübt.

Druck schon im Kindesalter
Kaum verwunderlich, dass ehrgeizige Eltern direkt nach der Geburt mit der weiteren Förderung des Nachwuchses loslegen. Englisch für Kleinkinder, Musikschule, Babyschwimmen, Bewegungsschulung – die Liste der Angebote ist lang. Noch vor dem Kindergarten haben die Kleinen Terminstress. Das setzt sich in der Kindergarten- und Grundschulzeit fort. Kurse, AGs und allerlei Hobbys lassen Kindern kaum noch Freiraum für Verabredungen. Ein Nachmittag zur freien Verfügung, einfach mal nichts tun wird zur Ausnahme.

Die Bildungspolitik hat mit der Einführung von G8 dazu beigetragen, den Druck auszuweiten. Abitur nach der zwölften Jahrgangsstufe bedeutet ein erhöhtes Lernpensum ab dem fünften Schuljahr. So werden aus kleinen Kindern nach der Schulzeit junge Menschen, die auch im härtesten Berufsalltag funktionieren, weil sie es eben so gelernt haben.

Berufsleben
„Stets zu Diensten“ – so wünscht sich der Arbeitgeber seine Mitarbeiter. Dank fortschreitender Technik kein Problem mehr. Das Smartphone immer bei sich – was noch vor Jahrzehnten nicht umsetzbar war, ist nun ein Kinderspiel. Dank Internet, Handy und Tablet ist nahezu jeder zu jeder Zeit verfügbar. Wer nicht ans Telefon geht, dem schickt man eine Mail. So bringen neue Technologien eben nicht nur Geschwindigkeit in den Arbeitsmodus, sondern hetzen auch die Menschen durch den Alltag.

Was zu viel ist…
…ist zu viel. Immer mehr Leute werden krank. Nicht körperlich, sondern psychisch. Sie halten dem Druck nicht stand. Burn-out und Depressionen sind zur Volkskrankheit geworden. Und endlich fangen die Menschen an, darüber zu reden. Wurde vor nicht allzu langer Zeit noch mit den Augen gerollt, wenn ein Kollege sich als ausgebrannt und erschöpft outete, trifft das Syndrom immer mehr auf Verständnis.

Ein Wandel setzt ein
Entschleunigen heißt das neue Zauberwort. Durchatmen, das Leben bewusster Leben, der Hektik entfliehen. Nicht „mal schnell“ oder „sofort“ Erledigungen treffen, wenn sie nicht wirklich wichtig sind. Das gilt sowohl für den privaten als auch für den beruflichen Teil des Lebens.

Entschleunigen in allen Lebensbereichen?
Nein, immer funktioniert das Prinzip natürlich nicht. Niemand möchte, dass die Feuerwehr zu einem Hausbrand gemütlich mit der Kutsche anrollt. Schön ist auch, wenn die Kassiererin im Supermarkt keine meditative Pause einlegt, während die Schlange immer länger wird. Und manchmal muss man die Kinder antreiben, damit sie den Schulbus nicht verpassen.

Dennoch ist die Gesellschaft auf einem guten Weg. Viele Arbeitgeber gestatten ihren Mitarbeitern ein eigenes Zeitmanagement. Natürlich muss die Arbeit weiterhin erledigt werden, dann aber nach individuellen Rhythmus. Themen eines Bildungsurlaubs lauten „Wege der Entschleunigung und Balance im Beruf“.

Jeder trägt Verantwortung
Zuletzt bestimmt jeder Mensch selber, wieviel Stress er zulässt. Wer nach der Arbeit zwingend ins Fitnessstudio muss, dazu noch den Wocheneinkauf erledigt und die Wohnung auf Hochglanz poliert, der bewegt sich vermutlich am eigenen Limit. Ein Termin weniger, eine Handyauszeit, ein gemütliches Essen mit dem Partner – eben einfach phasenweise das Tempo herausnehmen, hilft, um dem Alltag gelassener gegenüber zu treten. Entschleunigen Sie Ihr Leben, wenn Sie bemerken, dass es aus der Balance gerät…