Die Macht der Medien – sollen wir sie wirklich zulassen?

Künstlerische Darstellung "Lebensbaum Social Medien & Internet".
Künstlerische Darstellung "Lebensbaum Social Medien & Internet".

Sind wir frei von Manipulation und Gehirnwäsche?

In totalitären Staaten ist es in vielen Fällen so, dass die Medien von Staatsführungsseite aus kontrolliert werden, was zeigt, wie mächtig sie sind. Sind wir in einem Land, in dem so gut wie Jeder das Internet unbegrenzt nutzt, gefeit gegen Manipulation und Gehirnwäsche?

Grundsätzlich hat der Mensch ein extrem gut funktionierendes Gehirn, das ihn dazu befähigt, Informationen in großer Menge zu verarbeiten, Verknüpfungen in Rekordzeit zu erstellen und sich bis ins hohe Alter noch weiter zu bilden. Doch, wird dieses erstaunliche Potential des Hirns heute wirklich noch im vollen Umfang genutzt? Wenn man sich die Nutzung sozusagen gleich schaltender, das Denken stark reglementierender Medien wie Twitter, Facebook oder anderer ansieht, kann man schon ins Grübeln kommen. Es kann zumindest angezweifelt werden, denn die meisten Sachverhalte lassen sich nun einmal nicht auf ein paar Zeichen oder Zeilen herunter brechen, dazu ist „das Leben“ schlicht zu kompliziert.

Dabei sein, immer online sein – eine Sucht?
Die Macht solcher, an sich Spaß und Kontakt verheißender Medien sollte nicht unterschätzt werden. Viele Fachleute sprechen schon von einer Smartphone- und Internetsucht, die gerade bei jungen Leuten zu beobachten sei. So kann man mehr und mehr in Restaurants oder Cafés junge Menschen, sogar Paare beobachten, die vorgeblich mit einander kommunizieren, indem sie zum Beispiel zusammen Kaffee trinken oder gemeinsam ein Essen zu sich nehmen, die aber in Wahrheit ständig mit einem weiteren „Partner“ kommunizieren, dem technischen Gerät. Warum ist das so, ist das nur fehlender Erziehung geschuldet, oder kann man hier nicht schon von einer Sucht nach Informationen, nach dem „nur nichts verpassen“ sprechen? Der Übergang ist fließend, und die Süchtigen werden immer jünger.

Ich twittere – also bin ich?
Die Gewohnheit, einmal freundlich ausgedrückt, ständig mit Anderen, auch völlig Unbekannten zu kommunizieren oder zu spielen, wird in vielen Fällen zum Lebensinhalt. Man interessiert sich für mich, für das, was ich zu sagen habe, egal, wie wenig dies auf meinem „Mist“ gewachsen ist, ich bin also wichtig – das baut ein an sich kleines Ego wohl immens auf. Nur so lässt es sich erklären, dass Menschen im Experiment fast wahnsinnig, zumindest sehr aggressiv und gereizt werden, wenn dieses Feedback eine Weile ausbleibt. Man könnte so weit gehen zu sagen, dass, wer nicht mehr twittern oder „facebooken“ kann, nicht mehr existiert. Ist das dennoch eine Form von Freiheit in einem freien Land, im eingangs erwähnten Sinne? Sind wir so frei, einen Großteil unserer Gedanken in eng gepresste Schemata und vorgegebene Kommunikationsmuster zu geben?

Brot und Spiele – oder doch Opium für das Volk?
Fakt ist, dass die Nutzung solcher Kanäle in einem solchem Umfang für viele Menschen zum Zwang und zur Norm und Grundlage des Handelns geworden ist, dass zum Beispiel Erstkontakte, die zum Zweck des zusammen Wohnens („WG gesucht“) geknüpft werden, sich so darstellen, dass ein Facebook Profil als Info verlangt wird. Nur wer hier ordentlich mit tollen Erlebnissen punktet, scheint es wert zu sein, zum „Casting“ für ein mickriges, überteuertes 13 qm Zimmer eingeladen zu werden. Und – die an einer Bleibe interessierten Menschen geben dem nicht nur Zähne knirschend nach, sondern finden das sogar noch völlig normal, von (noch) völlig Fremden begutachtet – und eventuell gleich aussortiert – zu werden. Bis ins intimste Detail wird sich dort freiwillig dargestellt. Ja, es herrscht hierzulande die Freiheit, alles, was man denkt, zu sagen, aber sollte man nicht auch die Freiheit, nicht alles sagen zu müssen, was man denkt oder tut, im Auge behalten?