Die Menschlichkeit von Stephen Hawking

Bild von Stephen Hawking als Student.
Bild von Stephen Hawking als Student.

Zwischen Genialität und Menschlichkeit

Zum Anlass des kürzlichen Todes ließ es sich kaum ein Unterhaltungsmedium nehmen, nochmals ausführlich die wissenschaftlichen Leistungen von Stephen Hawking zu würdigen. Unbestritten sind seine zahlreichen Erkenntnisse und Theorien rund um das Universum, die nicht selten als Meilensteine der modernen Wissenschaft gefeiert wurden. Doch ist das bereits alles? Oder hat das Genie auch andere, ganz menschliche Seiten, die sein Schaffen in vielleicht noch viel hellerem Licht leuchten lassen?

Meilensteine der Wissenschaft

Über die Fachwelt hinaus weltbekannt sind vor allem drei Themenfelder, die Stephen Hawking lebenslang beschäftigt haben. Zum einen befasste er sich mit dem Universum im Allgemeinen und insbesondere mit seiner Entstehung. Aus dieser Arbeit heraus entwickelten sich zahlreiche Theorien um Entstehung und Verhalten so genannter Schwarzer Löcher. Eng damit verbunden waren Abhandlungen der Quantenmechanik, ohne die seine anderen Überlegungen oft erst gar nicht möglich gewesen wären.

Der Mensch Stephen Hawking

Das Privatleben von Stephen Hawking liest sich, im Gegensatz zu seiner Arbeit, weit bürgerlicher. Zweimal verheiratet, war er Vater von drei Kindern. Auch die Tatsache, dass beide Ehen geschieden wurden, rückt ihn diesbezüglich nicht aus der Mitte der Gesellschaft ab. Viel ungewöhnlicher ist seine Erkrankung an dem unheilbaren Nervenleiden ALS, unter dem er seit seinem Studium litt. Die daraus resultierenden körperlichen Einschränkungen führten zu den für ihn mittlerweile unverwechselbaren Hilfsmitteln, auf die er jedoch angewiesen war, um überhaupt noch mit seiner Umwelt interagieren zu können.

Bereits frühzeitig auf den Rollstuhl angewiesen, konnte Stephen Hawking zunächst noch mittels eines einfachen Sprachcomputers mittels Tastenbedienung kommunizieren. Später musste dieses Gerät dann immer aufwändigeren Apparaten weichen, die seine nachlassenden körperlichen Fähigkeiten ausgleichen konnten. Man stelle sich vor, wie viele wissenschaftliche Errungenschaften nie erlangt worden wären, hätte sich Stephen Hawking nicht unter Zuhilfenahme moderner Technik bis zuletzt zu seinen Ideen und Gedanken äußern können.

Eigenheiten, die menschlich machen

Wie jeder andere Mensch und sicherlich auch jeder andere herausragende Geist, hatte Stephen Hawking seine Eigenheiten. Durch zahlreiche Anekdoten seiner Weggefährten. Überliefert ist etwa seine Vorliebe für Wetten. Doch wettete Hawking nicht im Casino oder auf der Rennbahn, viel mehr wettete er mit Kollegen aus der Wissenschaft auf die Richtigkeit der eigenen Theorien. Erstaunlich häufig schien Hawking seine Wetten zu verlieren und, damit verbunden, seine Ansicht zu verschiedenen Themen zu revidieren.

Popstar Stephen Hawking

Eine weitere wichtige Säule der Faszination Stephen Hawking dürfte die Tatsache sein, dass er zwar als wissenschaftliches Genie bahnbrechende Erfolge feierte, darüber hinaus aber auch bei Nicht-Wissenschaftlern Anklang fand und Schritt für Schritt Einzug in die Popkultur hielt. Sein bekanntestes, meistgelesenes Werk dürfte daher auch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ sein. Mit diesem Buch schaffte Hawking es, seine wissenschaftlichen Ansichten auf allgemein verständlicher Art und Weise einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Prägnante und dabei unmissverständliche, aber zugleich interpretatorischen Spielraum zulassende Zitate führten dazu, dass Stephen Hawking auch abseits der Wissenschaft mehr und mehr Einzug in gesellschaftliche Diskussionen fand. Unvergessen ist zum Beispiel seine Aussage, die größte Gefahr für die Menschheit sei die Menschheit selbst.

Vor allem seit der Jahrtausendwende schaffte es Stephen Hawking mit dieser Grat-Wanderung zwischen Populärwissenschaft und fachlicher Genialität in zahlreiche Artikel und Bücher und sogar verschiedene Fernsehserien. Ob als Comicfigur in „Die Simpsons“ oder als Darsteller seiner selbst in „The Big Band Theorie“ begeisterte er Millionen an Zuschauern.

Mehr als nur Wissenschaftler

Genial und intellektuell unerreichbar und zugleich menschlich, fehlbar und verletzlich – mit dieser Kombination gelang es Stephen Hawking, mehr als nur Wissenschaftler zu sein. Gerade weil sein eigenes Ende jedermann jederzeit durch seine Gebrechen vor Augen geführt wurde, erhielten seine Aussagen viel mehr die Bedeutung von Ermahnungen und Richtungsweisungen für die gesamte Menschheit. Es ist fraglich, ob dies ohne seine menschliche Seite möglich gewesen wäre.