Die neue DIN-Norm für Startups sorgt für Diskussionen.

Symbolbild für die zunehmende Bürokratisierung.

Deutschland ist in der Welt für vielerlei Dinge bekannt.

Der Ordnungssinn ist einer dieser Dinge, sodass die Heiligkeit der sogenannten DIN-Norm auch nicht weiter verwundert. Der Gründergeist ist jedoch ein weiterer Punkt, für den Deutschland berühmt ist. Gründer weichen gern von der Norm ab und nunmehr soll diesem Aspekt durch die Einführung einer DIN-Norm für Startups einen Riegel vorgeschoben werden. Dies sorgt allgemeinhin für Unverständnis unter den Gründern.

Gründertum soll Standard erhalten

Mithilfe einer sogenannten DIN-Spec speziell für Startups möchte das zuständige Deutsche Institut für Normung Ordnung ins Gründertum bringen. Was die Bundesvorsitzende des Verbandes der deutschen Startups zunächst für einen Scherz gehalten hat, wird jedoch bittere Realität werden. Bei der DIN-Spec handelt es nicht einmal um eine Norm, sondern vielmehr um eine Spezifikation, welche das Potenzial zu einer Norm hat. Dahinter steckt der Gedanke, dass die Startups gleich zu Beginn vor einer Insolvenz bewahrt werden sollen. In dem Dokument, welches den Titel „DIN SPEC 91354“ trägt, sollen Startups eine Reihe von Fragen im Zusammenhang mit ihrem Produkt bzw. ihrer Dienstleistung sowie der Finanzierung nebst der Vertriebsstrategie beantworten.

Weitreichende Diskussion

Das Dokument wurde von Unternehmern sowie Wissenschaftlern und Beratern gleichermaßen entworfen. Mit dem Dokument ist auch der Wunsch verbunden, dass Gründer künftig von Bundesministerien spezifiziert werden können. Dies ist im Hinblick auf die Vergabe von Fördergeldern sowie Investitionen von Banken nicht gänzlich sinnfrei und daher nachvollziehbar. Dennoch haben Startups und Unternehmer, die noch jung auf dem Markt sind, enorm wenig Verständnis für diese Maßnahme. Auch die Bundesvorsitzende Jost, selbst Unternehmerin, sieht keinen Sinn in dieser Norm. Vielen Startups würde in der schwierigen Gründungsphase einfach die Zeit für übertriebene Bürokratie fehlen, die ohnehin schon jetzt sehr stark ausgeprägt sei. Laut ihrer Ansicht soll das Zertifikat lediglich Banken sowie Investoren dazu dienen, eine bessere Risikoabschätzung vorab tätigen zu können. Dieser Argumentation steht jedoch das Argument der Ideengeber der Norm gegenüber, dass das Dokument den Unternehmern in der Gründungsphase als Hilfestellung dienen kann. Eine optimale Selbstreflektion sei nunmehr möglich und überdies ist die Insolvenzquote junger Startups in Deutschland mit 80 Prozent enorm hoch. Etliche Startups hätten zwar sehr viel Grundverständnis von der Materie der Produktinnovation, doch fehle nur allzu häufig schlichtweg die marktwirtschaftliche Geschäftstüchtigkeit.

Durch das Dokument muss ein Gründer künftig seinen Unternehmenszweck genau definieren, die entsprechende Zielgruppe festlegen sowie Angaben im Hinblick auf das hieb- und stichfeste Geschäftsmodell machen. Die Befürworter der Norm sehen hier genau die Lösung eines Problems, über dessen Existenz heftig gestritten werden darf. Obgleich die Bundesvorsitzende der Deutschen Startups dieser Argumentation ja noch ein Stück weit folgen kann ist die Lösung für sie zu weitreichend. Laut Aussage von Jost wäre ein simpler Ratgeber ebenfalls ausreichend gewesen, da jedes Startup sich ohnehin im Vorfeld sehr viele Gedanken über den Schritt der Unternehmensgründung macht. Überdies lasse sich die Gründungsphase eines Unternehmens überhaupt nicht standardisieren, was den Sinn des Dokuments ad absurdum führe. Sowohl Geschäftsmodelle als auch Zielgruppen können sich heutzutage auf dem schnelllebigen Markt sehr schnell ändern. Ein Startup-Unternehmen kann nun einmal nicht an einem Schreibtisch geplant werden.

Streng genommen ist die Spezifikation noch überhaupt keine Norm. Erst dann, wenn sie von ausreichend Akteuren als solche akzeptiert und auch angewendet wird, kann sie zu einer Norm werden. Diesbezüglich haben bereits Gespräche zwischen dem Institut für Norm und Beteiligten stattgefunden. Das Bundeswirtschaftsministerium hat mitgeteilt, dass derzeitig darüber eine sehr emotionale und auch hitzige Debatte geführt wird. Das Ministerium selbst sieht in der Spezifikation ein sehr wichtiges Hilfsmittel und einen Leitfaden, der von Fachleuten entwickelt wurde. Ob sich daraus jedoch dann auch eine Norm entwickeln wird erscheint zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch als sehr fraglich, auch wenn das Ministerium – im Gegensatz zu den Gründern – sehr optimistisch ist.

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