Die Pressefreiheit der Medien lässt sich nicht unterdrücken!

Symbolbild: Unterdrückung der Pressefreiheit.
Symbolbild: Unterdrückung der Pressefreiheit.

Im Herbst 2017 rückte der kleine südeuropäische Staat Malta in den Fokus.

Eine Autobombe zerstörte für einen Augenblick die demokratische Pressefreiheit der maltesischen Medien. Rückblickend hat diese Freiheit in den Medien im Grunde nie existiert, denn kritische Veröffentlichungen über Korruptionsgeschäfte der maltesischen Regierung wurden weitestgehend im Keim erstickt. Daphne Caruana Galizia hat sich davon nie beirren lassen und gekämpft. Ihr journalistisches Lebenswerk hat sie mit dem Leben bezahlt.

Malta erinnert an Palermo

Es ist der Tötungsstil, der an Palermo Anfang der Neunziger Jahre erinnert, als Giovanni Falcone und kurz danach Paolo Borsellino durch Autobomben getötet werden. Die beiden Staatsanwälte haben sich zu Lebzeiten dem Kampf gegen die sizilianische Mafia „Cosa Nostra“ verschrieben. Ihre Stimmen wurden auf hinterhältigster, brutalster Art und Weise ausgelöscht. Ausgelöst haben die Taten aber das weltweite mediale Interesse und die aufstrebende Stärke der Sizilianer, das System zu hinterfragen. Noch heute fragen fast täglich Medienanstalten an, um neu zu recherchieren und fehlende Erkenntnisse über die Arbeit der Staatsanwälte ans Tageslicht zu bringen.

Der Versuch, die demokratischen Stimmen in die Knie zu zwingen, ist gescheitert. Giovanni Falcone, Paolo Borsellino auf Sizilien und Daphne Caruana Galizia auf Malta, die ihre Arbeiten nicht aus egoistischem medialem Interesse führten, sondern die freie Meinungsäußerung förderten, haben Ihr Erbe weiter gereicht. Journalisten aus aller Welt nahmen sich den Recherchen an und filterten die Umstände einer Entwicklung, die sich durch Unterdrückung und perfide Machtverhältnisse innerhalb der sizilianischen und maltesischen Gesellschaft, auszeichnen. Getreu der Einstellung: „Nicht die Intellektuellen führen einen Staat, sondern die Reichen.“

Der Staat im Staat

Um die Neutralität der Pressefreiheit zu wahren, geht es freilich nicht um die Verurteilung der Taten, dafür gibt es ein Rechtssystem aus Ermittlern, Staatsanwälten und Richtern, die die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen müssen. Die Medien sind aber kein reines objektives Werkzeug, sondern müssen für ihre eigene Pressefreiheit Verantwortung übernehmen und die Grundwerte des Journalismus verteidigen, was automatisch durch eine teils subjektive Arbeit geschieht. Der Staat, welcher sich nicht nur in Italien, sondern ebenso auf Malta entwickelt hat, ist eine Parallele zum bestehenden Rechtsstaat. Offensichtlich wird in diesem internen Staat, an dem bisweilen gar politische Instanzen aus dem Rechtsstaat beteiligt sind, keine Pressefreiheit geduldet.

Das veranlasst nicht zuletzt 18 Medienanstalten aus allen Teilen der Welt, dem zu widersprechen und die Arbeit, insbesondere von Daphne Caruana Galizia, fortzuführen. Ob Inhalte aus den Panama Papers, dem Arabischen Frühling oder die Machtverhältnisse der maltesischen Regierung, werden anhand von geschätzten 750.000 Dokumenten nach und nach veröffentlicht. Wie brisant diese Dokumente im Einzelnen sind, lässt sich erst beurteilen, wenn diese für alle, dank der Pressefreiheit, ersichtlich sind.

La Repubblica & Co

Ein Netzwerk aus Medienanstalten, zu denen aus Deutschland SZ, WDR und NDR angehören, gehen ein hohes Risiko ein. Bewusst! Denn die einzige Möglichkeit der „Unterdrücker“ ist die Anweisung der „Omertà“. Schweigen! Doch das Netzwerk bedient sich der Pressefreiheit und kontrolliert die Machtverhältnisse. Wo eine Journalistin getötet wird, nehmen mehr als 40 Journalisten gezielt die Arbeit auf, um das System zu entlarven. Durch die Zusammenarbeit konkurrierender Medienanstalten ist es möglich, Fakten zu liefern, über die Sie sich als frei denkender Mensch eine Meinung bilden müssen.

Diese Taten, ob Palermo oder Malta, sind als klare Aufforderungen an die europäische Bevölkerung zu verstehen. Durch das Schengenabkommen ist es möglich, dass die wahren Täter Malta längst verlassen haben und der maltesische Staat nur einen Ermittlungserfolg präsentiert, um die Stimmen zum Schweigen zu bringen. Was letztes Jahr auf Malta geschah, kann in diesem oder nächstem Jahr in jedem anderen europäischen Staat passieren.

Daphne Caruana Galizia hat aufgrund ihrer genutzten Pressefreiheit Morddrohungen erhalten. Ermittlungen und Schutz wurden durch die Behörden bewusst vernachlässigt.