DNA der Neandertaler auch heute noch ein Teil von uns?

Symbolbild eines Neandertalers.
Symbolbild eines Neandertalers.

Tragen wir heute noch die DNA der Neandertaler in uns?

Dass wir von den sogenannten Neandertalern abstammen, gilt heute als unumstößliche Tatsache. Gene, welche von diesen frühen Vorfahren an uns weitergegeben wurden, schützen uns bis heute vor Krankheiten und Bedrohungen. Es scheint also kein Zufall zu sein, dass die oberflächlich betrachtet veralteten Instinkte und Erbmaterialien immer noch in uns angelegt sind. Die vorhandene DNA schützt den heutigen Menschen sogar vor krankmachenden Viren.

Zwei Prozent des Neandertalergens noch vorhanden

Bereits vor über 40.000 Jahren sind unsere Vorfahren ausgestorben – eine unvorstellbar lange Zeit! Doch ein wichtiger Teil der Neandertaler lebt in Form der DNA auch heute noch im modernen Menschen weiter. Laut diversen Untersuchungen haben sich die Neandertaler aus den eher nördlich gelegenen Regionen mit urtümlichen Menschen aus Asien gepaart. Bei den Kindern entstand jenes Erbgut, welches uns heute zugutekommt: In bestimmten Genabschnitten sind rund zwei Prozent des multikulturellen Neandertalergens vorhanden. Viele Abschnitte sind natürlich auch verschwunden – wahrscheinlich aus gutem Grund. Denn es war ganz sicher kein Zufall, dass gewisse DNA-Fragmente noch existieren. Sehr viel wahrscheinlicher ist es, dass die Schnipsel weitergegeben wurden, weil sich aus ihnen ein Selektionsvorteil ergibt.

Effektiver Schutz dank alter DNA

Laut neuer Studien beruht ein großer Teil von genetischen Veränderungen auf der Notwendigkeit, den menschlichen Organismus möglichst effektiv gegen krankmachende Viren zu schützen. Aus diesem Grund gilt es als naheliegend, dass auch das Erbgut der Neandertaler diesem Zweck dient. Bei der näheren Betrachtung solcher Genabschnitte, welche mit Krankheitserregern interagieren, fanden Forscher interessante Dinge heraus. Mehrere Fragmente aus lange vergessenen Zeiten stellten sich als Schutz vor modernen Krankheiten heraus. Obwohl die entsprechende DNA viele Jahrtausende alt ist, schützt sie uns vor aktuellen Krankheiten. Unter anderem interagieren sie mit HIV, Influenza und Hepatitis – allesamt durch Erreger hervorgerufene Krankheiten. Diese RNA-Viren gab es in urzeitlichen Varianten, welche allem Anschein nach bereits damals die Neandertaler befallen haben. Da sich bei manchen Neandertalern daraus eine nützliche Mutation bestimmter Gene ergeben hat, wurden diese stetig weitergegeben. Davon profitierten auch die urtümlichen Menschen, welche mit fremden Arten zum Beispiel aus dem fernen Asien in Kontakt kamen – sie steckten sich weniger häufig an.

Mehr Sicherheit durch eine schnelle Anpassung

Für die gefährlichen Krankheitserreger damaliger Zeit war es ein Leichtes, zum Beispiel vom Homo-sapiens auf den Neandertaler überzuspringen. Aufgrund der engen Verwandtschaft brauchten sich die entsprechenden Erreger noch nicht einmal anzupassen oder gar weiterzuentwickeln – alle Mechanismen funktionierten auch beim Homo-sapiens. Für dessen Vermehrung war es hinsichtlich der Genetik mehr als naheliegend, solche DNA an die Jungen weiterzugeben, welche effektiv vor den Erregern schützte. Die Gene der bereits an die Umweltbedingungen angepassten Neandertalern dienten als adäquate Vorlage. Bis sich im Erbgut des Homo-sapiens eigene Mutation ergeben hätten, hätte es sehr wahrscheinlich zu lange gedauert. Möglicherweise sogar so lange, dass die Art vom Aussterben bedroht hätte werden können.

Moderne Menschen haben allerdings ganz andere genetische Werkzeuge ausgebildet, um die Viren effektiv abzuwehren. In jedem Fall kommt es der Ausbildung neuer DNA zugute, dass Gene aus verschiedenen Kontinenten im Spiel sind. In unseren Genen befinden sich heute sowohl Anteile des Homo-sapiens als auch des Neandertalers. Immer wieder haben sich Forscher gefragt, warum die Gene der Neandertaler so lange in uns überdauert haben. Neue Studien legen nahe, dass einer der Gründe der Schutz vor Viren ist. Vielleicht hilft dieses neue Wissen zukünftig dabei, gegen Epidemien und ähnliches vorzugehen. Je mehr man über die DNA des modernen Menschen, aber auch über seine Ursprünge weiß, desto eher hat die Medizin eine Chance, gegen zahlreiche erblich bedingte Krankheiten und gegen virale Infektionen vorzugehen. Eines ist inzwischen klar: Kaum ein Teil der menschlichen Gene ist unnütz.