Gegenwart und Zukunft von E-Paper.

Bild von einem Kindle-Gerät.
Bild von einem Kindle-Gerät.

Das Amazon Kindle ist wahrscheinlich das Gadget, das am wenigsten ein technisches Gadget vermuten lässt.

Niemand diskutiert mit Kollegen und in Internetforen über seine bemerkenswerten Eigenschaften. Es muss nicht alle zwei Jahre aktualisiert werden. Man nimmt es einfach in die Hand, schaltet es ein und liest. Das Amazon Kindle kommt einem vom ersten Augenblick an vertraut vor. Es ist das schwarz-weiße E-Tinten-Display, das den Erfolg des Gerätes ausmacht. Es ist langsam im Bildschirmaufbau und dennoch ganz einfach. Es leuchtet nicht so hell wie das Smartphone und hält den Ehepartner nachts wach. Irgendwann hört man auf, über den Kindle als technisches Gadget nachzudenken. Es ist nur ein Buch.

Elektronisches Papier, wie diese Displaytechnologie genannt wird (E Ink ist ein geschützter Begriff im Besitz des Unternehmens namens E Ink, dem führenden Lieferanten der Technologie), wurde schon immer in erster Linie mit dem Kindle und E-Book Readern in Verbindung gebracht. Aber E-Paper ist im Begriff, viel mehr als nur das Display für diese Reader zu sein. Diese langlebigen, leicht lesbaren Bildschirme erobern die Welt, von Werbeflächen über Preisschilder bis hin zu den Wänden Ihres Hauses. Seit Jahrzehnten arbeiten Forscher daran, Wände, Böden, Decken und Fassaden in Touchscreens zu verwandeln. Damit dies funktioniert, müssen diese Bildschirme extrem robust sein, nicht viel Strom verbrauchen und unter absolut allen Lichtbedingungen verwendbar. Nur eine einzige Displaytechnologie erfüllt alle diese Kriterien. E-Paper wird überall zu finden sein. Vielleicht merken Sie gar nicht, dass es da ist, und das ist genau der Punkt.

Die Funktionsweise von E-Paper
Ein E-Paper-Display ist gefüllt mit winzigen elektrisch geladenen Tintenkapseln. Ein Teil der Tinte in jeder Kapsel ist weiß, ein anderer Teil ist schwarz. Mit Hilfe von elektrischen Feldern ordnet das Display die Tinte neu an, um verschiedene Dinge auf dem Bildschirm darzustellen. Wenn Sie die Seite auf einem Kindle umblättern, ist der resultierende Blitz nur die Tinte, die sich selbst neu anordnet. Das Umstellen erfordert nur sehr wenig Energie. Wenn das Display neu aufgebaut ist, schaltet sich die Elektronik ab. Um ein Bild auf dem Bildschirm zu behalten, ist keinerlei Strom erforderlich.

Ein E-Paper-Display kann natürlich nicht alles, was ein LCD oder OLED kann. Diese Technologien sind farbenfroher und lebendiger. Sie werden schneller aufgebaut und sie reagieren viel schneller auf Berührungen. Es besteht keine Chance, dass Sie bald ein E-Ink-Smartphone oder einen Fernseher kaufen werden. Aber nicht alle Geräte benötigen diese Geschwindigkeiten. Daher setzen viele Gadgets schon heute E-Paper-Bildschirme ein. Sie sind überall in der Wearables-Industrie anzutreffen: die Pebble Time, der Withings Go Fitnesstracker, der Sony SmartBand Talk, das flexible Polyera Wove Band. Eine der High-End-GPS-Uhren von Timex hat ein farbiges E-Display das eine Technologie namens Mirasol verwendet. Für diese und andere Wearables ist eine lange Akkulaufzeit weitaus wichtiger als eine scharfe Auflösung und brillante Farben.

Große Vorteile im Einzelhandel
Wenn Sie das nächste Mal in ein Ladengeschäft gehen, schauen Sie sich die Preisschilder sorgfältig an. Gehen Sie ganz nah heran, und Sie werden feststellen, dass es sich nicht mehr um Papier handelt. Es könnten bereits Bildschirme sein. Ausgerechnet winzige Preisschilder sind zu einem großen E-Paper-Geschäft geworden. Der Vorteil für Einzelhändler liegt auf der Hand: die Preise können mehrmals täglich geändert werden. Mit Papierschildern wäre dies extrem aufwendig. Mit den Preisschildern von E Ink kann ein Manager oder ein IT-System die Preise ändern, wenn der Laden voll ist oder wenn das Obst zu reifen beginnt.

In den letzten Jahren hat das Unternehmen E Ink seine Ausrichtung neu definiert. Früher gab es kaum mehr als einen Lieferanten für E-Reader. Jetzt wird die Technologie in Kofferanhänger integriert, sodass Sie am Flughafen einchecken können, ohne das große Klebeband um den Griff herum zu benötigen. E Ink arbeitet auch mit der Stadt London zusammen, um Bildschirme in Bushaltestellen zu platzieren, die von einer Solarzelle auf dem Dach mit Energie versorgt werden. Auf den Bussen selbst werden die herkömmlichen Papierschilder bereits gegen E-Paper ausgetauscht.

Innovationen und Ausblick
Auch wenn sich die Einsatzzwecke geändert haben, blieb die E-Paper-Technologie weitgehend unverändert. Das könnte sich bald ändern. So ist farbiges E-Paper schon lange möglich, kommt aber erst jetzt zum Einsatz. Die E-Paper-Technologie ist da. Es dauert nur eine Weile, bis sie auf den Markt kommt. Besonders spannend werden Hybrid-Displays, die E-Paper und LCD zu einem einzigen Gerät zusammenfassen. Dann gibt es vielleicht doch noch ein E-Paper-Smartphone. Fangen Sie an, sich umzusehen. Überall, wo Sie heute noch Papier sehen, können bald winzige Bildschirme sein, die fast keine Energie verbrauchen, wie Papier aussehen und vollständig interaktiv sind.