Energiespeicher nahe Loch Ness.

Bild vom Loch Ness See, in dieser Gegend soll das neue Pumpspeicherwerk gebaut werden.
Bild vom Loch Ness See, in dieser Gegend soll das neue Pumpspeicherwerk gebaut werden.

Der schottische Süßwassersee Loch Ness ist vor allem für das Ungeheuer berühmt, welches angeblich in den Tiefen des Sees sein Unwesen treibt.

Jetzt rückt der See und das umliegende Gebiet jedoch wegen einem ganz anderen Thema in den Fokus der Öffentlichkeit. Loch Ness soll in nicht allzu ferner Zukunft als Energiespeicher dienen. Mithilfe eines sogenannten Pumpspeicherwerks, welches die Energie auch über einen längeren Zeitraum besonders effizient speichert.

Windenergie in Schottland weit verbreitet
Die Schotten nutzen den Wind als Energielieferant in sehr hohem Maße. Die Erzeugung von Windenergie ist für das Land dabei Fluch und Segen gleichermaßen. In der Nordsee vor Aberdeen arbeitet ein gigantischer Windpark vollkommen frei von Emissionen. Allerdings liefert der Park nur dann viel Strom, wenn der Wind stark und vor allem konstant ist. Bei einer Flaute sind die zahlreichen Windkraftwerke eher ein ärgerliches Hindernis für die vielen passierenden Schiffe. Die Stromversorgung muss dann im Notfall sogar auf fossile Energieträger, wie zum Beispiel Kohle, umgestellt werden.

Enorme Wassermengen dienen als Energiespeicher
Zur Behebung dieser Probleme soll nun Loch Ness herangezogen werden. Es soll als Energiespeicher verwendet werden, welcher durch die enormen Wassermengen besonders effizient und wirtschaftlich funktionieren würde. Die neue Anlage wird von der britischen Firma Intelligent Land Investments (kurz: ILI) geplant und umgesetzt. Das Problem der fehlenden Energiespeicher, das Schottland im Moment hat, kann damit aber nur teilweise behoben werden.

Energiespeicher als Unterstützung während umweltbedingter Engpässe
Am Rande des Sees, welcher angeblich vom Seemonster „Nessie“ bewohnt wird, soll ein Pumpspeicherkraftwerk gebaut werden. Die Idee ist alles andere als neu, diese Energiespeicher dienen an anderen Orten schon längt als Brücke zwischen erneuerbarer und traditioneller Energieerzeugung. Wenn zum Beispiel Windkraftwerke oder Solarkraftwerke wegen besonderer Umwelteinflüsse (z. B. Flaute, Dunkelheit, …) wenig bis gar keine neue Energie erzeugen, springen die Speicherkraftwerke ein. Sie geben dann, wenn es die Situation erforderlich macht, die zuvor gespeicherte Energie ab und helfen damit bei einer konstanten Stromerzeugung und Versorgung.

Planung, Bau und Funktion der neuen Anlage
ILI plant, auf einer oberhalb von Loch Ness gelegenen Ebene einen künstlichen Speichersee zu bauen. Wenn der Bedarf an Strom dann zum Beispiel nachts besonders gering ist, und der Windpark trotzdem viel Energie erzeugt, soll diese Ebene genutzt werden. Das Wasser aus Loch Ness, in einem solchen Fall, in den Speichersee, Red John, zu pumpen.

Falls die Erzeugung von Strom aufgrund schwacher Winde zum Erliegen kommt und der Offshore Windpark keine neue Energie liefern kann, wird das Wasser zurück in das unterirdische Pumpwerk geleitet. Dort wird mithilfe von Turbinen ein Generator betrieben, welcher neuen Strom ins Netz speist.

Strom für mehr als hunderttausend Haushalte
Die erzeugte Energiemenge wird von der Firma ILI mit 2,4 Wattstunden beziffert. Diese Menge soll innerhalb von sechs Stunden abgegeben werden und so lange funktionieren, bis der Speichersee vollständig leer ist. Dabei geht die ILI davon aus, dass eine Gigawattstunde ausreicht, um circa eine Million Haushalte eine ganze Stunde lang mit Strom zu versorgen. Aus dieser Rechnung geht hervor, dass der erzeugte Strom für circa 400.000 Haushalte ausreicht.

Schottlands langfristige Ziele
Projekte wie das in Loch Ness – rund um das Thema Energiespeicher – sind für Schottland derzeit sehr wichtig. Das Land hat sich zu Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 komplett mit der Energie aus erneuerbaren Quellen zurechtzukommen. Im Jahr 2017 wurden schon knapp 70 Prozent des schottischen Stroms aus solchen Quellen gewonnen. Den größten Anteil an den erneuerbaren Energien hat die Windkraft. Anlagen wie die im berühmten Loch Ness werden von Experten als einer der wichtigsten Faktoren auf dem Weg zu einer umweltfreundlichen Versorgung mit Energie gesehen. Aber auch weltweit wird an neuen Energiespeichern geforscht.