Europäische Gesellschaft beschwört ein Identitätsproblem.

Symbolbild für ein Multikulturelles Europa.
Symbolbild für ein Multikulturelles Europa.

Gegen das neue Polizeigesetz in Bayern scheint trotz massiver Proteste aus der Gesellschaft kein Unkraut gewachsen.

Künftig dürfen Polizisten selbst bei einer simplen Personenkontrolle eine DNA-Analyse durchführen – ohne Verdacht auf einen Rechtsverstoß. Nur wenige Autostunden südlich, kurz hinterm Brenner, wird massiv durch die Süd-Tiroler Regionalpartei in Südtirol mit dem Slogan „Vorrang für deutsche Kinder in deutschen Kindergärten“ geworben. Der europäischen Gesellschaft wird ein Identitätsproblem suggeriert.

Bayern, Tirol und Südtirol bilden ein kulturelles Gleichnis
Von einer gesellschaftlichen Einheit in den drei deutschsprachigen Regionen Europas zu sprechen wäre zu viel des Guten. Zwar verständigen sich viele der Bewohner über eine einheitliche Sprache und leben eine sehr verbundene Kultur, doch die ethnische Vielfalt lockert den gesellschaftlichen Alltag auf. Das ist gut so. Geht es aber nach einem wesentlichen Bevölkerungsteil in diesen Regionen, so sollen alle ethnischen Gruppierungen aller Herkunftsländer, eingedeutscht werden.

Eine Trennung nach Sprache und kulturellen Festen. Wer sich dem nicht beugt, wird Gefahr laufen, bei einer einfachen Zug-, Bus- oder Fahrzeugkontrolle ohne Anklage als „Gefährder“ tituliert zu werden. Ein schwieriges Thema in Europa, das zum ersten Mal in seiner Geschichte als Union die Möglichkeit erhält, seine eigene gesellschaftliche Identität zu leben, losgelöst vom Einfluss der USA.

Erkennen Sie den Widerspruch? Auf der einen Seite verlangt die Gesellschaft eine Eingliederung in die bestehenden Werte und Gesetze der Regionen, sind aber nicht bereit, diese Integration zu fördern, sondern verlangen eine Trennung nach Sprachgruppen, um zu verhindern, dass die eigene Sprache sich im Multi-Kulti-Europa verliert. Dabei hilft besonders eine Sprachvielfalt, der Gesellschaft Sprachbarrieren, zu überwinden.

Absurde Forderungen aus Südtirol
Die norditalienische Region Südtirol ist ein sehr beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel der Deutschen. Nicht nur die Bergseen oder Pisten laden die deutschen Gäste ein, sondern ebenso die sommerliche Höhenfrische ist ein gelungener natürlicher Kontrast zu den überfüllten Stränden an den italienischen Küsten. Und für deutsche Besucher ist die Kommunikation einfach, denn Deutsch ist eine der beiden gleichberechtigten Hauptsprachen in der Region. Die örtliche Gesellschaft hat sich auf die Gäste aus den deutschsprachigen Nachbarländern eingestellt und genau diese sind besonders bei den deutschsprachigen Einheimischen sehr gern gesehen.

Viele stören sich nicht an den irrwitzigen Forderungen einer regionalen Partei, die viele Deutsche nicht einmal im Ansatz kennen. Sie nehmen bei ihren Spaziergängen in Bozen die Plakate nicht wahr. Im Grunde ist das auch besser so, sonst würde der eine oder andere Gast vielleicht schneller ein paar Kilometer weiter fahren. Die finanziellen Einbußen der fehlenden Gäste wäre für das Land zwar überschaubar, aber der Imageverlust auf Dauer nicht mehr tragbar.

Können Sie sich Plakate in Deutschland vorstellen, mit ähnlichen Forderungen wie die der Süd-Tiroler? Wie würden diese aussehen? „Vorrangig deutsche Studenten in deutschen Universitäten und Hochschulen“? Das Feedback der Gesellschaft bei solchen Forderungen inmitten von München, Nürnberg oder Heidelberg lässt sich leicht ausrechnen. In der Tat studieren viele Italiener aus Südtirol in Deutschland, um ein Studium in deutscher Sprache zu absolvieren.

Hysterische Forderungen sind Beleg für ein funktionierendes System
Die Tatsache, dass sowohl bayrische und Politiker aus Südtirol der europäischen Gesellschaft eine Problemlage schildern, zeigt, dass die europäische Gesellschaft sehr wohl funktioniert. Durch ihre Widersprüche entlarven sie sich selbst. Es gibt weder Belege für ein Sicherheitsproblem in Bayern, das derartige Maßnahmen berechtigt, noch gibt es eine fremdsprachige Unterwanderung durch Kindergartenkinder verschiedener ethnischer Gruppen, die die Autonomie in Südtirol gefährden.

Kinder, die eine bi- oder gar trilinguale Erziehung genießen, erreichen einen gehobenen Bildungsstand und setzen sich der – eigentlich richtig formulierten Forderung – „Vorrang für deutschsprachige italienische Kinder in deutschsprachigen italienischen Kindergärten“, zur Wehr.

Die europäische Gesellschaft hat die Antwort gefunden, in dem sie solche Forderungen ignoriert und gegen den Sicherheitswahn protestiert.