Forscher entwickeln Elektronase – der Sensor soll für Sicherheit sorgen.

Eine Frau riecht an einer Blume.
Eine Frau riecht an einer Blume.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gehört zu den renommiertesten technischen Hochschulen der Bundesrepublik.

Die Entwicklung einer Elektronase gehört zu den neusten Projekten der Universität im Badischen. Den ersten Schritt auf dem Weg dorthin hat man bereits geschafft: Ein Team von Wissenschaftlern hat einen Sensor entwickelt, der Gerüche wahrnehmen kann. Die Elektronase soll im Alltag für mehr Sicherheit sorgen.

Nachbildung des menschlichen Geruchssinns ist eine komplexe Aufgabe

Vor Kurzem erst haben die Forscher aus Karlsruhe ihren Sensor vorgestellt. „Smelldect“ nennt sich die Gruppe, die an der Erfindung gearbeitet hat. Der Hochschule war dies gleich eine Pressemitteilung wert. Auch an der erfindungsreichen Technik-Schmiede ist man auf diese Entwicklung besonders stolz. Der menschliche Geruchssinn ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Zwar werden Sensoren, die auf Gerüche reagieren, in manchen Industriezweigen bereits verwendet. Manche Großunternehmen leisten sich teure Technik, um die Haltbarkeit von produzierten Lebensmitteln penibel zu überwachen. Die Forscher aus Karlsruhe jedoch legen es darauf an, ihre Erfindung möglichst vielen Menschen zugängig zu machen. Dafür müssen sie ein Modell entwickeln, das zu einem günstigen Preis auch von Normalverbrauchern erworben werden kann. Damit hat die Hochschule eine Demokratisierung der Technik im Blick. Die Forscher wollen eben nicht nur für Forschung und Industrie produzieren. Man möchte an einer Entwicklung arbeiten, von der die gesamte Bevölkerung auch direkt profitieren kann. Die Forschung an Universitäten wird aus Steuergeldern finanziert, insofern ist dies auch genau der richtige Arbeitsansatz. Wenn die Gruppe Erfolg hat, produziert sie etwas, was ohne zu teure Kosten von vielen Menschen genutzt werden kann.

Was die Elektronase für Verbraucher leisten könnte

Auch in normalen Haushalten könnte der entwickelte Sensor den Menschen gute Dienste leisten. Die Wissenschaft hat zunächst zwei Bereiche im Blick: Erstens könnte der Sensor feststellen, wenn Lebensmittel verdorben sind. Damit könnten Verbraucher künftig beim Verbrauch von Nahrung auf Nummer sicher gehen. Während sich manche Lebensmittel auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch verzehren lassen, können andere bei warmen Temperaturen auch früher verderben. Der Sensor kann bereits bei ersten Anzeichen von Fäulnis Alarm schlagen. Ein zweiter möglicher Einsatzbereich der Elektronase liegt auf einem anderen Feld: Bei Kabelbränden entstehen bestimmte Gerüche. Mit einem Sensor am richtigen Ort kann ein Frühwarnsystem installiert werden. Dieses könnte Bränden sehr effizient vorbeugen. Mit einer allgemein produzierten Technik dieser Art könnte die Sicherheit im Eigenheim erheblich gesteigert werden. In jedem Fall geht es bei der Entwicklung nicht nur um eine technische Spielerei für Wissenschaftler. Auch deshalb ist die Pressemitteilung aus Karlsruhe bei vielen Zeitungen und Verbrauchermagazinen bereits auf ein reges Interesse gestoßen. Verbraucherverbänden und Fachjournalisten ist klar, dass die Entwicklung der Elektronase einen großen Nutzen mit sich bringen könnte.

Eignet sich die Elektronase auch zur Erweiterung virtueller Realität?

Die Entwicklung des speziellen Sensors ist ein erster wichtiger Schritt auf einem ganz eigenen Forschungsfeld. Während viele andere Sinne heute über Technik bereits vernetzt werden können, bleibt der Geruchssinn noch an den vor Ort lebenden Menschen gebunden. Wenn die Elektronase optimiert wird, könnten sich daraus ganz neue Möglichkeiten ergeben. Wer unterwegs ist, könnte damit per Smartphone erschnuppern, ob in seinem Kühlschrank oder in der Wohnung noch alles in Ordnung ist. Die Wahrnehmung des besonderen Geruchs am anderen Ende einer Videoschaltung wäre ein noch viel ambitionierteres Projekt. Zweifelsohne würden damit die Möglichkeiten virtueller Realität noch weiter ausgebaut. Derzeit sind solche Ideen jedoch nur Spielereien. Zu komplex ist die Wahrnehmung von Gerüchen. Sie erfordert bereits vom Gehirn einen hohen Einsatz. Noch dazu ist die Wahrnehmung von Gerüchen auch mit menschlicher Erfahrung verknüpft. Auch eine Nase muss sich über die Jahre hinweg erst einmal entwickeln, um Gerüche gezielt einordnen zu können. So gesehen steht die Entwicklung der Elektronase noch ganz am Anfang.