Gefahren beim Fußball: Können Kopfbälle zur Demenz führen?

Kopfball Duell, sind dies Gründe für spätere Hirnschäden?
Kopfball Duell, sind dies Gründe für spätere Hirnschäden?

Beim Fußball spielen ist nicht selten voller Körpereinsatz gefragt und oft spielt dabei auch der Kopf eine herausragende Rolle.

Er ist ungeschützt nicht nur kämpferischen Duellen ausgesetzt, sondern auch Kopfbällen. Aber wie gesundheitsgefährdend ist das langfristig?
Das menschliche Gehirn ist von einer dünnen Flüssigkeitsschicht umgeben, die es vor Zusammenstößen mit dem Schädelknochen schützt. Doch Neurobiologen warnen nun davor, dass diese hauchdünne Schicht keinesfalls genügend Schutz bieten kann, denn durch Zusammenstöße mit anderen Spieler oder durch Kopfstöße können Langzeitschäden nicht ausgeschlossen werden. Leider werden die Gesundheitsgefahren von wiederholten Kopfbällen von den meisten Fußballern unterschätzt.

Allerdings sind die Wissenschaftler auch vorsichtig mit ihren Formulierungen, denn obwohl es Korrelationen gibt, fehlt leider die wissenschaftliche Evidenz. Was genau damit gemeint ist, hat seit eigenen Jahren sogar einen eigenen Namen: CTE – die Chronisch-traumatische Enzephalopathie. Dabei handelt es sich um Spätschäden, die durch aufsummierte Schädelverletzungen entstehen und tragische Folgen wie Depressionen, Suizidalität oder Demenzen haben können.

Kein gesicherter Fall im Fußball bekannt
Grundsätzlich stellt kaum jemand infrage, dass Vollkontaktsportarten wie Boxen, American Football oder Eishockey im Laufe der Zeit tatsächlich einmal zu irreparable Hirnschäden führen können. Allerdings betont Tim Meyer, der Arzt der Deutschen Nationalmannschaft, dass im Fußball bisher noch kein einziger CTE-Fall bekannt sei. Auch der Neurologe Claus Reinsberger von der Universität Paderborn konnte diese Aussage bestätigen. Allerdings nehmen die beiden Wissenschaftler eine zunehmende Sensibilisierung wahr – auch mit Blick auf den Fußball. Die Gründe hierfür liegen darin, dass Fußball in den letzten Jahren zunehmend körperbetonter, athletischer und oft auch ruppiger geworden ist.

Auch in diversen Fußball Weltmeisterschaften lies sich dies gut beobachten: Immer wieder kam es nach aggressiven Kopfballduellen, Stürzen oder Zusammenstößen zu Auswechslungen der Spieler. Meist war dies schon nach der ersten Spielhälfte eher die Regel als die Ausnahme. Trotzdem ist Meyer überzeugt, dass der fehlende Beweis für CTE-Fälle daher kommt, dass die für den Kopf gefährlichen Schläge eher selten im Match vorkommen. Meyer bestätigte, dass dies fast ausschließlich geringgradige Ereignisse seien.

Studien verschaffen leider kein klares Bild
Bereits im Jahr 2016 hat die britische Professional Footballers Association trotzdem offiziell die Wissenschaft zu einer Klärung bzw. Klarstellung aufgefordert. In den Medien wurde davor lauthals darüber diskutiert, ob man es dem Soccer-Verband in Amerika gleichtun sollte, denn in den Vereinigten Statten ist es grundsätzlich Kindern unter 10 Jahren verboten, Kopfbälle auszuführen. Monate später stellte Andrew Rutherford von der Keele University gemeinsam mit seinem Team in der renommierten Zeitschrift „British Medical Journal“ klar, dass niemand eine Regeländerung brauche und die Befürchtungen, dass Kopfbälle ein erhöhtes Demenzrisiko mitbringen könnten, angesichts der momentan vorliegenden Studienergebnisse völlig unbegründet seien.

Das amerikanische Kopfballverbot für Kinder war in der Tat nicht das Ergebnis einer Langzeitstudie mit systematischen Beweisführungen, sondern begann bereits vor mehr als 10 Jahren, als Einzelfallberichte für Fußball-Veteranen ein Grund waren, Millionen Dollar schwere Prozessandrohungen zu tätigen. Wegen den drohenden Schadensersatzklagen war dies eher ein strategischer Schritt. Reinsberger beteuerte allerdings, dass wir auch im Fußball endlich eine große Kohortenstudie brauchen, um eindeutige Klarheit in dieser Sache zu bekommen. Leider haben auch systematische Reviews mit einigen Dutzend kleinen Studien bis heute kein klaren Bild liefern können.