Gender Studies – sinnvoll oder unnötig?

Symbolbild für Gender Studies.
Symbolbild für Gender Studies.

Gender Studies – Pseudowissenschaft oder zeitgemäße wissenschaftliche Disziplin?

Gender Studies beschäftigen sich, wie der Name bereits vermuten lässt, mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Inzwischen sind sie in zahlreichen Ländern als ein eigenes Studienfach anerkannt. Allerdings sind sie trotz ihrer Beliebtheit bei Studenten innerhalb unserer Gesellschaft noch nicht so recht etabliert. Sowohl Wissenschaftler als auch Bürger sprechen von einer Pseudowissenschaft. In Ungarn wurden Gender Studies sogar ganz offiziell von der Liste der Master-Kurse gestrichen.

Wozu sind die sogenannten Gender Studies überhaupt gut?

In diesem Fachbereich werden Unterschiede der beiden Geschlechter unter der Betrachtung wissenschaftlicher Fakten untersucht. Primär geht es um Unterschiede im Verlauf der menschlichen Geschichte und um die Bereiche Kultur, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Im Prinzip gilt dieses Studienfach als interdisziplinär, da es so viele verschiedene wissenschaftliche Bereiche umfasst. Grundsätzlich wird von den Gender Studies die Meinung vertreten, dass die biologischen Eigenschaften eines Menschen keineswegs ausschlaggebend dafür sind, welche persönlichen Eigenschaften und diversen Fähigkeiten dieser Mensch besitzt. Grundsätzlich geht es also um die weitverbreitete Diskussion der Gleichberechtigung.

Kampf der Geschlechter als wissenschaftliche Disziplin?

Vor allem Kritiker behaupten immer wieder, dass es die Gender Studies als eigene Wissenschaft doch gar nicht geben dürfe. Sie werfen der Pseudowissenschaft vor, dass sich die Forschungen in diesem Bereich lediglich um das Thema Gleichstellung zu Gunsten der Frauen dreht. Auch Homo- und Transsexuelle spielen hier eine Rolle. Während allgemein davon ausgegangen wird oder viel mehr wurde, dass bestimmte Geschlechter an feste Rollen, individuelle Stärken sowie Schwächen und innere Einstellungen geknüpft seien, räumen die Gender Studies mit diesem Denken auf. Das Empfinden Kritiker als wenig erfreulich. Den Gender Studies wird gar vorgeworfen, dass die Studierenden und Wissenschaftler aus diesem Bereich eine echte Bedrohung für natürlich vorgegeben Fakten der Natur seien. Soziologen auf diesem Gebiet sehen die Kritik locker. Die Fachleute sind es bereits gewohnt, dass ihre Arbeit als intellektuelle und vor allem als realitätsfremde Spinnerei aufgefasst wird.

Der historische Kontext ist laut Gender Studies entscheidend

Forscher aus diesem Bereich gehen davon aus, dass nicht die Natur uns zu dem macht, was wir sind, sondern viel mehr die menschliche Geschichte. Fachmenschen der Gender Studies sind der Meinung, dass wir uns nie richtig und naturgegeben entfalten konnten. Vielmehr werden Fremd- sowie Selbstwahrnehmung durch das gesellschaftlich auferlegte Bild geprägt. Dieses wird wiederum vorbestimmt durch die historisch bedingten Entwicklungen des Landes, in welchem wir leben. Doch die Geschichte ist laut der Gender Studies lediglich ein Kriterium, welches Mann und Frau voneinander unterscheidet – neben den biologischen Merkmalen, versteht sich. Auch die Kunst habe einen Einfluss darauf, was als typisch männlich oder weiblich wahrgenommen werde.

Geschlechterforschung: Ein geschichtlicher Rückblick

Ursprünglich haben sich die Gender Studies aus den sogenannten Womens Studies heraus entwickelt, welche ihren Ursprung in den 60er Jahren haben. Diese sind innerhalb der USA im Zusammenhang mit der damals populären Frauenbewegung entstanden. Die Womens Studies galt ebenfalls als wissenschaftliche Disziplin und beschäftigte sich daher primär mit der wissenschaftlichen Sicht auf Männer sowie Frauen. Erst in den 1980ern entwickelten sich aus diesen Ansätzen heraus die Gender Studies, wie wir sie heute kennen. Zum ersten Mal an deutschen Universitäten war das neue Studienfach zwischen den Jahren 1997 und 1998 vertreten. An der Humboldt-Universität in der deutschen Hauptstadt Berlin wurde der Studiengang eingerichtet. Zeitlich wurden zwei weitere Studiengänge etabliert – und zwar an der Universität in Oldenburg. Auch hier ging es um Studien zur Frauen- sowie Geschlechterforschung. In Österreich wurden Studiengänge aus der Disziplin Gender Studies erst sehr spät ins Leben gerufen. Zum Wintersemester 2006 bzw. 2007 wurde ein Masterstudiengang ins Leben gerufen. Die Hochschule in Linz verpflichtet sogar alle Studenten dazu, wenigstens für die Dauer eines Semesters an Modulen zum Thema Gender Studies teilzunehmen.