Giftige Säugetiere – selten und gefährdet!

Bild von einem Schlitzrüssler (Solenodon Paradoxus).
Bild von einem Schlitzrüssler (Solenodon Paradoxus).

Gifte verbinden wir in der Tierwelt sofort mit solchen Klischeetieren wie Spinnen, Skorpionen, Schlangen und vielleicht einigen Meereslebewesen.

Tatsächlich gibt es aber auch einige Säugetiere, die selber Gifte produzieren und auch für den Menschen giftig sein können. Sogar einige Primaten finden sich darunter. Die übrigen giftigen Säugetiere lassen sich den Ordnungen Insektenfresser und Kloakentiere zuordnen.

Insektenfresser
Zu den giftigen Insektenfressern gehören einige Arten der Spitzmäuse, wie die Wasserspitzmaus (Neomys) und die amerikanische Kurzschwanzspitzmaus (Blarina), aber auch einige Schlitzrüssler, wie der kubanische Schlitzrüssler (Solenodon cubanus) und der dominikanische Schlitzrüssler (Solenodon paradoxus).

Die Tiere produzieren das nach ihnen benannte Nervengift Blarina-Toxin. Dieses führt beim Menschen zu brennenden Schmerzen und Rötungen entlang der Bisswunde. Für kleine Wirbeltiere und Vögel kann das Gift ferner zur Lähmung des Atemzentrums, zu komatösen Zuständen und letztlich zum Tod führen.

Kloakentiere
Kloakentiere unterscheiden sich von anderen Säugetieren dadurch, dass sie ihren Nachwuchs nicht lebend auf die Welt bringen, sondern Eier legen. Giftig sind nur die männlichen Exemplare der Schnabeltiere (Ornithorhynchus anatinus) während der Paarungszeit.

Die männlichen Schnabeltiere entwickeln einen circa 1,5 cm langen Giftsporn an ihrem Hinterbein, durch das das Gift übertragen werden kann. Es wird vermutet, dass das Gift lediglich für Revierkämpfe und Kämpfe um eine Geschlechtspartnerin genutzt wird, es ist aber auch für andere Tiere und den Menschen giftig. Das Gift verursacht bei uns Menschen sehr schmerzhafte Schwellungen, die mitunter mehrere Monate anhalten können und auch mit starken Schmerzmitteln nur schwer zu ertragen sind. Ferner gibt es Überlieferungen, laut denen Hunde starben, nachdem sie Schnabeltiere gefangen hatten.

Primaten
Plumploris (Nycticebus kayan) sind nachtaktive Primaten, die in Südwest-Asien und Indonesien beheimatet sind. Sie produzieren ein Gift, welches sehr ähnlich dem Gift der oben genannten Spitzmäuse ist. Plumploris produzieren ihr Gift mit einer am Arm befindlichen Giftdrüse. Sie übertragen das Gift aber nicht nur mit ihren Eckzähnen, sondern verteilen es vermischt mit ihrem Speichel über ihr gesamtes Fell und das ihrer Nachkommen um sich und ihren Nachwuchs gegen Feinde zu schützen. Plumploris sind gegen das eigene Gift immun. Wer einmal Plumploris sehen möchte, muss dazu nicht unbedingt nach Asien reisen, sondern kann die Tiere auch im Leipziger Zoo bestaunen.

Giftig aber schutzlos
Trotz oder gerade aufgrund ihres Giftes sind die meisten der giftigen Säugetiere vom Aussterben bedroht. Schlitzrüssler, die einstigen „guten Geister Haitis“, sind heute nur noch in kleiner Zahl in unwegsamen Wäldern vertreten, da ihr Lebensraum in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere durch Abholzung sehr stark eingeschränkt wurde. Zudem sind die Tiere nahezu schutzlos gegenüber eigentlich nicht heimischen Räubern, wie zum Beispiel Hunden und Katzen.

Die niedlichen Plumploris müssen neben der Abholzung ihres Lebensraumes auch gegen südostasiatische Mythen kämpfen: Dort glaubt(e) man nämlich, dass Wunden, auf die Plumploris gelegt werden, schneller heilen würden. Außerdem gerate ein Schiff, welches ein Plumplori an Bord habe, niemals in eine Flaute. Die Tiere werden daher gefangen und ihnen werden, um sich selber zu schützen, auf schmerzhafte Weise die giftigen Eckzähne entfernt. Alle Arten sind heute aufgrund dessen stark gefährdet, auch wenn sie inzwischen geschützt werden.

Schnabeltiere wurden aufgrund ihrer eigentümlichen Felle, welche man früher zunächst für kunstvolle Fälschungen hielt, im 19. Jahrhundert gejagt und nahezu ausgerottet. Heute sind die Tiere streng geschützt und ihre Population nimmt leicht zu, auch wenn die Tiere ebenfalls gegen die Bedrohung ihres Lebensraumes kämpfen müssen.

Die giftige Seite der Tierwelt beschränkt sich also nicht auf Spinnen- und Kriechtiere. Es gibt auch zahlreiche giftige Säugetiere, auch wenn diese zumindest auf den ersten Blick vermeintlich niedlicher und somit ungiftiger wirken. Zu ihrem Fortbestand trugen ihre Gifte aber bisher leider zu wenig bei, weil sie nicht sehr wirkungsvoll gegen ihren eigentlich größten Feind sind: den Menschen.