Hautbakterien, Natürlicher Schutz vor Hautkrebs?

Bild von einem wuchernden Hautkrebs.
Bild von einem wuchernden Hautkrebs.

Können Hautbakterien ein natürlicher Schutz vor Hautkrebs sein?

Ein beim Mensch häufig vorkommender Stamm von Staphylokokken (Staphylococcus epidermidis) produziert selbstständig eine Substanz, die nachweislich ein Wachstum von Hautkrebszellen hemmt.

Neues aus der Krebsforschung: Normale Hautbakterien können vor Hautkrebs schützen
Einige Bakterien der menschlichen Haut setzen antibakterielle Substanzen frei und können so Krankheitserreger abwehren. Amerikanischer Mediziner aus La Jolla fanden jetzt heraus, dass eine Substanz, die von Staphylokokken produziert wird, noch eine weitere überraschende Wirkung hat: Sie hemmt das Wachstum von Hauttumoren.

Wie die Forscher berichten konnten, wurden verschiedene Test mit Mäusen durchgeführt. Das Ergebnis war überraschend: Wurden Bakterien des Stammes Staphylococcus epidermidis auf die Haut der Mäuse übertragen, entwickelten sich bei diesen Tieren nach UV-Bestrahlungen weniger Krebszellen als bei den Mäusen, die nicht mit den Bakterien in Kontakt kamen. Das Tumorwachstum konnte um mehr als 60 % unterdrückt werden. Auch mehrfache intravenöse Injektionen verursachten keinerlei schädliche Nebenwirkungen.

Staphylococcus epidermidis: 6-N-Hydroxyaminopurin (6-HAP)
Nun wollen die Wissenschaftler noch prüfen, ob Menschen, denen dieser schützender Bestandteil der Hautflora fehlt, einem erhöhten Risiko für Melanome oder andere Hautkrebsformen ausgesetzt sind. Wie der amerikanische Wissenschaftler Richard Gallo von der University of California San Diego mitteilte, konnte eindeutig ein Stamm von Staphylococcus identifiziert werden, der oft auf der gesunden menschlichen Haut vorkommt. Dieser besitzt die Eigenschaft, verschiedene Krebsarten in ihrem Wachstum hemmen zu können. Den Medizinern war bekannt, dass bestimmte Hautbakterien Substanzen freisetzen, die potentielle Krankheitsbakterien abtöten können. Sie züchteten nun jedoch aus Abstrichen der menschlichen Haut einen Stamm von Staphylococcus epidermidis, der eine völlig neue, wirksame Verbindung gegen Streptokokken produzierte. Der Wirkstoff konnte durch eine chemische Analyse anschließend als 6-N-Hydroxyaminopurin (6-HAP) identifiziert werden.

Die Molekülstruktur wies eine große Ähnlichkeit mit Adenin auf. Dabei handelt es sich um eine der vier Nucleinbasen der DNA und dieser Umstand wies die Wissenschaftler direkt auf den Wirk-Mechanismus hin: Anstelle des Adenins wird das bakterielle Purin in den DNA-Strang eingebaut, wodurch letzten Endes die Zellteilung blockiert wird. Dies liegt an der Tatsache, dass durch den veränderten DNA-Strang die normale Basenpaarung in der Doppelhelix zwischen Thymin und Adenin verhindert wird.

Keine erkennbaren Nebenwirkungen bei der Zugabe von 6-HAP
Während die Zugabe von 6-HAP in die menschliche Zellkulturen die Vermehrung von verschiedenen Krebszellen hemmte, wie z.B. bei die beiden Hauttumore Melanom und Plattenepithelkarzinom, wurde das Wachstum gesunder Hautzellen hingegen in keinster Weise beeinträchtigt. Zwar ist bisher die genaue Ursache dieser selektiven Wirkung noch nicht geklärt, allerdings fanden sich Hinweise darauf, dass das 6-HAP normale Hautzellen durch Enzyme chemisch verändert und so unwirksam macht.

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