Hochsensibilität – Fluch und Segen zugleich.

Symbolbild für Hochsensibilität.

Wie nimmt ein Betroffener das Leben wahr?

Schwach, kaum belastbar, zerbrechlich, nicht gesellschaftsfähig – so werden hochsensible Menschen vorschnell abgestempelt. Doch diese Merkmale werden der Hochsensibilität nicht gerecht. Hinter dem Wesenszug steckt viel mehr, als der Name zunächst vermuten lässt. Hochsensible fühlen intensiv, was sie gerade zu sozialen und somit geselligen Wesen macht. Nur ein empathischer Mensch besitzt den Sinn fürs Miteinander.

Über die Merkmale

Doch was ist Hochsensibilität genau? Was macht einen Menschen zu einer „Highly Sensitive Person“ (HSP), wie es der englische Begriff beschreibt? Hochsensible Menschen nehmen äußere Reize intensiver wahr und verarbeiten diese entsprechend mühevoller. So können sich Geräusche lauter, grelles Licht heller und Temperaturen kälter oder wärmer für HSPs anfühlen, als für normale Menschen. Das ausgeprägte Empfinden und Wahrnehmen kleinster Details mündet schnell in einer Reizüberflutung.

Gerade außerhalb eines geschützten Bereiches ist der Mensch vielen unterschiedlichen Eindrücken ausgesetzt. Ein Besuch im Supermarkt, eine Fahrt mit der U-Bahn oder eine Feier mit vielen Gästen kann bereits zur Belastungsprobe werden. Das führt zu einer vorzeitigen Erschöpfung, was das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung weckt. Auch das Schlafbedürfnis ist bei vielen HSPs ausgeprägt: Da sie jegliche Einwirkungen des alltäglichen Lebens verarbeiten müssen, benötigen sie eine längere Regenerationsphase.

Bei so viel Input lässt auch die Konzentration schneller nach. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich die Arbeit und andere Aufgaben bewusst einzuteilen. Regelmäßige Ruhepausen sind hier sinnvoll.

Wie geht ein Hochsensibler am besten mit seinen Eigenschaften um?

Es ist viel wert zu wissen, warum sich das eigene Empfinden von dem anderer Menschen unterscheidet. Erst dann ist es möglich, bewusst danach zu leben. Sich seinen Alltag zu strukturieren sowie Zeiten zum Energie tanken einzuplanen, sind nur ein Schritt in die richtige Richtung.

Auch alltägliche Erledigungen lassen sich entspannt umsetzen. So kann Organisation das Einkaufen erleichtern. Lassen sich Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht vermeiden, helfen Kopfhörer zur Eindämmung von Geräuschen. Soziale Unternehmungen dürfen ruhig im kleineren Rahmen stattfinden, ohne dabei den Stempel der Ungeselligkeit aufgedrückt zu bekommen. Aber nicht nur hochsensible Menschen sollten sich ihr Leben so angenehm wie möglich und mit Blick auf ihre Bedürfnisse gestalten.

Hochsensibilität als Bereicherung

Das ist ein Punkt, den Nicht-Hochsensible von HSPs lernen können: Achtsam durchs Leben gehen. Auf sich zu achten, ist nicht nur für jeden Menschen ein wichtiger Beitrag zu seiner Gesundheit. Es fördert auch das soziale Miteinander. Wer ausgeglichen ist, kann anderen friedlich und offen gegenübertreten. Arbeitsklima und Produktivität profitieren ebenso. Die Leistungsfähigkeit steigt auf diesem Weg wieder an.

Weitere Bereicherungen für den Betroffenen selbst sowie für seine Mitmenschen sind Tiefsinnigkeit, starke Intuition und ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. So beschäftigen sich HSPs intensiver mit erlebten Ereignissen. Sie suchen nach einem Sinn. Bestimmte Sachverhalte und Stimmungen können unterbewusst erfasst werden. Das Engagement für Schwächere ist auch oft groß.

Hochsensibilität bringt also durchaus positive Eigenschaften mit sich. Wie so oft kommt es auf den Blickwinkel an: Je nach dem, wie wir etwas betrachten, können wir einer Sache positives oder negatives abgewinnen. Jeder hat es selbst in der Hand, ob er sich lieber auf das Gute oder Schlechte im Leben fokussiert. Es gehören nun mal beide Seiten der Medaille dazu.

Bestseller Nr. 1
Bestseller Nr. 2
Bestseller Nr. 3
Bestseller Nr. 4
Bestseller Nr. 5