Instagram: Von Eatsmarter zu Eating Disorder.

Symbolbild für Essstörung.
Symbolbild für Essstörung.

Zwischen Abnehmshake und Diätpille:

Wie Instagram unsere Selbstwahrnehmung manipuliert.

Sicher kennen Sie das Gefühl: Sie scrollen durch Ihren Feed auf Instagram, stöbern durch die Beiträge Ihrer Freunde oder verfolgen die Gedanken Ihrer Lieblingsinfluencer. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stoßen Sie dabei auf Inhalte, die sich mit Körper, Gesundheit und Bewegung beschäftigen. Und egal, ob Sie nun zufrieden mit Ihrem Körper sind oder nicht, werden Sie sich mit den unzähligen Fitnessmodels im Netz vergleichen.

15 Millionen Menschen.

So viele Deutsche sind täglich auf Instagram aktiv. Kein Wunder: mit nur einigen Klicks ist jeder auf dem neuesten Stand und kann sich über die unterschiedlichsten Themen informieren. Insbesondere die junge Generation lässt sich gerne von den geteilten Posts durch ein Meer voller Eindrücke treiben und inspirieren. Ein Großteil der insgesamt knapp 40 Milliarden Nutzer beschäftigt sich mit Beiträgen zu Gesundheitstrends: Fitness, gesunde Ernährung, Abnehmen – Alles, was einem dabei hilft, den „perfekten“ Körper zu erreichen. Doch in einer Gesellschaft, die von Influencern nur so wimmelt, ist es schwer, sich von online dargestellten, oftmals unerreichbaren Schönheitsidealen nicht beeinflussen zu lassen.

Bei den Followern entwickeln sich Gefühle von Selbstzweifel und Neid, hervorgerufen durch den ständigen Vergleich mit meist unrealistischen Körpern oder Lebensweisen. Diese Unzufriedenheit führt oft zu Essstörungen. Wenn es um die Inhalte geht, gibt es kaum Grenzen. So wird Instagram nicht nur zum Austausch und zur gegenseitigen Motivation zwischen begeisterten Sportlern genutzt, sondern auch zwischen Menschen, die sich praktisch dabei helfen zu sterben. Sie glorifizieren ihre Essstörungen und geben sich Tipps, um weiter abzunehmen.

Alleine in Deutschland kämpfen rund 600.000 Menschen gegen eine Essstörung.

Obwohl es keine psychische Erkrankung mit einer höheren Sterberate gibt, wird sie von Außenstehenden oft nicht ernst genug genommen. Dabei handelt es sich hierbei um alles andere als nur Hirngespinst. Um dem Schlankheitsideal zu entsprechen, werden extrem gefährliche Maßnahmen ergriffen: Es wird exzessiv Sport getrieben, Mahlzeiten durch Diätpillen ersetzt oder einfach gar nicht mehr gegessen. Die Betroffenen versuchen alles, um den aktuellen Trends gerecht zu werden. Und stürzen sich damit in eine Krankheit, die bereits unzählige, überwiegend junge Menschen in den Tod gerissen hat.

Glücklicherweise existieren neben den negativen, den Körper-Wahn verherrlichenden Seiten auch unzählige Beiträge, die eine positive Auswirkung auf die Community haben. Viele ehemalige Essgestörte teilen ihre Geschichte, bieten somit Hilfe und machen Mut. Mit der Dokumentation ihres Weges zeigen sie: Es gibt Hoffnung. Für die Betroffenen ist es wichtig, vertrauenswürdige Kontaktpersonen zu haben, die ihre Situation nachvollziehen können. Statt Essstörungen als eine Art Trend im Internet zu verbreiten, sollte Instagram genutzt werden, um sich gegenseitig bei der Genesung zu unterstützen und auf solche Themen aufmerksam zu machen.

Das Internet ist zugänglicher denn je.

Seien Sie vorsichtig im Umgang mit sozialen Netzwerken, betrachten Sie angezeigte Inhalte stets kritisch und lassen Sie sich nicht von fremden Meinungen manipulieren. Bilder lassen sich heutzutage mit Apps, Photoshop und Farbfiltern bearbeiten. Letztendlich zeigen sie uns lediglich Ausschnitte, die ebenso lügen könnten. Diese Welt, die oft mehr Schein als Sein ist, sollte kein Grund sein, um Ihrer Gesundheit Schaden zuzufügen oder Ihnen die Lebensfreude zu rauben.