Ist HIV bereits eine heilbare Krankheit?

Darstellung eines HIV Virus.
Darstellung eines HIV Virus.

HIV – das Virus ist unter Kontrolle.

Trotz erfolgreicher Aufklärungskampagnen zu HIV wie auch Aids stecken sich jedes Jahr immer mehr Menschen mit dieser Erkrankung an. Bis heute steht, trotz jahrelanger Forschungsreihen keine HIV-Impfung zur Verfügung. Das Virus selbst existiert in unterschiedlichen Formen und kann sich innerhalb des körpereigenen Abwehrsystems extrem wandeln. Ein Impfstoff müsste somit gewährleisten, dass es Antikörper gibt, die die ständig veränderten Erreger vernichten können.

Die Anti-Aids-Pille – für davor sowie danach
Menschen, die das Virus tragen, können durch bestimmte Therapien und mithilfe von über zwanzig antiretroviralen Medikamenten positiv in die Zukunft schauen. Durch die Medikamente wird die Vermehrung des Erregers im Organismus dramatisch verlangsamt.

Bei Truvada handelt es sich zum Beispiel um eine Pille, die sogar verhindern kann, dass sich gesunde Personen mit HIV infizieren, falls sie ungeschützten Sex praktizieren. Das Medikament (Hersteller Gilead Sciences) ist bereist seit 2012 innerhalb der USA zugelassen. Mithilfe einer Studie (Grant et al./2011) wurde nachgewiesen, dass bei den etwa 2.500 beteiligten HIV negativen Männern, welche Sex mit Transgender-Frauen und Männern praktizierten, das Ansteckungsrisiko um fast 73 Prozent sank, wenn eine Pille pro Tag eingenommen wurde.

Im Rahmen einer weiteren Studie mit etwa 4.800 beteiligten heterosexuellen Paaren (ein Partner war HIV positiv), sank das Neuansteckungs-Risiko durch das Medikament Truvada um fast 75 Prozent (Baeten et al., 2012).

Medikament Truvada als Prophylaxe
Das Medikament Truvada wurde als Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) für Personen entwickelt, die ein hohes Infektionsrisiko haben. Die sogenannte Anti-Aids-Pille bewahrt Sie allerdings nicht zu einhundert Prozent vor HIV. Des Weiteren schützt Sie das Medikament nicht vor weiteren Krankheiten/Infektionen, die eventuell beim Sex übertragen werden. Nehmen Sie Truvada ein, sollten Sie trotzdem unbedingt auch Kondome verwenden, persönliche Beratungen wahrnehmen sowie auch regelmäßig einen HIV-Test durchführen lassen.

Die Nebenwirkungen des Medikaments sind im Übrigen meistens sehr gering. Es können zu Beginn der Einnahme Kopfschmerzen und Magenverstimmungen oder Gewichtsverlust auftreten, selten sind dagegen zum Beispiel Nierenprobleme.

Diagnose HIV positiv bedeutet nicht den Tod
Wurden Sie positiv auf HIV getestet? Dann sollten Sie sich schnell in Behandlung begeben, da das Virus sonst Aids auslösen kann. Des Weiteren besteht immer die Gefahr, dass Sie andere Personen infizieren. Die Diagnose HIV positiv an sich bedeutet hierzulande aber schon lange nicht mehr eine Aids-Erkrankung und somit ein hohes Sterberisiko.

Als Infizierter/Infizierte sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt alle weiteren Schritte besprechen. Wer ist jedoch der richtige, vertrauenswürdige Arzt? Hier können Ihnen Aids-Beratungsstellen sowie Aids-Hilfen weiterhelfen und direkt den Kontakt vermitteln. Der Facharzt wird vorab testen, wie sich der Virus bereits in Ihrem Körper ausgebreitet hat und anschließend eine entsprechende Therapie einleiten (antiretrovirale Therapie/ART).

Zur Behandlung des Virus sind derzeit über zwanzig Medikamente verfügbar, um ein relativ normales Leben zu führen. Da jedoch kein Arzneimittel allein diesen Virus in den Griff bekommen kann, kombinieren Ärzte meistens mehrere Produkte. Diese Mixtur wird für die Betroffenen individuell zusammengestellt.

Entscheidend hierfür ist unter anderem, welche Virenanzahl in Ihrem Körper stecken, ob und welche anderen Erkrankungen Sie bereits haben und welche Nebenwirkungen auftreten können. Entscheiden Sie sich für eine ART, müssen Sie die Medikamente Ihr restliches Leben lang einnehmen. Die Kosten der HIV-Therapie werden normalerweise von den Ersatzkassen übernommen.

Aids lässt sich bisher nicht heilen, das Virus aber kontrollieren
Endgültig heilbar sind Aids und HIV bisher noch nicht, das Virus kann jedoch gut kontrolliert werden. Dies begründet sich vor allem darauf, dass die Wissenschaft das Virus bisher nicht komplett verstanden hat. Selbst nach über 30 Jahren Forschung sind die Struktur, der Aufbau sowie die Veränderungen im Infektionsverlauf nicht vollständig entschlüsselt. Die Oberflächen der Erreger wandeln sich permanent und bieten deshalb dem Immunsystem des Betroffenen keine Angriffsfläche, damit passende Antikörper entwickelt werden können.