Ist Kannibalismus in Zukunft ein Thema?

Symboldbild für Kannibalismus.
Symboldbild für Kannibalismus.

Kannibalismus – Wenn der Hunger über die Moral siegt!

Kannibalismus ist ein Thema, welches in unserer heutigen Gesellschaft zu den absoluten Tabus zählt. Aus diesem Grund meinen viele Menschen, dass dieses Phänomen nur bei Urvölkern oder in längst vergangenen Jahrhunderten vorkommt. Und wenn doch einmal eine Schlagzeile über den Kannibalismus in der Tageszeitung steht, dann handelt es sich um einen Einzelfall. Obwohl wir dringend hoffen sollten, dass der Kannibalismus keine ernsthafte Rolle mehr in unserer modernen Gesellschaft spielen wird, sind die Prognosen diesbezüglich unklar.

Im Jahr 1846: Kannibalismus in der Sierra Nevada

Als der Hunger einer Gruppe aus rund 87 Menschen in der Sierra Nevada zu groß wurde, begannen diese ehemals zivilisierten Personen, sich gegenseitig aufzuessen. Die grausige Geschichte um George Donner und seine Brüdern aus dem Jahr 1846 ist heute recht populär. Die Menschengruppe war auf dem Weg nach Westen, als sie sich plötzlich im Weg irrte, sich verlief und schließlich im tiefen Schnee stecken blieb. Als die spärlichen Vorräte aufgebraucht waren, griffen die wenigen Überlebenden zu rabiaten und sehr grausamen Mitteln: Sie aßen alle Begleiter auf, welche zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben waren. Dass es sich dabei sowohl um Verwandte als auch um enge Gefährten handelte, macht die Sache nur noch gruseliger.

Die Not treibt Menschen zum Äußersten

Obiger Fall ist einer der weltweite bekanntesten und dient Forschern dazu, präzise Aussagen zum Thema Kannibalismus zu treffen. Zoologen sind sich einig: Wenn Menschen kurz vor dem Hungertod sind, dann sind sie mental bereit dazu, ihresgleichen zu essen. Wenn wie im Falle George Donners auch noch jegliche Aussicht auf Rettung fehlt, dann kennen viele Personen weder Moral noch Mitleid. Alle Werte, die in der westlichen Zivilisation als etabliert gelten, werden dann plötzlich über Bord geworfen.

Geschichtliche Hintergründe

Kannibalismus tauchte während der Entwicklung des Menschen immer wieder auf. Die Anfänge dieses Verhaltens liegen inzwischen einige Jahrtausende zurück. Es gibt Hinweise darauf, dass das gegenseitige Verspeisen in der früheren Zeit sogar recht verbreitet war – eine absurde Vorstellung aus der heutigen Sicht. Sowohl in den Ländern Spanien, Kroatien und Frankreich wurden Knochen gefunden, welche Fraßspuren von Menschen an Menschen dokumentieren. Auch das Gehirn soll angeblich gegessen worden sein. Diese Vorstellung scheint nicht allzu abwegig, wenn man bedenkt, dass in China auch heute noch die Hirne von Affen als besondere Delikatesse gelten.

Gründe für den Kannibalismus in der Vergangenheit

Die Gründe für dieses barbarische Verhalten liegen auf der Hand: Hunger. Möglicherweise war Menschenfleisch sogar ein ganz normaler Teil der fleischlichen Kost bei unseren Vorfahren. Ein anderer Ansatz ist der, dass es rituelle Hintergründe für den Kannibalismus gab. Geht man von Tiere aus, dann kommt es vor allem dann zum Verspeisen von Artgenossen, wenn ein spezieller Grund vorliegt. Hierbei geht es weniger um abartige Vorlieben als viel mehr um den praktischen Zweck. Bestes Beispiel: Bestimmte Haiarten fressen im Körper des Muttertieres ihre Geschwister auf. Auf diese Weise überleben die Ungeborenen – die Versorgung durch die Mutter alleine reicht nicht aus. Hier gilt bereits vor der Geburt: Der Stärkere überlebt. Auch Eisbären fressen ihre eigenen Jungen, wenn die karge Landschaft nicht genügend Nahrung hergibt, weil es an Robben und anderen Tierarten mangelt.

Klimawandel und Kannibalismus

Da das Verlangen nach Menschenfleisch nur in extremen Situationen ausgelöst wird (Ausnahmen bestätigen die Regel), kann für die Zukunft keine genaue Prognose gestellt werden. Dass es zum Beispiel infolge des Klimawandels in ferner Zukunft zu Kannibalismus kommen könnte, ist nicht gänzlich ausgeschlossen. Natürlich wäre das nur dann der Fall, wenn eine absolute Notsituation vorläge, wie beim Beispiel der Menschengruppe in der Sierra Nevada. Forscher haben außerdem herausgefunden, dass Menschenfleisch nicht besonders gesund ist und zudem über sehr wenige Kalorien verfügt.