Kamprads Erbe

Bild von einem IKEA Möbelhaus.
Bild von einem IKEA Möbelhaus.

Die neue alte Idee der Schweden.

Ingvar Kamprad, einer der Ikea-Gründer, arbeitete mit seinem Team vor einigen Jahren ein interessantes und risikoreiches Konzept aus. Das schwedische Möbelhaus beschloss die Industrieflächen in Deutschland zu verlassen, um Möbel und Haushaltswaren in den Stadtzentren anzubieten. Der Erfolg erwies sich als mäßig, auch deshalb, weil sich für Kunden ein strukturelles Hindernis bot. Heute wird das Konzept von seinen Erben wieder neu aufgenommen.

Ein Sofa ist kein Oberhemd

In den deutschen Innenstädten liegen zahlreiche Verkaufsflächen brach. Schuld haben moderne und komfortable Einkaufszentren, die meist an der Innenstadtgrenze entstehen. Für die Schweden von Ikea Grund genug, diese Flächen neu zu beleben. Die Idee ist nicht neu, einen Ikea-Store im Zentrum einer Stadt anzubieten, doch logistisch ist es eine große Herausforderung, der nicht nur Kunden, sondern die Betreiber selbst bisher kaum gewachsen sind.

Stellen Sie sich vor, dass neben dem schwedischen Modehersteller H&M gleich ein Ikea-Store liegt und Sie sich nicht nur neu einkleiden, sondern auch ein neues Sofa mitnehmen können. Grundsätzlich ist das eine gute Idee, denn Sie sparen sich den weiten Weg zu den weit außerhalb liegenden Möbelhäusern der Schweden, müssen dadurch aber viel Muskelkraft aufwenden, um das geliebte Sofa durch die Einkaufsstraße zu balancieren.

Und spätestens ab diesem Punkt versteht der Verbraucher, dass ein Sofa eben kein Kleinartikel wie das Oberhemd von H&M ist. Für Ikea steckt der Gedanke dahinter, dass viele Verbraucher heute ihre Möbel online bestellen. Dank der schnellen Klicks, ist die Kundschaft in der Lage, einen Preis-/Leistungsvergleich zu ziehen. Diese Möglichkeit wird Kunden bei einer Shopping-Tour in der Innenstadt genommen. Schließlich bleibt die Möbel-Konkurrenz außen vor und setzt weiter auf ihr etabliertes Konzept.

Offline Möbel bestellen

Ikea geht gar einen Schritt weiter und plant zudem Stores in Einkaufszentren, wo gar kein Möbellager vorhanden ist. Ein ähnliches Konzept ist bereits durch den Smartphone-Riesen Apple bekannt, die in Ihren Stores eine begrenzte Anzahl an Produkten anbieten. Wer etwas Spezielles sucht, kann sein Wunschprodukt gleich an der Ladentheke bestellen und später im Store abholen oder eine Lieferung nach Hause anordnen.

Diese Art der Offline-Bestellung soll Ihnen das Leben als Konsument erleichtern und deshalb dürfen Sie künftig auf Ihrem Einkaufszettel nicht nur Obst und Gemüse listen, sondern gleich die neue Küche, welche Sie im Ikea-Store bestellen.

Ikea ist beim Verkauf von Möbeln sehr wichtig, den direkten Kundenkontakt zu pflegen und aus der Anonymität ihrer Möbelhäuser herauszukommen. Der Kunde soll vorher testen können, ein gutes Beratungsgespräch erhalten ohne weite Wege auf sich nehmen zu müssen. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die finanziellen Vorteile, die Ikea mit dem neuen Verkaufskonzept verfolgt. Wenn Sie Hoffnungen haben, dass durch eine Verkleinerung der Ladenflächen und dem Wegfall von übermäßig vielen Lagerzentren, die Preise sinken, sollten Sie erst einmal realistisch bleiben.

Online-Konkurrenzdruck zwingt Ikea zum handeln

Die Verschlankung dient zunächst dem Konzern selbst, der in Europa teils sehr hohe Pacht und Mieten für seine Ladenflächen zahlen muss. Die steigenden Kosten an Energie und die dadurch sinkende Effizienz solcher großen Möbelgeschäfte, zwingen den Konzern in die Knie. Der Möbelmarkt ist durch Big-Player der Branche hart umkämpft und die Konkurrenz vor allem aus Dänemark erzielt online gute Absätze. Es sind also innovative Ideen gefragt, um das alte neue Konzept wieder richtig aufleben zu lassen, sodass nicht nur Ikea, sondern vor allem Sie als Verbraucher, einen Nutzen daraus zieht.

Wann das Konzept-Erbe von Ingvar Kamprad, der im Januar 2018 verstarb, erste Früchte trägt, ist heute nicht absehbar. Allerdings beweist Ikea mit dem Verkauf der Möbel in City-Stores Mut zum Risiko.