Kommen die großen Innovationen im Internet auch aus Deutschland?

Künstlerische Darstellung eines Menschen der das Internet durchsucht.
Künstlerische Darstellung eines Menschen der das Internet durchsucht.

Google, Twitter oder Facebook kennt jeder und diese Ideen sind „Made in America“.

Das Silicon Valley gilt seit Jahrzehnten als Technologieschmiede, in der auch zahlreiche Innovationen, die das Internet betreffen geboren werden. Die Beiträge aus Deutschland, die das Netz revolutionieren sind hingegen eher bescheiden, aber einige gibt es dennoch, die unseren Alltag im Netz bereichern und ohne die einige wohl nicht mehr leben könnten. Allerdings sind die deutschen Beiträge häufig auch lokal auf Deutschland und Österreich bzw. Europa beschränkt. In das internationale Ranking schafft es kaum einer der Beiträge aus Deutschland.

Innovativ, ja – langlebig, nein
Ideen gibt es in Deutschland genügend, viele davon würden auch den Alltag im Internet nachhaltig beeinflussen. Das Problem ist jedoch, dass in Deutschland sich die Ideen in den vergangenen Jahren zu langsam entwickelt haben. Das sorgte dafür das kleine Plattformen zwar Innovationen darstellten, jedoch rasch von vergleichbaren Angeboten, die häufig aus den USA kamen, überholt wurden. Ein Beispiel dafür ist das soziale Netzwerk studiVZ. Hinter dem Netzwerk steht das Unternehmen Poolworks mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen betrieb neben studiVZ noch weitere VZ-Seiten wie Schüler VZ. Mit der Einführung von studiVZ galt das Netzwerk als Innovation und hätte wegweisend im Bereich sozialer Netzwerke sein können. Wenn da nicht ein Student mit Namen Marc Zuckerberg gewesen wäre, der mit Facebook wohl einer der Innovationen im Internet geschaffen hat, die dazu führte, dass bei studiVZ nach und nach die Nutzerzahlen sanken. Die Vorwürfe halten sich hartnäckig, dass sogar Teile des Codes von studiVZ sich bei Facebook finden würden. Bewiesen konnte diese Anschuldigung jedoch nicht werden. Die Mächtigkeit von Facebook führte schlussendlich dazu, dass die Betreiber von studiVZ im September 2017 Konkurs anmelden mussten.

Wagemut verhindert Innovationen
Ein Grund, warum Deutschland von anderen Ländern überholt wird, ist die mangelnde Bereitschaft ein Risiko einzugehen. Internetunternehmen sind in der Regel mit hohen Risiken verbunden, und während in den USA eine Hop-or-Drop-Mentalität herrscht, dominiert in Deutschland Zurückhaltung. Das Internet ist jedoch schnelllebig und wer lieber abwartet, anstatt ein Risiko mit einer Idee einzugehen, der wird schnell von den Mitbewerbern überrannt. Tatsächlich scheint das Internet nichts für Unternehmensgründer aus Deutschland zu sein, an Ideen würde es jedenfalls nicht mangeln. Dennoch werden kaum Innovationen für das Internet in die Realität umgesetzt, die meisten Erfinder bleiben bei den klassischen Produktentwicklungen. Erst in den letzten Jahren scheint langsam Bewegung in den Bereich gekommen zu sein und vor allem junge Unternehmen versuchen auch das Netz zu erobern. Als das Zentrum der Start-up-Szene gilt zwar Berlin, die Unternehmen, die im Netz aktiv sind, kommen jedoch aus anderen Städten. Damit zeigen sie auch klar, dass man es mit Innovation und Kreativität immer schaffen kann.

Innovationen aus Deutschland
Wie trivial Innovationen sein können, die das Netz revolutionieren, zeigt das Unternehmen mymuesli. 2007 startete das Unternehmen mit Sitz in Passau den Vertrieb von Müslimischungen über das Internet. Dies mag an sich keine Innovation darstellen, der Clou am Konzept war, dass sich die Kunden ihre eigenen individuellen Mischungen zusammenstellen konnten. Anstatt also wie bis jetzt zahlreiche Zutaten kaufen zu müssen, damit sich jeder sein Lieblingsmüsli mischen konnte, hatten die Nutzer die Möglichkeit mit einigen Klicks sich genau die Mischung in der gewünschten Menge zu bestellen. Das Konzept war erfolgreich und mittlerweile vertreibt mymuesli nicht mehr ausschließlich über das Netz, sondern hat verschiedene Vertriebspartner und hat in größeren Städten erste Läden eröffnet.

Dass man mit Qualität durchaus auch neben einem internationalen Unternehmen bestehen und seine eigenen Marktanteile ausbauen kann, beweist das Netzwerk XING. Das Netzwerk konzentriert sich auf die Verwaltung beruflicher Kontakte und tritt damit in direkte Konkurrenz zu LinkedIn. Obwohl XING mit nur rund zwölf Millionen Nutzer im Vergleich zu den 400 Millionen Nutzern von LinkedIn ein vergleichbar kleines Unternehmen ist, kann es bestehen. Seit Jahren baut XING sein Angebot konstant aus und verbessert bestehende Features. Das kommt nicht nur bei deutschsprachigen Kunden an, sondern auch in anderen Ländern Europas in die XING bereits expandieren konnte.