Leben ohne Fernseher – Befreiung oder Alptraum?

Bild zeigt, ein Kind vor der Glotze.
Bild zeigt, ein Kind vor der Glotze.

Endlich Wochenende! Der Samstagabend steht vor der Tür.

Klar, wie er verbacht wird. Mit Knabberzeug und Getränken auf dem Sofa – gemütlich vor dem Fernseher. Was läuft? Egal, darum geht es meistens doch gar nicht. Berieselung ist angesagt. Die Flimmerkiste gehört einfach dazu. Oder doch nicht unbedingt? Was würden Sie ohne Fernseher machen?

Ein wenig Statistik
Etwa 1,5 Millionen Menschen leben in Deutschland ohne Fernseher. Das sind nicht einmal zwei Prozent der Bevölkerung. Für den Rest gehört die Glotze zum Alltag. Dabei verbringt der Durchschnittskonsument drei bis vier Stunden vor dem Gerät – täglich. Hochgerechnet auf ein Jahr sind das mehr als 1000 Stunden! Das wiederum sind erschreckende 45 Tage. Wir haben das zweimal nachgerechnet, weil die Zahl einfach beängstigend wirkt.

45 Tage im Jahr verbringen wir also mit Nonsens wie dem Dschungelcamp, Daily Soaps, frauensuchenden Bauern, der zehnten Wiederholung von Dirty Dancing oder – noch schlimmer – skurrilen Gewinnspielen mit Z-Promis. Sie gehören nicht zu den Zuschauern dieser Auswahl? Die Gewinnspiel-Geschichte mal ausgenommen muss ich zugeben, dass ich mich von dem anderen Unsinn tatsächlich berieseln lasse. Nicht regelmäßig – aber zu oft. Wenn ich darüber nachdenke, welche wirklich wichtigen oder nützlichen Informationen mir mein Fernsehkonsum des letzten Monats gebracht hat, komme ich über die Nachrichten ehrlicherweise nicht hinaus.

Schade um die Lebenszeit
Abschalten vor der Glotze ist manchmal schön, einfach den Verstand ausschalten und Nichtstun. Fernsehen sollte jedoch nicht aus Motivationslosigkeit zur Gewohnheit werden. Wo bleibt die Kommunikation mit dem Partner und den Kindern, wenn alle wie gebannt die Gameshow verfolgen? Da ist Reden leider überflüssig. Noch dazu spiegelt das Programm nicht die Realität wieder. Hoch im Kurs stehen Übertreibungen, Skandale, Gewalt oder Werbung, die suggeriert, was wir alles unbedingt konsumieren müssen. Kein Wunder, dass sich ein unkontrollierter Fernsehgenuss negativ auf den Zuschauer auswirkt. Das traurige Ergebnis ist nicht selten mangelnde Empathie, fehlende Kommunikationsfähigkeit oder sogar der Hang zur Aggressivität. Mit anderen Worten: Übermäßiger Fernsehkonsum kann entsozialisieren.

Hinzu kommt die fehlende Bewegung (nein, der Gang vom Sofa zum Süßigkeitenschrank zählt nicht als Bewegung), wenn ganze Abende auf dem Sofa enden. Menschen, die viel Zeit vor der Glotze verbringen, neigen häufig zu Übergewicht und einem ungesunden Lebensstil. Das kann langfristig zu wirklichen gesundheitlichen Problemen führen.

Alternativen zum Fernsehen
Was könnte man mit der Zeit alles machen, wenn man einfach mal auf den Fernseher verzichtet? Schlimm genug, dass man sich überhaupt die Frage stellen muss. Dabei liegt vieles auf der Hand. Gerade mit der Familie bieten sich fernsehfreie Zeiten an. Richten Sie doch stattdessen eine Spielezeit ein. Klassische Brettspiele wie Monopoly, Siedler oder Scrabble füllen mehrere Stunden aus und bringen garantiert mehr Spaß, als die fünfte Auflage einer Castingshow anzusehen. Ein Treffen mit Freunden, ein langes, längst überfälliges Telefonat mit der Mutter, ein gutes Buch oder Bewegung an der frischen Luft – vielleicht lassen Sie ein längst verdrängtes Hobby wieder aufleben?

Menschen, die wenig oder gar nicht fernsehen, sind häufig kreativer, ausgeglichener und aktiver, als notorische Gewohnheitsglotzer. Wer bewusst einige Zeit auf unbewusstes Fernsehen verzichtet, vermisst es in der Regel nicht, sondern fühlt sich befreit und erlebt eine innere Zufriedenheit.

Fernsehen ist das Wichtigste, was der Mensch nicht braucht
Natürlich gibt es Ausnahmen. Tolle Dokumentationen, beeindruckende Natursendungen, Nachrichten und auch Filme, die ich persönlich nicht missen möchte. Ein Leben komplett ohne Fernseher kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Allerdings werde ich ab sofort bewusster fernsehen und den Apparat an einigen Tagen mal komplett aus lassen. Machen Sie mit?