Medien auf den Hund gekommen?

Symbolbild eines Veterinärs.
Symbolbild eines Veterinärs.

In der Welt ist derzeit einiges los.

In Syrien herrscht nach wie vor Krieg, in Korea treffen sich die die Oberhäupter der beiden verfeindeten Landesteile, Angela Merkel trifft Donald Trump und kriegt Küsschen wo zuletzt noch nicht einmal ein Handschlag möglich war. Doch was hat Deutschland in den letzten Wochen medial bewegt? Ein bissiger Hund mit Namen Chico, der in der heimischen Wohnung seinen Besitzer und dessen im Rollstuhl sitzende Mutter getötet hat. Doch ist es nicht die Empörung über den Tod der beiden Menschen, der die Gemüter bewegt, sondern das Schicksal des inzwischen eingeschläferten Chico.

Der Staffordshire Terrier-Mischling zierte nicht nur mehrere Tage die Titelseiten der Boulevardblätter und erhielt eigene Beiträge in den Fernsehnachrichten, nein darüber hinaus solidarisierte sich gleich eine breite Masse über das Internet mit dem Tier und forderte die Schonung des Lebens des Hundes. Von Todesstrafe für einen Hund wurde gesprochen, 270 .000 Menschen gaben im Netz ihre Unterschrift für das Leben eines Tieres, das zwei Menschenleben gefordert hatte. Kurzzeitig erwog das Veterinäramt auch tatsächlich den Hund in eine Spezialeinrichtung zu geben, sein schlechter Gesundheitszustand gemeinsam mit seiner fehlenden Sozialisation gaben dann aber den Ausschlag zu seiner Einschläferung. Nach seiner Einschläferung erhielt er den Spitznamen Chico Guevara, eine Totenwache wurde dann auch gleich noch medienwirksam abgehalten.

Natürlich ist die Art und Weise wie Chico gehalten wurde, zu kritisieren, natürlich ist ein Versagen des Veterinäramtes zu erkennen, wenn der Hund doch bereits 2011 auffällig wurde und er der Familie nicht abgenommen wurde. Doch die Auswälzung dieses Themas in sämtlichen zur Verfügung stehenden Medien inklusive einer Unterschriftensammlung mit 270.000 Teilnehmern ist schon schockierend. Über die beiden Menschen spricht keiner. Die Tochter der getöteten Frau musste ihre Mutter und ihren Bruder in einem schrecklichem Zustand in der Wohnung auffinden aber das scheint niemanden zu interessieren.

Insgesamt muss man sich schon fragen, was los ist in Deutschland, wenn das Schicksal eines bissigen Hundes die Medien so dermaßen beansprucht und die Gemüter der Menschen auf einmal so bewegt. Selbst wenn es nicht erst vor einigen Jahren in genau umgekehrter Weise zu einer medialen Welle gekommen wäre, in deren Folge es zur Kampfhundeverordnung in Deutschland gekommen ist, stellt sich doch die Frage, was genau die Deutschen überhaupt zu Reaktionen veranlasst. Scheinbar ist es das Drama, das bewegt, und derzeit haben wir keine Flüchtlingswelle mehr und nachdem die Deutschen dann auch festgestellt haben, dass Flüchtlinge nicht automatisch bessere Menschen sind und aus diesem Grunde nun enttäuscht schmollend über schärfere Abschiebungsgesetze diskutieren, muss es dann halt ein Hund sein, der die Herzen der Deutschen wieder höher schlagen lässt. Der arme Kleine wollte doch bestimmt nur spielen…