Meditieren statt Hofgang!

Altes Gefängnis in den USA.
Altes Gefängnis in den USA.

Die moderne Art der Re-Sozialisierung?

Gewalt ist in den meisten Gefängnissen auf der Welt an der Tagesordnung. So auch im größten Gefängnis der Welt Rikers Island in New York. Hier startete ein Meditationscoach ein ungewöhnliches Konzept, mit dem den Gefangenen Gelassenheit, Ruhe und Stille nahe gebracht werden sollen.

Aller Anfang ist schwer
Der erste Besuch des Meditationscoachs fällt genau mit einer Massenschlägerei im Gefängnistrakt von Rikers Island zusammen. Der Sportsaal, der mit Yogamatten und Meditationskissen ausgestattet wurde, bleibt deshalb zunächst einmal leer. Zumindest solange, bis die Situation entschärft wurde. Mit einer entsprechenden Verspätung tauchten dann die Häftlinge auf, die an dem Workshop teilnehmen sollten. Einige der „Jungs“ wirkten schon sehr nervös und schienen wohl an dem Zwischenfall im Gefängnistrakt, beteiligt gewesen zu sein. Keine idealen Voraussetzungen für eine Meditation, doch trotzdem kann es endlich losgehen, denn jetzt herrscht Stille.

Meditation gegen Alltagsprobleme im Knast
Mittlerweile sind drei Tage des Workshops „Movement & Meditati“ vergangen. Es scheint so, als ob viele der harten Kerle plötzlich ihren weichen Kern entdecken. Die Atmosphäre ist gelöster als zu Anfang. Wo vorher Aggressionswellen zu spüren waren, scheint jetzt die innere Einkehr zur Besinnung geführt zu haben. Die Gruppe der Häftlinge ist auch nach den Meditationsübungen ausgeglichener als die Mithäftlinge, die nicht am Workshop teilgenommen haben.

Meditation hält Einzug in alle Lebensbereiche
Vor gerade einmal zehn Jahren wurde die Meditation verächtlich als esoterischer Nonsens aus Fernost abgetan. Mittlerweile haben Manager, Banker, Hochleistungssportler und Politiker die Meditationsübungen für sich entdeckt und praktizieren diese. Stressbewältigung und Wohlfühlmomente – dafür steht die Meditation heute. Dabei geht es in den meisten Workshops aber nicht nur um das finden der eigenen inneren Mitte, sondern um einen soziale Austausch. Durch die Meditation werden Endorphine im Gehirn freigesetzt. Und Endorphine sind bekanntlich für die Glücksgefühle verantwortlich.

Werden Häftlinge durch Meditation zu Engeln?
Nein, ganz sicher nicht! Wer allerdings gelernt hat, in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren, der muss meist weniger Konflikte austragen. Gerade für die Insassen von Gefängnissen kann der damit verbundene Aggressionsabbau durchaus eine Erleichterung darstellen. Ob ein Coach für Meditation allerdings kriminelle Energien bändigen kann, ist noch nicht erwiesen. Denn auch ruhige Typen sind durchaus in der Lage ein Verbrechen durch zu ziehen. Allerdings kommt es bei meditativen Menschen seltener zu Gewaltausbrüchen, so dass sich bei Teilnehmern eines Meditation-Work-Shops meist nur noch kleinere, gewaltfreie Straftaten zeigen. Eine Garantie für eine derartige Re-Sozialisierung kann allerdings kein Coach der Welt geben. Einen Versuch könnte die Aktion „Meditation im Knast“ aber durchaus Wert sein.