Sensation! Nutzbares Wasser auf dem Mars?

Bild vom Mars Reconnaissance Orbiter.
Bild vom Mars Reconnaissance Orbiter.

Sauberes Wasser unter der Mars-Oberfläche gefunden.

Anzeichen für nutzbares Wasser gab es bereits zuvor, aber nun gelangen dem Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) erstmals schlüssige Aufnahmen. Da sich die Wasservorkommen in Form von Eis unter der Oberfläche befinden, waren sie bisher nicht zugänglich. Durch Erosion wurden tiefere Gesteinsschichten freigelegt, die der Sonde den Blick auf die Eisschichten freigaben.

Neue Aufnahmen legen tiefere Bodenschichten frei
Dass es Eisansammlungen unter dem Marsboden gibt, darauf wiesen bereits frühere Radarsignale hin. Diese befinden sich jedoch bis zu 100 Meter unter der Oberfläche. Eine Bohrung wäre nötig, um eindeutige Hinweise auf ihr Vorkommen zu finden. So war bisher noch unklar, wie groß die Eismassen sind und wie rein das Wasser ist. Das Mars-Fahrzeug Curiosity hat zwar Bohr-Vorrichtungen, allerdings reichen diese nur wenige Zentimeter unter den Boden.

Der Spezialkamera HiRISE, die auf dem MRO installiert ist, gelang es nun, bestimmte geologische Phänomene auf dem roten Planeten aufzuspüren. Wenn im Laufe der Zeit Boden erodiert, werden auf natürlichem Weg tiefere Bodenschichten freigelegt – ganz ohne Bohrung. Wissenschaftler haben die Aufnahmen von acht solcher Erosionsgebiete auf dem Mars analysiert und dabei größere Eismengen als bisher angenommen identifiziert. Die Eisschichten, die bis zu 100 Meter dick sind, entstanden vermutlich als Ergebnis starker Schneefälle in einer früheren Periode mit kälterem Klima.

Bedeutung für künftige Mars-Missionen
Die Verfügbarkeit von Wasser wird von NASA-Experten als eine wichtige Voraussetzungen für längere Weltraum-Reisen benannt. Der Rohstoff ist nicht nur als Trinkwasser wichtig, sondern ermöglicht gemeinsam mit dem Kohlendioxid der Mars-Atmosphäre auch die Herstellung von Sauerstoff. Die Besonderheit der neuen Aufnahmen in Hinblick auf zukünftige Mars-Missionen besteht darin, dass die gefundenen Eisvorkommen bereits ein bis zwei Meter unter der Oberfläche beginnen. Dies bedeutet, dass ein Freilegen und Abbauen für mögliche Astronauten relativ einfach wäre.

Damit das Wasser tatsächlich genutzt werden kann, muss das Eis aber auch eine hohe Reinheit aufweisen. Auswertungen der Spektrometer-Aufnahmen legen nahe, dass die dokumentierten Eismassen tatsächlich aus verhältnismäßig reinem Wasser bestehen und nicht etwa nur vereister Boden sind. Zwar ist damit zu rechnen, dass die Eisschichten auch Gestein enthalten, aber Geologen sind der Ansicht, dass das Eis sauber genug ist, um es nutzen zu können.

Eisvorkommen auch in besiedelbaren Zonen nutzbar?
Die Ergebnisse der Wissenschaftler sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Die untersuchten Gebiete befinden sich nämlich allesamt weit entfernt vom Mars-Äquator – und damit in Regionen, die zur künftigen Besiedelung nicht geeignet sind. Zum einen sind die Temperaturen hier zu niedrig und zum anderen ist die Sonneneinstrahlung zu gering, um ausreichend Solarenergie erzeugen zu können. Die Wissenschaftler sind sich bislang noch unsicher, ob unter den wärmeren klimatischen Bedingungen des Mars-Äquators die Eismassen ebenso nah unter der Oberfläche verfügbar sind.

Weitere Untersuchungen der unterirdischen Eisvorkommen sind daher nötig. Die bereits geplante „Mars 2020“-Mission der NASA wird ein Mars-Fahrzeug mit einem Radargerät ausstatten, das den Boden durchdringt und somit ein klareres Bild über die oberen Schichten geben kann. Auch die europäische Raumfahrtagentur ESA schickt im selben Jahr einen Rover auf den roten Planeten. Dieser verfügt über eine Bohrvorrichtung, die bis zu 2 Meter tief in den Boden vordringen und Proben entnehmen kann. Mit Hilfe dieser technischen Hilfsmittel erhoffen sich Wissenschaftler, eine eindeutige Prognose der Wasservorkommen machen zu können, die die Planung künftiger Marsreisen vereinfacht. Ehrgeizige Experten schätzen, dass eine bemannte Mission zu unserem Nachbarplaneten bereits in den 2030er Jahren möglich sein wird.