Silberfund auf Rügen entdeckt!

Silbermünzen vom Blauzahn-Schatz.
Silbermünzen vom Blauzahn-Schatz.

Schatzsuche für die Wissenschaft

Ein Schüler und ein Dachdecker entdeckten auf Rügen einen spektakulären Silberschatz. Dass dieser Fund der Wissenschaft nicht verloren ging, ist die Folge einer äußerst schlauen Maßnahme der beiden Hobby-Archäologen.

Silberfund sorgt für Aufregung
Für die Landesarchäologen von Mecklenburg-Vorpommern waren es sehr aufregende Tage. Wird es ihnen gelingen, den Silberschatz zunächst vor der Öffentlichkeit geheim zu halten? Halten alle Beteiligten dicht? Denn hätte jemand bereits im Vorfeld von dem Ausgrabungstermin erfahren, der im April stattfand, wäre unter Umständen das ein oder andere wertvolle Stück abhanden gekommen. Dies wäre leider nicht das erste Mal , denn des Öfteren müssen Archäologen wertvolle Funde geheim halten, damit überhaupt die Möglichkeit besteht, die Schätze vollständig bergen zu können.

Den Fundort nahe des Dorfes Schaprode hätte im Grunde jeder finden können, der einen Metalldetektor besitzt. Das Silber lag zudem nur rund 40 cm unter der Erdoberfläche und enthielt noch weitere Kostbarkeiten wie Halsreifen, Fibeln, Perlen und einen Thorshammer. Zudem wurde noch reichlich Hacksilber geborgen. Damit trieb man früher Handel: Man zerkleinerte die Silbermünzen, damit sie mit ihrem eigentlichen Metallwert gewogen werden konnten. Besonders im Ost- und Nordseeraum fanden Forscher schon zahlreiche solcher Silberstücke.

Die Archäologen konnten auf einem Acker auf Rügen mehr als 600 wertvolle Silbergegenstände bergen. Sie stammen aus dem 10. Jahrhundert n. Chr.. Die einzelnen Stücke hatten sich im Laufe der Zeit über eine Fläche von 400 Quadratmetern verteilt, was darauf zurückzuführen ist, dass der Acker immer wieder umgepflügt wurde. Den entsprechenden Behälter, in dem die Silberstücke einst gelegen haben müssen, konnten die Forscher nicht mehr entdecken.

Etwa hundert Münzen können einem echten Star aus Zeiten der nordischen Geschichte zugeordnet werden: Die Stücke wurden geprägt, als Harald Blauzahn, König der Wikinger in der Normandie, seine Regentschaft auslebte. Er herrschte über Schweden und Norwegen und selbst heute ist seine Bedeutung noch derart groß, dass auch der moderne Funkstandard Bluetooth nach ihm benannt wurde.

Die Entdeckung ist einem Hobbyarchäologen zu verdanken
Die Landesarchäologen haben es einem 13-jährigen Jungen und einem Hobbyarchäologen zu verdanken, dass der Schatz entdeckt wurde und auch unter Geheimhaltung geborgen werden konnte. Der Schüler Luca Malaschnitschenko war zusammen mit René Schön schon im Januar auf dem Gelände unterwegs und suchten ihn mit einem Metalldetektor ab. Als das Gerät ausschlug, hielt Luca kurze Zeit später ein Stück Metall in der Hand. Schön erkannte sofort, dass es sich um etwas Wertvolles für die Archäologie handeln musste.

Dass Schön und sein jugendlicher Freund nicht selber selbst zur Tat schritten und den Schatz ausgruben, ist ihrem ehrlichen Charakter zu verdanken. Die beiden Hobbyarchäologen haben somit der Wissenschaft die Möglichkeit gegeben, ein weiteres Puzzleteil der menschlichen Geschichte ausreichend zu untersuchen.

Eine Schatzsuche ist nicht immer legal
In Deutschland gibt es Tausende Menschen, die auf Äckern oder in den Wäldern auf Schatzsuche gehen und leider bewegt sich ein großer Teil davon am Rande der Legalität. Archäologische Funde müssen immer abgegeben werden, denn so schreibt es die Gesetzesregelung vor. Sondengänger dürfen zudem nicht auf sogenannten Bodendenkmälern nach Metall suchen. Werden Funde unterschlagen, drohen harte Strafen. Hierzu wurde z.B. der Fall von dem Schatzsucher „Sonden-Benny“ bekannt: Er entdeckte zufällig den Barbarenschatz von Rülzheim und muss sich seither regelmäßig vor Gericht verantwortlichen. Allerdings lässt sich in der Praxis nur schwer überprüfen, ob tatsächlich alle Funde gemeldet werden.

Wie geht es mit dem Blauzahn-Schatz weiter?
Der Blauzahn-Schatz soll als nächstes akribisch katalogisiert werden. Zuerst wird eine Bestandsaufnahme der Münzen erfolgen, die teilweise aus dem orientalischen Raum stammen. Anschließend sollen die Schmuckstücke und Münzen von Experten genau begutachtet werden. Bis die wissenschaftliche Bedeutung des Silberfundes klar sein wird, kann es tatsächlich aber noch lange dauern.