Strafzölle werden das US-Handelsbilanzdefizit nicht nachhaltig verkleinern.

Bild von einem Container-Frachter bei Hamburg.
Bild von einem Container-Frachter bei Hamburg.

Bestandsaufnahme

Die Lücke zwischen Ausfuhren und Einfuhren ist in den USA erheblich: Im Februar war das Handelsbilanzdefizit so stark wie seit neun Jahren nicht mehr. Die Importe übertrafen die Exporte um 57,6 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr 2017 stieg das Defizit auf 566 Milliarden Dollar – auf das höchste Niveau seit 2008. Die sogenannte Leistungsbilanz lag mit rund 466 Milliarden Dollar ebenfalls tief im Minus. Hier gehen auch Dienstleistungen, bestimmte Transfers (etwa Entwicklungshilfe oder Heimatüberweisungen ausländischer Arbeitnehmer) sowie grenzüberschreitende Erwerbs- und Vermögenseinkommen mit ein.

Was bedeutet dies für Wirtschaft und Wohlstand?
Das Defizit der USA besteht seit mehr als 40 Jahren. Es ist somit nicht konjunkturell bedingt, sondern struktureller Natur. Den letzten Überschuss im Außenhandel erwirtschaftete die größte Volkswirtschaft der Welt 1975.

Um das Dauerdefizit zu erklären, muss man in der Wirtschaftsgeschichte bis zum Währungssystem von Bretton Woods zurückgehen. 1944 einigten sich 44 Staaten auf ein Festkurssystem mit dem Dollar als Ankerwährung. Die US-Notenbank verpflichtete sich, unbegrenzt Dollar gegen Gold einzutauschen. In der Folge avancierte der US-Dollar zum „Goldstandard“ unter den Währungen. Fast alle Staaten versuchten, durch Handelsüberschüsse mit den USA hohe Dollar-Reserven aufzubauen.

Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 behielt der Dollar auch unter flexiblen Wechselkursen seine Dominanz, zumal weltweit viele Kapitalverkehrskontrollen abgeschafft wurden. Neben den Notenbanken konnte nun auch die Privatwirtschaft kräftig Dollar sammeln.

Der Dollar als Leit- und Reservewährung
Ein Blick in die Statistik belegt die prägende Rolle des Dollar als globale Leit- und Reservewährung. Der Dollar ist an rund 85 Prozent aller Devisentransaktionen beteiligt. Die Anteile von Euro (rund 31 Prozent) oder Renminbi (rund vier Prozent) sind deutlich geringer. Auch bei den weltweiten Devisenreserven liegt der Dollar mit einem Anteil von 63 Prozent an der Spitze, der Euro (20 Prozent) folgt in weitem Abstand. Dies führt zu einer permanent hohen Auslandsnachfrage nach Dollar.

Die lange Dauer des US-Leistungsbilanzdefizits ist zwar außergewöhnlich, aber im Grunde ein Ergebnis der Globalisierung, in der Kapital frei fließen kann. Hinzu kommt, dass die Amerikaner traditionell lieber konsumieren als sparen. Die Sparquote ist in den vergangenen fünf Jahren von 8,8 auf 2,9 Prozent gefallen und begünstigt so das Ungleichgewicht in der Handelsbilanz.

Reminiszenz
Jean-Baptiste Colbert war Mitte des 17. Jahrhunderts Finanzminister des Sonnenkönigs Ludwig XIV. und einer der einflussreichsten Vertreter des Merkantilismus. Sein Credo: Dem Staat geht es am besten, wenn er die Produktivkräfte im Inland fördert und zugleich hohe Überschüsse im Außenhandel erwirtschaftet – gern auch durch Importhürden. Genau dieser Logik folgt der US-Präsident mit seinen Strafzöllen vor allem gegenüber China.

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