Studentenbewegung 1968 jährt sich, was bleibt übrig für die Gegenwart?

Studentenbewegung 1968
Studentenbewegung 1968

Was bleibt von der Studentenbewegung für die Gegenwart?

Das Jahr 1968 jährt sich 2018 zum 50. mal. Ein halbes Jahrhundert ist es heute her, dass die Studentenbewegung und der politische Aufbruch der 70er Jahre die Universitäten und die ganze Republik veränderten. Was ist heute noch übrig geblieben von der einstigen Revolte? Wie hat sie die Republik verändert und welches Erbe hinterlässt uns diese Zeit?

Mehr Demokratie wagen?
Einen Slogan von Willy Brandt nahmen die Studierenden der 70er Jahre beim Wort. „Mehr Demokratie wagen“ war die Ansage. Aber das musste in der jungen Nachkriegsrepublik erst einmal umgesetzt werden. Von den Bildungsinstitutionen bis in die Betriebe war die Gesellschaft sehr hierarchisch aufgebaut und auch in den Familien herrschte eine strenge Arbeitsteilung und ein Machtgefälle zwischen Mann und Frau. Mit der Emanzipationsbewegung sollten alle diese Felder in Frage gestellt werden. Das Jahr 1968 konzentrierte sich nicht auf nur eines davon. Es war die Geburtsstunde gleich mehrerer Bewegungen des Aufbegehrens. Gegen die Selektion im Bildungssystem und das Gehabe der Autoritäten traten die jungen Wilden der damaligen Zeit an. Auch die Frauenbewegung gründete sich in dieser Zeit. Für einen entsprechenden Wandel bedarf es aber vor allem einer Sache, einer bestimmten Praxis. Diese nahm die junge Generation der damaligen Zeit mit vielen neuen Formen in Angriff.

1968 war die Geburtsstunde vieler sozialer Praxisformen
Bekannt sind bis heute die Sitzstreiks oder Sit-Ins der damaligen Zeit. Mit ihnen nahm man sich ganz einfach den öffentlichen Raum, den man haben wollte. Aber er wurde auch genutzt. Von der kleinen Veranstaltung bis zur großen Demonstration wurde der Raum dafür geöffnet, dass sich die Menschen äußern konnten. Es wurde eine regelrechte Lust an der Rede befeuert. Das Diskutieren stand stark in Mode und wurde auf ansteckende Weise geführt. Wie viele Menschen bestätigen, die damals dabei waren, gab dies die Möglichkeit, selbst eigene Gedanken zu äußern und sich auch vor vielen Menschen zu äußern. Damit wurde eine Debatten-Kultur begründet, die einerseits mit Konflikt und Streit verbunden war. Auf der anderen Seite ermutigte gerade dies zur demokratischen Auseinandersetzung und zum Streit mit Argumenten.

Ausblick in die Gegenwart
Ohne Zweifel hat die damalige Zeit die Beteiligung an der Debatte für mehr Menschen geöffnet. Die Frage, wie man einen politischen Streit mit vernünftigen Argumenten führen kann, bewegt uns bis heute. Während bei den großen Plenumsveranstaltungen oder Teach-Ins der Anspruch gegenseitiger Respektnahme zumindest theoretisch vorhanden war, geht er in der Praxis nicht immer ganz auf. Die sozialen Netzwerke stellen uns heute vor ganz ähnliche Herausforderungen wie die großen Debatten der damaligen Zeit. Mit dem Unterschied, dass die Auseinandersetzung heute unter verschärften Bedingungen stattfindet. Wo 1968 noch die Emanzipation das Ziel war, werden wir heute in den breiten Debatten der sozialen Netzwerke vielfach auch mit Hassreden konfrontiert. Diesen gilt es mit einer Praxis zu begegnen, die nicht ausgrenzt, sondern für eine solidarische Weltgemeinschaft einsteht. Dies dürfte ein wesentliches Erbe sein, dass uns das Jahr 1968 für 2018 als Aufgabe hinterlassen hat.

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