Studie über Twitter belegt Benachteiligung von Frauen in der Debatte.

Das Logo von Twitter.
Das Logo von Twitter.

Männer teilen vor allem die Meldungen von Männern.

In sozialen Netzwerken kann sich jeder zu Wort melden. Das Geschlecht des Sprechers sollte dabei keine Rolle spielen. Tut es aber doch. Eine neue amerikanische Studie über die Wortmeldungen politischer Journalisten in Washington, D.C. zeigt es auf: Männer stehen vor allem im Austausch mit Männern und teilen deren Meldungen. Damit reproduziert das Medium die männliche Debattenkultur in der Gesellschaft.

Studie untersucht das Redeverhalten von Journalisten auf Twitter

In einer umfassenden Studie haben sich Nikki Usher, Jesse Holcomb und Justin Littman mit der Debattenkultur in sozialen Netzwerken beschäftigt. Zu diesem Zweck haben sie sich die Nachrichten politischer Journalisten vorgenommen, die Nachrichten über die politische Auseinandersetzung in der Stadt schreiben. Damit haben sie sich eine Fachgruppe ausgesucht, die seriös im Nachrichtengeschäft verankert ist. Interessiert hat sie dabei unter anderem Folgendes: Wer reagiert auf die Kommentare welcher anderer Journalistinnen und Journalisten. Welche Meldungen werden geteilt? Welche Kommentare ignoriert? Werden Kommentare, die bereits geäußert wurden, unter bestimmten erst aufgegriffen, wenn sie ein anderer Sprecher äußert?

Ein ernüchterndes Ergebnis

Das Ergebnis der Untersuchung fällt überraschend deutlich aus: Männer teilen vor allem die Meldungen von Männern und sie tauschen sich auch vor allem mit männlichen Sprechern aus. Bei 91,5% der begutachteten Accounts stellte die Studie sogar fest, dass der Journalist ausschließlich einen Austausch mit männlichen Kollegen pflegt. Die männliche Debattenkultur der Gesellschaft wird im Medium Twitter offenbar sogar noch verstärkt. In einem Artikel mit dem Titel „Twitter makes it worse“ machten die Forscher dieses ernüchternde Ergebnis im International Journal of Press kürzlich öffentlich.

Wie die Debattenkultur sich auf die Berichterstattung der Medien auswirkt

Im sozialen Netzwerk verstärkt sich damit ein bestimmtes Redeverhalten, wie es auch aus mündlichen Debatten hinlänglich bekannt ist: Obwohl dies nicht der Fall sein sollte, spielt bei der Wortmeldung einer Person leider allzu oft das Geschlecht des Sprechers oder der Sprecherin eine Rolle. Es gibt immer noch zu viele Männer, die Wortmeldungen erst dann ernst nehmen, wenn sie auch von einem Mann gesagt wurden. Indem sich dies auf Twitter reproduziert, wird jedoch nicht nur den Journalistinnen Unrecht getan und deren Karrieremöglichkeit blockiert. Es wird auch ein Effekt erzeugt, der erhebliche Auswirkungen auf die Berichterstattung in den Medien hat. Sie ist vor allem von Männern und deren Sicht auf die Dinge geprägt. Damit werden bestimmte Perspektiven zu wenig eingenommen oder fallen sogar gleich ganz unter den Tisch.

Das Medium ist ein Kommunikationsinstrument

Dass sich die Untersuchung gerade das Medium Twitter vorgenommen hat, ist unterdessen kein Zufall. Der Kurznachrichtendienst gehört zu den wichtigsten Instrumenten des gegenwärtigen Journalismus. Ganz gleich, ob es sich um die gedruckte Zeitung oder den Online-Journalismus handelt – über den schnellen Nachrichtendienst tauschen sich die Profis über das aktuelle Geschehen aus. Es gehört zu den wichtigen Kommunikationsinstrumenten in dieser Branche. Der beobachtete Effekt hindert Frauen auf fatale Weise bei der Kommunikation in diesem Berufsfeld. Das dabei beobachtete Phänomen dürfte übrigens nicht nur auf Twitter zutreffen. Auch andere Kommunikationsmedien dürften davon betroffen sein. Von der Untersuchung wissenschaftlicher Forschungsjournale über die Wortmeldungen und Vernetzungen auf Facebook bis zu ganz anderen Medien stehen ähnliche Untersuchungen erst noch aus.