Was kann smarte Kleidung?

Bild einer smarten Jacke.
Bild einer smarten Jacke.

Smarte Kleidung als Lebensretter und Begleiter.

Technologie hatte schon immer das Ziel, uns im Alltag und Beruf zu unterstützen. Nun könnte sie uns näher kommen, als gedacht. In den letzten Jahren entwickelte sich ein neuer Trend in der Textilindustrie, die Kleidung und Technik vereinen möchte. Die Innovation wird als ‚Smarte Kleidung‘ bezeichnet. Konkret werden Kleidungsstücke mit elektronischen Geräten und Funktionen ausgestattet, die von außen unsichtbar sind.

Sportkleidung mit Messtechnik

Von Jahr zu Jahr werden Elektrogeräte kleiner und funktionsfähiger. Die Sparte der Mikroelektronik ermöglicht nun die Entwicklung intelligenter Kleidungsstücke, die bekannte Alltagsgeräte integriert haben. Einen ersten Durchbruch erlangte Smarte Kleidung im Bereich des Spitzensports. Adidas entwickelte den Fußballschuh ‚Adizero‘, der mit kleinen Sensoren ausgestattet ist. Über eine Smartphone-App können Bewegungen aus Sprints und Ballschüssen analysiert werden. Dazu zeichnen die Sensoren die Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit des Sportlers auf und leitet sie an das Endgerät weiter. Was im Schuh möglich ist, lässt sich auf die gesamte Kleidung übertragen. So verwendet die Fußballmannschaft der TSG 1899 Hoffenheim eine sensorisch vernetzte Funktionskleidung, die Informationen zur Spieltechnik an ein Analyseteam verschickt.

Smarte Kleidung im Rettungsdienst

Forscher arbeiten an einer Entwicklung, die Rettungskräften selbst das Leben retten kann. Unter dem Projekt ‚SensProCloth‘, geleitet vom Fraunhofer-Institut, wird Schutzkleidung mit Sensoren ausgestattet. Die Schutzkleidung soll den Gesundheitszustand des Retters überwachen und mit der Einsatzleitung verbunden sein. Im Ernstfall wird bei der Einsatzleitung ein Alarm ausgelöst. Dazu kann der Retter auch selbst einen Notruf über eine angebrachte Alarmtaste versenden. Besonders innovativ ist die Entwicklung einer speziellen Schutzkleidung für Motorradfahrer. Diese soll die Beschleunigungswerte aufzeichnen und bei einem Unfall eine Druckluftkartusche auslösen können. Ähnlich zu einem Airbag-System könnte die Schutzkleidung einen Aufprall abdämpfen.

Smarte Kleidung in der Zukunft

Neben den bisherigen Anwendungen gibt es zahlreiche spektakuläre Forschungsansätze. Beispielsweise arbeiten Forscher und Designer an einer Jacke, die den Besitzer unsichtbar machen könnte. Dazu sollen sogenannte Metamaterialien die einfallenden Lichtstrahlen um das Textil herumleiten. Ob eine solche Zukunftsforschung den Weg in den Kleiderschrank findet, ist aber ungewiss. Ulrich Bauer ist Professor in der Fachrichtung Bekleidungstechnik an der HTW Berlin und gibt an, dass Smarte Kleidung noch eine geringe Nachfrage hat. Einerseits wüssten Menschen nicht, welche Möglichkeiten sie bereitstellt. Andererseits ist die Stromversorgung nach wie vor ein Hindernis. So würden sich Kunden davor scheuen, schwere Batterien an der Hüfte zu tragen. Zuletzt sind auch die Textilhersteller unsicher, mit welchem Risiko der Sprung zur Technologie verbunden ist. Damit zeigen Investoren ein geringes Interesse, auch weil die Gewinnmargen im Vergleich zur Technologie in der Mode deutlich höher liegen.