Was macht Nationen reich?

Eine Obsthändlerin in Indien.
Eine Obsthändlerin in Indien.

Welche Faktoren bestimmen den Nationalen Wohlstand?

Warum verfügen die Dänen durchschnittlich über doppelt so viel Vermögen wie die Spanier und die Spanier fast acht Mal so viel Reichtum wie die Menschen in Angola? Warum ist das Pro-Kopf-Einkommen der Kanadier fünf Mal höher als das Pro-Kopf-Einkommen der Brasilianer?

Ursachen für den Wohlstand der Nationen
Schon der Urvater der Nationalökonomie Adam Smith (1723-1790), hatte sich auf die Suche nach den Ursachen des „Wohlstands der Nationen“ begeben. Für Smith bildete die Arbeitsteilung und der menschliche Eigennutz die Ursachen für Prosperität.

Der Nobelpreisträger für Wirtschaft, Robert Solow fand fast 200 Jahre später heraus, dass Wachstum und Wohlstand eines Landes von der Quantität und Qualität der Beschäftigten (Humankapital), den vorhandenen Maschinen und Anlagen (Sachkapital) sowie dem technischen Fortschritt (Faktorproduktivität) abhängen.

Der Soziologe Max Weber (1864-1920) führt Unterschiede im Wohlstand auf kulturell-religiöse Faktoren zurück. Für den US-Ökonomen Jeffrey Sachs hingegen sind die geografischen Bedingungen entscheidend dafür, ob ein Land reich wird oder in Armut verharrt. Der amerikanisch-türkische Wirtschaftswissenschaftler Daron Acemoglu betont die Bedeutung des Privateigentums sowie den Einfluss des Rechts als Determinanten für die Kapitalbildung und den Wohlstand.

Obwohl diese Faktoren den Wohlstand beeinflussen, bieten sie trotzdem keine letzte Erklärung für die Unterschiede zwischen den Staaten. Denn Menschen haben die Kultur, die religiöse Haltung und die Institutionen unter bestimmten äußeren Bedingungen entwickelt.

Was steckt hinter den Wohlstands-unterschieden?
Geduld, Risikoneigung, Vertrauen, Altruismus und Gegenseitigkeit im sozialen Austausch sind die grundlegenden Präferenzen, die das Verhalten der Menschen bestimmen. Wie diese weltweit unter den Menschen verteilt sind, war bisher weitgehend unbekannt.

Wohlstand setzt Investitionen in Sach- und Humankapital voraus. Das aber bedarf besonderer Geduld, also einer nur schwachen Vorliebe für sofortigen Konsum. Jeder nachhaltigen Investition muss eine Phase des Sparrens vorausgehen.

Empirische Forschungsergebnisse
Am ausgeprägtesten ist die Geduld der Menschen in Skandinavien, Westeuropa und den englischsprachigen Staaten, wobei innerhalb Europas ein Nord-Süd-Gefälle besteht. Von allen Einflussgrößen weist die Geduld mit großem Abstand den größten Einfluss auf das Pro-Kopf-Einkommen auf. Geduld ist der entscheidende Faktor, weshalb einige Länder reich, andere dagegen arm sind.

Geduld ist ein langfristig wirksamer Faktor, der nicht nur mit den aktuellen Pro-Kopf-Einkommen der Länder korreliert, sondern auch mit deren Wachstumsraten in den vergangenen 200 Jahren. Wächst die Geduld um eine Einheit, so hat dies eine um 0,5 bis 1,1 Prozentpunkte höhere Wachstumsrate der Pro-Kopf-Einkommen zur Folge.

Auch innerhalb der Länder gibt es einen ausgeprägten Zusammenhang zwischen Geduld und Einkommen. Regionen mit geduldigeren Menschen zeichnen sich durch mehr Wohlstand aus als andere. Im Zusammenspiel mit funktionierenden Institutionen ist ein Tugend-Kreislauf denkbar. Eine geduldige und vorausschauend handelnde Bevölkerung wird gute Einrichtungen, beispielsweise ein unabhängiges Justizwesen, schaffen. Auch das private Eigentum, die Vertragsfreiheit sowie ein schrankenloser Wettbewerb induzieren Wachstum und Wohlstand. Sie führen zu mehr Planungssicherheit der Menschen, erhöhen ihre Geduld und damit den Willen, Sachkapital- und Bildungsinvestitionen zu tätigen.

Fazit
Um eine Abwärtsspirale zu durchbrechen sind in vielen Ländern grundlegende Änderungen, auch des politischen Systems notwendig. Denn wo autoritäre Herrscher und korrupte Eliten regieren, lassen sich nur schwer Institutionen schaffen, denen Menschen vertrauen.

Die These, dass globale Wohlstandsunterschiede auf unterschiedliche Geduld der Bevölkerung beruhen, wird zu kontroversen Diskussionen führen. Zumal höhere Geduld mit höheren kognitiven Fähigkeiten verbunden ist.

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