Wie Amazon das Zustellgeschäft in Deutschland diktiert und dominiert.

Das Amazon Karton-Männchen.
Das Amazon Karton-Männchen.

Die Deutsche Post mit ihrem Paketlieferdienst DHL weitet seine Zustellzeiten erneut aus!

Und unterwirft sich damit nicht zuletzt dem Wunsch von Amazon, mehr Flexibilität zu gewährleisten, um Kunden zur später Stunde zu beliefern. Vorteile durch die späten Lieferungen entstehen derzeit ausschließlich für Kunden aus den Ballungsgebieten. Wer auf dem Land wohnt, muss die Paketannahme zur Hauptzeit organisieren.

Amazon – ein Branchenriese der nie schläft

Auf der Suche nach mehr Flexibilität ist Amazon einer der innovativsten Ideengeber. Feste Schließungszeiten der Geschäfte stößt dem Branchenprimus des Onlinehandels teils sauer auf. Denn wie wichtig es ist, vor Ort zu sein, hat Amazon schon vor Jahren erkannt. Die Umsetzung neuer Geschäfte in Städten ist aber nur der erste Schritt mehr Nähe zum Kunden zu erzeugen. Denn viele haben nie die Chance zu den Öffnungszeiten eine Filiale zu besuchen und bekommen ihre Waren bei einer Onlinebestellung erst Tage später.

Amazon weiß um diesen Zustand und möchte die Ruhezeiten so weit es geht kippen, um seine Kunden zügig zu beliefern. Der Gesetzgeber in Deutschland wird aber kaum bereit sein, einen 24-Stunden-Lieferservice zu akzeptieren, weil dadurch die Nachtruhe gestört wird. Vielleicht leben auch Sie in einem Mehrfamilienhaus oder in einer dicht besiedelten Wohngegend. Stellen Sie sich vor, der Paketdienst liefert in der Nacht bei Ihrem Nachbarn ein Paket ab. Nach mehrmaligem Klingeln wird dieser aber nicht wach. Sie schon und damit dürfte es mit der Nachtruhe vorbei sein.

Doch Amazon strebt nach mehr. Ihnen passt es ins Marketingkonzept, dass Kunden rund um die Uhr Ihre Waren erhalten, um seine eigene Position zu stärken. Immerhin erzielt das amerikanische Unternehmen jetzt einen Teilerfolg und schließt einen Deal mit DHL.

Bundesnetzagentur registriert Beschwerden

Die neuen Vereinbarungen mit dem Zustelldienst DHL hat einen Grund. Kunden haben sich in der Vergangenheit immer wieder bei Verbraucherdiensten beschwert, dass die Paketzustellung Mängel aufweist und viele davon ihre Pakete nicht zugestellt bekommen. So muss der Kunde mit dem Zustellschein zur Post, um sich sein Paket abzuholen, welches manchmal ordentlich wiegt. Nicht alle haben ein Fahrzeug für den anschließenden Transport zur Verfügung und müssen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ihr Hab und Gut transportieren. Das ruft die Verkehrsgesellschaften auf den Plan, die es nicht gerne sehen, wenn große Gegenstände in Bus und Bahn transportiert werden.

Wer sich also kein Taxi leisten kann oder jemanden findet, der zur Abholung mit dem Pkw bereit ist, steht vor einem ernsten Problem. Amazon weiß eine Antwort darauf und vereinbart mit DHL künftig auch zur später Stunde zwischen 18 und 21 Uhr auszuliefern. Gesteuert wird dieser Service online über einen Computer oder ein Tablet. Bequemer geht das gar mit der App. Vom Smartphone aus lässt sich nicht nur die Sendung verfolgen, sondern auch die genaue Zustellzeit bestimmen.

Viele Kunden wird das erheblich freuen. Wer tagsüber arbeitet, kann zu Hause am Abend seine Lieferung in Empfang nehmen. Doch bei genauerem Hinsehen ist festzustellen, dass nur rund 1.500 Beschwerden jedes Jahr bei der Bundesnetzagentur registriert werden. Das bleibt auch nicht Achim Dünnwald von der Deutschen Post verborgen. Im Grunde sind die bisherigen Zustellzeiten also keineswegs ein Problem, sondern Händler wie Amazon, die ihren Kunden auch den letzten Wunsch von den Lippen lesen.

Zustellgebühr steigt

Der Zustellservice nach 18 Uhr kostet natürlich extra. In der Anfangszeit veranschlagt die Deutsche Post eine Gebühr von 1,99 Euro und wird die Kosten auf 2,99 Euro pro Zustellung hochschrauben. Die Kosten sind überschaubar und stellen für die Kunden sicherlich keine Belastung dar. Profitieren Sie also künftig von erweiterten Lieferzeiten und Amazon wird Ihnen sicherlich noch weitere Wünsche erfüllen.