Wie ein junges Start-Up Krähen als Müllsammler einsetzen will.

Solche Krähen könnten schon bald Zigarettenkippen einsammeln.
Solche Krähen könnten schon bald Zigarettenkippen einsammeln.

Gerade in großen Städten sorgen weggeworfene Zigarettenkippen oft für Verschmutzung.

Die Beseitigung vieler kleinen Stummel ist aufwändig und erfordert viel Arbeit. Das Start-Up „Crowded Cities“ aus Amsterdam will für die Säuberung der Straßen auf Krähen zurückgreifen. Die Projektgründer arbeiten an der Produktion eines Automaten, der die intelligenten Vögel schon bald für nützliche Zwecke einspannen könnte.

Hilfe aus dem Himmel

Wenn sich im städtischen Raum viele kleine Zigarettenstummel auf den Straßen sammeln, kann dies schnell zum Ärgernis werden. Wer die kleinen Objekte von Hand aufsammeln möchte, benötigt dafür viel Geduld. Auch Maschinen gibt es dafür nicht. Eine besonders interessante Idee zur Lösung dieses Problems haben sich nun zwei junge Holländer ausgedacht. Bob Spikman und Ruben van der Vleuten möchten sich die Hilfe zur Säuberung der Städte ganz einfach aus dem Himmel holen. Mit der Hilfe eines Automaten möchten sie Krähen als Müllsammler ausbilden. Das Gerät, an dem die beiden arbeiten, funktioniert nach einem einfachen Prinzip. Immer wenn die Krähe einen Zigarettenstummel einwirft, erhält sie im Gegenzug etwas Futter. „Crowded Cities“ haben Spikman und van der Vleuten ihr Start-Up genannt. Letztes Jahr erst haben sie ihre Idee ins Gespräch gebracht und arbeiten derzeit an der Entwicklung des Automaten. Aber schon jetzt stößt das Projekt nicht nur in Holland auf Interesse. Auch in großen Städten vieler anderer Länder interessiert man sich für das Problem. In der norddeutschen Stadt Jever hat auch der Bürgermeister bereits über den Einsatz der Automaten nachgedacht. Wenn sich die Idee der beiden Gründer erfolgreich umsetzen lässt, könnten sie ihr Gerät also vielleicht auch bald schon in Deutschland einsetzen.

Warum gerade Krähen?

Unter den Vögeln gehören die Krähen zu den intelligentesten Tieren. Es ist kein Zufall, dass dem schwarzen Vogel auch in der Mythologie vielfach ein besonderer Platz zukommt. Manchmal werden sie als Mittler zwischen Diesseits und Jenseits betrachtet. In anderen Geschichten ist der Vogel ein Begleiter bestimmter Götter. In jedem Fall aber werden die Tiere als schlau und aufgeweckt beschrieben. Wissenschaftliche Studien haben diese Annahmen bestätigt. Wo dem schwarzen Vogel eine besondere Intelligenz zugeschrieben wird, handelt es sich nicht nur um ein Märchen. Feldstudien belegen folgende Eigenschaften der Krähen: Die Tiere sind mitunter in der Lage, kleine Gegenstände als Werkzeuge einzusetzen. Krähen können sich außerdem Gesichter von Menschen merken. Manche Tiere kehren immer wieder zu bestimmten Personen zurück. Sogar über die Emotionalen Kompetenzen der Tiere wurde in der Wissenschaft diskutiert. Es ist kein Zufall, dass das holländische Start-Up bei seinem Projekt gerade auf Krähen setzt. Die Vögel können sich an Gegenstände und Arbeitsprozesse erinnern. Durch ihr gutes Gedächtnis könnten sich die Tiere sowohl den Ort des Automaten merken, wie auch die Währung die sie zum Tausch für das Futter benötigen. Wenn das Projekt der Holländer funktioniert, stünden damit in vielen Städten ganze Heerscharen von Müllsammlern zur Verfügung.

Nützliche Kooperation zwischen Mensch und Tier

Interessant an „Crowded Cities“ ist nicht nur der kleine Automat selbst. Dass Tiere bestimmte Handlungen erlernen können, ist nicht nur in der Wissenschaft schon lange bekannt. Jeder Hundehalter, der seinen Hund in die Hundeschule bringt, weiß über diese Möglichkeit Bescheid. Den Lernvorgang, der dabei stattfindet, bezeichnet die Forschung als Konditionieren. Durch eine kleine Belohnung wird eine bestimmte Handlung mit einer positiven Erfahrung verknüpft. Das sorgt dafür, dass die Handlung vom Tier gerne angenommen wird und das Tier diese immer wieder ausübt. Aber nicht diese Konditionierung ist so spannend am Start-Up-Projekt. Es ist die nützliche Kooperation von Krähen und Menschen. Möglicherweise könnten dabei die Tiere sogar umgekehrt den Menschen in seinem Verhalten beeinflussen: Wo jene sehen, wie diese ihren Dreck wegbringen, wirft der ein oder andere Raucher seinen Glimmstängel vielleicht künftig selbst in den Müll.