WM 2018 Russland: Was passiert nach dem Turnier mit den Stadien?

Symbolbild für die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland.
Symbolbild für die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland.

Was passiert nach der Fußballweltmeisterschaft mit den Stadien?

Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist für das Gastgeberland ein teures Spektakel, so auch die WM 2018 in Russland, wo sich viele Regionalpräsidenten fragen, was mit den Stadien nach dem Turnier eigentlich passiert. Die Tatsache, dass sieben Stadien nach der WM 2018 in Russland keine Garantie für eine weitere Auslastung durch sportliche Nutzung erhalten, ist ein Zeichen für die verfehlte Planung des Gasgeberlandes. Staatspräsident Wladimir Putin hat bereits eine Analyse in Auftrag gegeben.

Sotchi brachte die ersten Vorzeichen
Erinnern Sie sich noch an den Februar im Jahr 2014? In Sochi fanden die Olympischen Winterspiele statt. Viel wurde zuvor über den Sinn und Unsinn der Veranstaltung gesprochen, weil die Infrastrukturen erst geschaffen werden musste, um das sehr teure Projekt durchzuführen. Heute gleicht die ehemalige olympische Anlage einer Geisterstadt, wenngleich Teile davon für die WM 2018 Russland wieder genutzt werden. Es lag schon in der Luft, was vier Jahre später bei der Weltmeisterschaft in Russland auf das Land zukommt. Teure Umbauten bestehender Stadien, teure Neubauten diverser Arenen, deren weitere Nutzung ungeklärt bleibt.

Der Regionalpräsident Anton Alichanow von Kaliningrad hat das anstehende Problem bereits mit dem Russlandpräsidenten Wladimir Putin besprochen. Er machte ihm bewusst, dass nach der WM 2018 in Russland nicht nur seine Arena mit 35.000 Sitzplätzen keine Auslastungsgarantie für die Zukunft erteilen kann, sondern, dass mindestens sechs weitere Stadien im Land davon betroffen sind. Alternative Veranstaltungen sind in der Arena nur in den warmen Sommermonaten möglich und es ist zu bezweifeln, dass die 35.000 Plätze alle belegt werden. Es ist ein riesiges Verlustgeschäft, weshalb Alichanow Putin zur weiteren Übernahme der Betriebskosten auffordert. Der wiederum möchte erst eine Analyse starten, um abzuklären, wie hoch der Verlust tatsächlich ist.

Offensichtlich hat die russische Regierung nichts aus dem wirtschaftlichen Verlustgeschäft Sochi als Olympia Gastgeber gelernt. Oder, wie so häufig, wird das Problem unter den Teppich gekehrt, denn Wladimir Putin wird kaum täglich in Sochi sein, um sich das Ausmaß der Hinterlassenschaften anzusehen. Die WM 2018 in Russland steht also vor einem finanziellen Fiasko, sobald die FIFA mit den Nationalteams und allen weiteren Besuchern, abgezogen sind.

Bis 2023 liegen die Kosten bei 13 Milliarden Rubel
Die betriebswirtschaftlichen Kosten für die Stadien und Anlagen wie Trainingsplätze kosten den Staat bis zum Jahr 2023 satte 13 Milliarden Rubel, was etwa 179.900.760 Euro entspricht. Eine stolze Summe für ein Land, wo Arm und Reich so weit auseinanderklafft, dass die meisten Bewohner sich nicht einmal eine Eintrittskarte für ein unterklassiges Ligaspiel leisten können. 12,4 Milliarden Rubel davon will der Staat bereitstellen, allerdings soll der fortlaufende Betrieb ab 2019 durch die Regionen finanziert werden. Doch dort fehlen Gelder für Bildungseinrichtungen, Infrastruktur und Sozialausgaben, weshalb es für den Staatspräsidenten Gegenwind gibt. Die WM 2018 Russland ist nichts anderes als ein politisches Prestigeprojekt, wo Folgezahlen offensichtlich keine Rolle spielen.

Der FIFA ist sehr wohl bewusst, was Sie in Russland mit der WM 2018 hinterlässt. Schließlich gibt es genug Erfahrungswerte aus den vorangegangenen WM-Turnieren 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien. In diesen Ländern liegen die Stadien, die aufwendig restauriert oder neugebaut wurden, heute größtenteils brach. Wenn die FIFA also von einem erfolgreichen Turnier spricht, dann nicht im Bezug auf die Vorteile des Gastgeberlandes, sondern bezüglich ihrer eigenen Erträge, die in die Milliarden gehen.

Auf der Suche nach einer Lösung für Nischni Nowgorod, Wolograd, Samara, Kaliningrad (beste Vereine in zweiter Liga mit Zuschauerdurchschnitt von rund 7.000 Besuchern), Saransk (dritte Liga, Zuschauerschnitt 2.500), Sochi ohne einen ansässigen Fußballverein und Rostow streben einen Fond an, der die Finanzierung des künftigen Betriebs ausgleicht. Bleibt nach der WM 2018, Russland viel Erfolg zu wünschen.