Woran erkennt man echte Wissenschaft?

Bild von einem Wissenschaftlichen Versuchsaufbau.
Bild von einem Wissenschaftlichen Versuchsaufbau.

Was Wissenschaft von Scheinwissenschaft unterscheidet

Die Frage, ob etwas wirklich Wissenschaft ist oder ob es nur den Anschein einer Wissenschaft hat, stellt sich oft dann, wenn Zweifel an gewissen Behauptungen auftauchen. Lässt sich herausfinden, ob die Zweifel gerechtfertigt sind? Falls das möglich ist, lässt sich dadurch die Frage nach der Wissenschaftlichkeit beantworten?

Das Wesen der Wissenschaft
Ziel der Wissenschaft ist es, allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten in der Natur, in der Gesellschaft, im Denken und in der Technik zu finden. Der Weg besteht darin, nach der Beobachtung eines Gegenstandes oder Sachverhaltes eine Vermutung aufzustellen, Praktiken zu finden und anzuwenden, mit denen die Vermutung bestätigt oder widerlegt werden kann, und auf der Grundlage der daraus resultierenden Ergebnisse eine Theorie aufzustellen. Für die Entwicklung der Praktiken und für die Aufstellung der Vermutung werden die bereits vorhandenen Erkenntnisse genutzt. Die neue Theorie ergänzt, erweitert oder widerlegt bisheriges Wissen. Auf diese Weise wird Wissen geschaffen, systematisiert, weitergegeben und weiterentwickelt.

Die Methode
Ein grundlegendes Merkmal der Wissenschaft ist die Methode, mit der Wissen zusammengetragen wird. Die Methode orientiert sich an den tatsächlichen Gegebenheiten. Es wird vorausgesetzt, dass sich die tatsächlichen Gegebenheiten erkennen lassen. Gleichzeitig wird aber auch berücksichtigt, dass das Erkennen selbst von den Mitteln abhängig ist, mit denen es vonstatten geht und dass die Erkenntnisse nie vollkommen sind.
Zu dem betrachteten Gegenstand oder Sachverhalt werden zunächst Fakten gesammelt und in geeigneter Form zusammengestellt. Die Form muss es gestatten, Voraussetzungen zu formulieren und logische Schlussfolgerungen zu ziehen. Die mit den Schlussfolgerungen gewonnene Erkenntnis ist dann durch Versuche und weitere Beobachtungen zu belegen. Schließlich ist zu prüfen, ob die Erkenntnis im Einklang mit den bekannten Gesetzmäßigkeiten steht. Bei Widersprüchen ist die Methode auf die betreffende bekannte Gesetzmäßigkeit anzuwenden und entweder die neue oder eine alte Erkenntnis zu verwerfen oder aber beide zu korrigieren und gemeinsam zu einer neuen Theorie weiterzuentwickeln. Dieser oft langwierige Prozess ist das Fundament für wissenschaftlichen Fortschritt.

Die Merkmale
Die Wissenschaft erhebt Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Etwas, das in der Biologie richtig ist, muss zum Beispiel auch in der Medizin, der Physik und in der Chemie richtig sein.
Die Wissenschaft ist frei von Widersprüchen. Die Aussagen sind in sich zusammenhängend, logisch und nachvollziehbar. Widersprüche können zwar zeitweilig auftreten, werden dann aber als solche gekennzeichnet und führen zu neuen Forschungen.
Die Wissenschaft ist systematisch. Die Wissensgebiete unterliegen einer Ordnung, in die alle Erkenntnisse systematisch eingefügt werden.
Die Wissenschaft liefert sachliche Begründungen. Für die wissenschaftliche Arbeit ist Kritik unentbehrlich, weil sie immer wieder dazu zwingt, eine gegenteilige Behauptung zu widerlegen. Dabei können Irrtümer auf beiden Seiten erkannt und ausgeräumt werden.
Die Wissenschaft legt ihre Methoden offen. Die Beschreibung, wie die Erkenntnisse gewonnen wurden, lässt Rückschlüsse auf die Zuverlässigkeit der Aussagen zu und ermöglicht es, sie nachzuprüfen.
Die Wissenschaft gibt zu, dass sie nicht endgültig ist. Die prinzipielle Bereitschaft, Weiterentwicklungen anzuerkennen und Überholtes aufzugeben, gehört zum wissenschaftlichen Grundverständnis.
Die Wissenschaft legt Wert auf Öffentlichkeit. Die Veröffentlichung wissenschaftlicher Methoden und Theorien trägt einerseits zur Bewahrung des Wissens bei und ermöglicht andererseits die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, die an verschiedenen Orten ähnliche Sachverhalte erforschen.

Unwissenschaftliche Aussagen
Fehlen den Aussagen, die Sie in Zweifel ziehen, alle Merkmale der Wissenschaft, sind diese Aussagen mit großer Wahrscheinlichkeit unwissenschaftlich.
Die Ursachen für unwissenschaftliche Aussagen sind vielfältig. Es gab zu jeder Zeit Sachverhalte, die sich nicht erklären ließen. Es gibt solche Sachverhalte auch in der Gegenwart. Das bot und bietet Raum für fragwürdige Mutmaßungen. Auf dieser Grundlage haben sich zum Beispiel Religionen entwickelt und später in Machtinstrumente umgewandelt.
Wissenschaftliche Erkenntnisse können unbequem sein. Das führt zu Behauptungen, die der Bequemlichkeit dienlich sind, und deshalb auch dann hartnäckig verteidigt werden, wenn sie wissenschaftlich widerlegt sind.
Die Unwissenheit oder Unsicherheit anderer kann profitabel sein. Mit unbegründeten Versprechen und Erklärungen, die als wissenschaftlich begründet dargestellt werden, wird viel Geld verdient.